Libanesische Erpresserbande

Polizei machtlos

Politik | Frontal 21 - Libanesische Erpresserbande

Seit Jahren setzen Erpresser aus dem Libanon mit einer dreisten Betrugsmasche Fahzeugbesitzer in Deutschland, die ihr Auto oder Motorrad im Internet zum Kauf anbieten, in Angst und Schrecken.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.07.2017, 20:00

Tausende Menschen in Deutschland werden seit Jahren mit einer dreisten Betrugsmasche von Erpressern aus dem Libanon in Angst und Schrecken versetzt. Opfer sind vor allem Fahrzeugbesitzer, die ihre Autos, Motorräder oder Wohnmobile im Internet zum Verkauf anbieten und dabei ihre Telefonnummern angeben.

Nach dem Verkauf melden sich die Erpresser per Telefon und behaupten entgegen der Tatsache, das gekaufte Fahrzeug habe einen Motorschaden – und verlangen Schadensersatz. Verkäufer, die auf die Forderungen nicht eingehen, werden bedroht, sogar mit dem Tode.
Frontal21 liegt ein vertraulicher Lagebericht des Landeskriminalamtes Rheinland-Pfalz vor. Darin sind Hunderte solcher Erpressungsfälle und auch die Schadenssummen dokumentiert. Außerdem werden Namen von Hauptverdächtigen in dem Bericht genannt, die aus dem Libanon agieren und deshalb eine Strafverfolgung durch deutsche Polizei und Justiz nicht fürchten müssen.

Mehrere 10.000 Erpressungsfälle seit 2008

Denn das Bundesjustizministerium hat deutschen Ermittlern die Strafverfolgung in den Libanon hinein untersagt. Grund ist die "Richtlinie für den Verkehr mit dem Ausland in strafrechtlichen Angelegenheiten" (RiVASt, Nr. 123 Abs.3), die eine Zusammenarbeit mit Länder verbietet, in denen Todesstrafe oder Folter droht. "Keinesfalls darf der Staat seine Hand zu Verletzungen der Menschenwürde reichen", schreibt das zuständige Bundesamt für Justiz auf Anfrage von Frontal21.
Unterdessen fühlen sich viele Polizeibeamte in Ihrer Arbeit ausgebremst. "Der Staat schützt die Schwerstkriminellen im Ausland und lässt Tausende Opfer-Familien in Deutschland im Stich", schimpft ein Ermittler, der anonym bleiben will. Der Kriminalbeamte geht von "mehreren 10.000“ Erpressungsfällen seit 2008 bis heute aus, die alle ungeklärt blieben. Angesichts dieser Dimension und des skrupellosen Vorgehens der Erpresser fordert auch der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, das Bundesjustizministerium zum Umdenken auf: „Wenn der Rechtsstaat nicht vernünftig reagiert und die Menschen sehen, dass eigentlich gar nichts passiert, dann hat das zwei Wirkungen: erstens auf die Bevölkerung, weil die Kriminalitätsfurcht dann noch weiter steigt." Aber es habe auch Auswirkungen auf die Täter, denn die fühlten sich ermuntert und machten einfach weiter.

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