Mehr Privatversicherte in Sozialtarifen

Politik | Frontal 21 - Mehr Privatversicherte in Sozialtarifen

Für Privatversicherte, die in finanzielle Schieflage geraten und Schwierigkeiten mit der Prämienzahlung haben, gibt es spezielle Tarife. Doch die Versicherer tun alles, um diese Kunden loszuwerden.

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8 min
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Video verfügbar bis 10.05.2017, 17:57

Für Privatversicherte, die in eine finanzielle Schieflage geraten und Schwierigkeiten mit der Prämienzahlung haben, gibt es spezielle Sozialtarife. Diese werden von immer mehr Versicherten in Anspruch genommen. Waren es Ende 2014 noch 188.600, wurden am 31. Dezember 2015 bereits 191.000 Personen in diesen Tarifen versichert.

Immer mehr Menschen können sich die Beiträge der privaten Krankenversicherung nicht mehr leisten. Nach Angaben des Verbands der Privaten Krankenversicherungen (PKV) waren zum 31. Dezember 2015 in den sogenannten Sozialtarifen 191.000 Menschen versichert. Allein 115.800 davon mussten in den sogenannten Notlagentarif mit stark eigeschränkter Versorgungsleistung wechseln, weil sie Beitragsschulden bei ihrer Versicherung angehäuft hatten. Im Basistarif waren zum Stichtag 29.400 Personen versichert, im Standardtarif 45.800.

Bundesgesundheitsminister Gröhe hält am PKV-System fest

Für die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD, Hilde Mattheis, sind die Zahlen "ein Zeichen dafür, dass das System auf Dauer nicht funktioniert.“ Wenn immer mehr Menschen in Sozialtarifen versichert seien, werde das Problem der "Zweiklassenmedizin“ offensichtlich, sagte Mattheis gegenüber Frontal21.  Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hingegen will das PKV-System nicht in Frage stellen. Wegen der Niedrigzinsphase stünden die privaten Versicherer zwar vor Herausforderungen, dennoch müsse "sich jeder an seine Verpflichtungen“ halten. Versicherungsunternehmen und Ärzte müssten Menschen im Basis- oder Standardtarif ordnungsgemäß beraten und behandeln.

2007 hatte die Große Koalition die Versicherungspflicht für alle Deutschen eingeführt. Die privaten Krankenversicherer müssen seit 2009 den sogenannten Basistarif anbieten, insbesondere für Menschen, die sozialrechtlich hilfebedürftig sind. Bei Nachweis der Hilfebedürftigkeit halbiert sich der Beitrag, die restliche Summe übernimmt das Grundsicherungsamt. Die Versicherer wehrten sich vergeblich bis zum Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz. 2013 kam unter Schwarz-Gelb der Notlagentarif dazu. Dessen monatlicher Beitrag beträgt etwas mehr als 100 Euro. Allerdings haben die Versicherten nur Anspruch auf unbedingt notwendige medizinische Leistungen, zum Beispiel wenn sie Schmerzen haben. Mittlerweile stieg die Zahl der Versicherten im Notlagentarif von 93.600 im Jahr 2013 auf 115.800, Stand 31. Dezember 2015. Im Basistarif hat sich die Zahl seit Einführung 2009 sogar schon mehr als verdoppelt - von 13.000 auf 29.400 Personen Ende 2015.

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