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Wolfgang Thierse (Bundestagspräsident a.D.) zu Gast bei Alfred Schier

"phoenix persönlich" vom 16.04.2021

phoenix persönlich: Wolfgang Thierse zu Gast bei Alfred Schier Ex-Bundestagspräsident Thierse: SPD darf als Volkspartei nicht nur auf Minderheiten schauen  Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat seine Partei aufgefordert, stärker Überzeugung...

29 min
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17.04.2021
17.04.2021
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 17.10.2021

phoenix persönlich: Wolfgang Thierse zu Gast bei Alfred Schier

Ex-Bundestagspräsident Thierse: SPD darf als Volkspartei nicht nur auf Minderheiten schauen 

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hat seine Partei aufgefordert, stärker Überzeugungen und Bedürfnisse der schweigenden Mehrheit der Bürger aufzunehmen. "Wenn wir Volkspartei bleiben wollen, müssen wir nicht nur auf die verschiedenen einzelnen Minderheitsgruppen schauen, die ja ihre legitimen Interessen vertreten und die wir auch ernst nehmen, sondern müssen auch auf ein breites Spektrum achten", sagte Thierse im phoenix-Interview (Freitag, 16. April). Wichtig sei es, Gerechtigkeitsfragen ins Zentrum sozialdemokratischer Politik zu rücken, weil dies von vielen Menschen als elementar erachtet werde.

Thierse, der kürzlich wegen Äußerungen zur Identitätspolitik von führenden Parteigenossen kritisiert worden war, sprach sich erneut für eine Gesellschaft der Vielfalt aus, die nicht nur das Verbindende betonen, sondern auch wechselseitigen Vorwürfen entgegentreten müsse. "Wir haben hinzuhören, wenn Bürger anderer Herkunft, Einstellung und Orientierung ihre Betroffenheit artikulieren. Die Betroffenen sollten das erste Wort haben, aber sie müssen nicht das letzte Wort haben", meinte der SPD-Politiker. Wichtig sei, dass man von allen Seiten daran arbeite, zu Gemeinsamkeiten zu kommen. "Wer etwas für Minderheiten erreichen will, muss dafür Mehrheiten erreichen", sagte Thierse, der zugleich vor einem Klima der Konfrontation warnte. Mehrheiten gewinne man aber nicht, indem man sie dauernd Verdächtigungen aussetze.

Thierse äußerte sich besorgt über den derzeitigen Machtkampf in der Union um die Kanzlerkandidatur. "Was mich erstaunt, ist, dass CDU und CSU nicht schon längst ein Verfahren entwickelt haben, um diesen Streit zu vermeiden, den man ja kommen sah. Dass man sich in diese Ausweglosigkeit hat führen lassen, ist schon beunruhigend", so der frühere Bundestagspräsident. Wer auch immer nach der Wahl im September die Geschicke des Landes als Kanzler führe, stehe aufgrund von Globalisierung, Digitalisierung und Klimakrise jedenfalls vor enormen Herausforderungen.

 

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