Deckname Hannibal

Schattennetzwerk in der Bundeswehr

von Andreas Halbach, Tom Küpper, Heiko Rahms

André S. war bis März 2018 Mitglied des Bundeswehr-Sonderkommandos KSK. Die Elitesoldaten tragen eine hohe Verantwortung. Doch Soldat André S. führte nach Recherchen der Tageszeitung "taz" nebenher ein Schattendasein.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 26.03.2020

Unter dem Decknamen Hannibal war André S. Administrator zahlreicher Chatgruppen im Internet, in denen sich auch Rechtsextreme besprachen. Sie sollen Todeslisten von Politikern und Aktivisten geführt und sich über die Liquidierung politischer Gegner ausgetauscht haben.

André S. hatte auch Kontakte zum unter Terrorverdacht stehenden Soldaten Franco A., der 2017 festgenommen wurde, weil er sich als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte und laut Ermittlern unter falscher Flagge einen Anschlag geplant haben soll. Außerdem ist André S. Gründer und Vorsitzender eines Vereins namens Uniter. Der kümmert sich nach eigenen Angaben um Elitesoldaten, die aus dem Dienst bei der Bundeswehr ausgeschieden sind. Tatsächlich bietet Uniter auch militärtaktische Trainings für Zivilisten an. Zeugen sprechen von "paramilitärischen Übungen". Sein Fachwissen bietet Uniter auf dem weltweiten Markt für Sicherheitsleistungen an, zum Beispiel auf den Philippinen, wo Präsident Rodrigo Duterte herrscht und politischen Gegnern mit Gewalt und Verfolgung droht.

Elitesoldat mit Decknamen Hannibal

Frontal21 berichtet in Zusammenarbeit mit dem "taz"-Team über neue Entwicklungen in der Affäre rund um André S. alias Hannibal. Der Soldat muss nach Recherchen von Frontal21 mit weiteren dienstrechtlichen Ermittlungen gegen ihn rechnen. So schätzt es der renommierte Verfassungsrechtler Professor Joachim Wieland ein. Er bewertet die Aktivitäten von André S. als "schwere Dienstvergehen, die dringend vom Militärischen Abwehrdienst überprüft werden müssen". Gegenüber Frontal21 sagte Wieland unter anderem: "Die Philippinen sind unter Diktator Duterte ein menschenrechtlich äußerst fragwürdiges Regime." Die Bundesrepublik halte Distanz dazu und müsse selber entscheiden, wie nah der Kontakt sei. "Das kann nicht konterkariert werden durch eine paramilitärische Organisation, in der deutsche Soldaten tätig sind, die praktisch Nebenverteidigungspolitik betreiben und ein solches Regime unterstützen", so Professor Wieland. Das verstoße gegen Dienstpflichten.

Wie inzwischen bekannt wurde, sind bei einer Durchsuchung des Elternhauses von André S. Munitionsteile aus Bundewehrbeständen gefunden worden. Inzwischen wurde André S. zu den Fallschirmjägern der Bundeswehr versetzt, ein Disziplinar- sowie ein Strafverfahren laufen.

KSK ist die Abkürzung für Kommando Spezialkräfte, die Truppe eine militärische Spezialeinheit zur Rettung und Evakuierung in Krisengebieten, Kommandokriegsführung und Terrorismusbekämpfung.

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