Brüssel als Sündenbock

Politik | Frontal 21 - Brüssel als Sündenbock

Die EU Gegner haben sich durchgesetzt, Großbritannien wird nun die Europäische Union verlassen müssen. Das Votum trifft die EU schwer, bei den übrigen Mitgliedsstaaten macht sich Ratlosigkeit breit.

Beitragslänge:
10 min
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Video verfügbar bis 28.06.2017, 20:23

Jubel bei den Brexit-Befürwortern: Die EU-Gegner haben sich durchgesetzt, Großbritannien wird nun die Europäische Union verlassen müssen. Das Austrittsvotum trifft die EU schwer, bei den übrigen Mitgliedsstaaten macht sich Ratlosigkeit breit.

So könne es nicht weitergehen, sagt jetzt die deutsche Bundeskanzlerin. Doch dabei vergisst Angela Merkel: Sie selbst machte Politik eher auf eigene Rechnung, wie bei Griechenland- und Flüchtlingskrise. Und auch andere Spitzenpolitiker haben für kurzfristige Wahlkampferfolge Europa verraten. Selbst EU-Parlamentspräsident Martin Schulz sagte über die europäische Staatengemeinschaft: "Schweißfüße und die EU sind in manchen Kreisen auf der gleichen Ebene."

Politiker haben EU-Erfolge zu wenig beworben

Für die Verbraucher bleibt unterm Strich nur noch Populistisches: die Gurken- und Olivenölkännchen-Verordnung sowie das Glühbirnen-Verbot. Die Regulierungswut wurde zum Symbol für Brüssel. Dabei sind die Erfolge für jeden EU-Bürger alles andere als klein, doch sie wurden von Politikern viel zu wenig beworben.

"Nehmen Sie zum Beispiel das Reiserecht", sagt Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen, "die Möglichkeiten, dass Fluggastrechte europaweit einheitlich sind."  Egal, ob man nach Estland oder Mallorca fliege, niemand müsse sich mehr über unterschiedliche Reklamationsrechte Gedanken machen. Das sei ein Mehrwert, den die EU geschaffen habe. Die EU hat habe auch die Frage der Krankenversicherung vereinheitlicht, so Müller. "Das heißt, meine Krankenkasse in Deutschland zahlt eben auch, wenn ich in Frankreich, in Portugal, in Malta in ein Krankenhaus muss."

"Warum wir danke nach Brüssel sagen können"

Die EU habe dafür gesorgt, dass die Auslandsgebühren für das Surfen im Internet oder das Telefonieren nicht exopbitant teuer seien, so Müller weiter. "Vergleichen Sie das mal, wenn Sie nach Asien, nach Amerika, nach Afrika reisen, dann sehen Sie, wie groß der Unterschied auf Ihrer Telefonrechnung ist!", meint Müller - und "warum wir danke nach Brüssel sagen können." Ein Zerfall der EU hätte seiner Ansicht nach weitreichende Folgen für den Verbraucher: "Ich glaube, dass wir uns als Verbraucher an ganz viele Annehmlichkeiten gewöhnt haben und in dem Moment, wo man sich an was gewöhnt hat, mag man es auch gar nicht mehr so schätzen."

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