Arbeitsplätze für Flüchtlinge: Haben wir das geschafft?

Politik | Frontal 21 - Arbeitsplätze für Flüchtlinge: Haben wir das geschafft?

Es war ein gutes Jahr für mich, sagt Ahmad, als wir ihn jetzt wieder treffen. Er hat eine Arbeit gefunden und eine eigene Wohnung. Doch so positiv fällt die Bilanz für viele Geflüchtete nicht aus.

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10 min
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Video verfügbar bis 06.09.2017, 17:36

Es war ein gutes Jahr für mich, sagt Ahmad, als wir ihn jetzt im Allgäu wieder treffen. Er hat eine Arbeit gefunden und eine eigene Wohnung. Doch so positiv fällt die Bilanz der meisten Geflüchteten nicht aus. Ob jung und motiviert oder Akademiker mit Erfahrung, nur wenige haben es nach ihrer Ankunft in Deutschland geschafft.

Der Kinderarzt Mohamad Chanan arbeitete 20 Jahre in Aleppo. Er und seine Familie flohen vor dem Krieg. In Niedersachsen will er gerne wieder als Arzt arbeiten. Doch die sprachlichen Hürden sind hoch. Bis zur Prüfung arbeitet er seit Monaten als Praktikant in einer Landarztpraxis, die dringend seine ärztliche Unterstützung braucht. “Ich glaube, sowohl Unternehmer wie auch Flüchtlinge haben geglaubt, es geht schneller“,
sagt Heribert Wilhelmi von der Arbeitsagentur aus Trier. Um einen Platz in der deutschen Arbeitswelt zu finden, brauchen geflüchtete Menschen mehr Engagement, Zeit und Geduld, als sie dachten.

Rund eine Million offener Stellen

Zwar gibt es rund eine Million offener Stellen, doch vielen der 346.000 arbeitssuchenden Flüchtlingen fehlt es an der erforderlichen Qualifikation. Nach Erfahrung der Praktiker in Jobcentern und Betrieben seien mehr Sprachkurse und gezielte Weiterbildung notwendig, das koste Geld, mache sich aber auch auf Dauer bezahlt..

Vor allem Handwerks- und mittelständische Betriebe engagieren sich. Die großen Unternehmen seien oft zu zögerlich, kritisiert Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). Nicht einmal 100 Stellen für Geflüchtete haben die 30 großen Dax-Unternehmen geschaffen. Das sei viel zu wenig. “Wer denkt, dass es nächstes Jahr geschafft ist, der liegt falsch.“ Ministerin Nahles zieht nüchtern Bilanz. “Wir rechnen eher mit fünf Jahren, um jemandem wirklich einen festen Ort auch in der Arbeitswelt und in der Ausbildung in diesem Land zu organisieren.“

Falsche Vorstellungen und Überforderung

Die meisten Flüchtlinge wollen für sich selbst sorgen, sich und ihren Kindern eine Zukunft aufbauen. Doch das dauert länger als gedacht, stellt auch der ehemalige Geschäftsführer eines Maschinenbauunternehmens aus Damaskus fest. Mohamad Al-Homsi muss jetzt wieder ganz von vorne beginnen: Er lernt Deutsch, im Kurs und auch zu Hause. So will er sich weiter qualifizieren. Denn noch arbeitet er als Praktikant.

Viele junge Menschen wissen nicht, was auf sie zukommt, berichtet eine Projektberaterin der Stadt Landau. “Man erklärt ihnen zwar drei Jahre Schule, Arbeit - ach so, kein Problem, schaffe ich - aber wenn sie dann wirklich drin sind und das konsequent durchziehen müssen, sind sie oft überfordert.“ Die geflüchteten Menschen brauchen mehr Zeit, Betriebe und Gesellschaft mehr Geduld, damit die Integration im Arbeitsleben tatsächlich gelingen kann.

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