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Demonstrant entschuldigt sich

Offenbar keine Verbindung zu LKA-Mann

Der Mann, der bei der Pegida-Demonstration in Dresden den Frontal 21-Reporter fälschlicherweise wegen Beleidigung anzeigte, ist René Seyfried aus Freital. Der ehemalige Sprecher der rassistischen Bürgerinitiative "Nein zum Hotelheim" hat inzwischen eingeräumt, sich geirrt zu haben.

Demonstrant René Seyfried
Demonstrant René Seyfried erstattete Anzeige wegen Beleidigung gegen einen ZDF-Reporter.
Quelle: ZDF/Frontal21

Der 43-jährige Transportunternehmer verwechselte den Reporter mit einem anderen Mann, wie im Beitrag von Frontal 21 klar zu erkennen ist. In der vom Kameramann gefilmten Szene wird Seyfried von einem Unbekannten mit Basecap unter anderem mit den Worten "Du dicker Mann bist nicht das Volk!" beschimpft. Der Reporter war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht vor Ort.

Seyfried hat sich inzwischen auch auf der Facebook-Seite der "Bürgerinitiative Freital" bei dem Reporter entschuldigt. Zuvor war dort tagelang zu weiteren Anzeigen gegen den Journalisten aufgerufen worden. Auf Nachfrage von Frontal 21 sagte Seyfried, er sei von einer Provokation durch das TV-Team ausgegangen. Er habe sich durch die Beschimpfungen beleidigt gefühlt. Andere Demonstranten hätten ihn angestachelt, sich das nicht gefallen zu lassen. Als er gesehen habe, wie das Fernsehteam länger von der Polizei kontrolliert worden sei, sei ihm der Gedanke gekommen, dass die Beschimpfung nicht zufällig vor der Kamera erfolgt, sondern von den Journalisten inszeniert worden sei. Seyfried ging dann zur Polizei, wies auf den Reporter und zeigte ihn wegen Beleidigung an. Zu Frontal 21 sagte Seyfried, er sei sich wegen des Barts des Reporters sicher gewesen, dass er der "Beschimpfer" sei, inzwischen aber sein Basecap abgesetzt habe.

Politik | Frontal 21 - Pressefreiheit in Sachsen

Polizei behindert Journalisten

Videolänge:
7 min
Datum:

Seyfried will für die AfD kandidieren

Seyfried hat offenbar einen ausgeprägten Hang zu Verschwörungstheorien. Während der Fußball-WM bezeichnete Seyfried auf seiner privaten Facebook-Seite den deutschen Nationalspieler Mesut Özil als "Türkenbaby" und kommentierte das Ausscheiden der DFB-Elf so: "Deutschland Özil(t) sich nach Hause. Löw führt Auftrag von Erdogan aus. Türken besiegeln das Aus 'Der Mannschaft'."

Wahlplakat mit René Seyfried
Wahlplakat von 2015

Wie Seyfried Frontal 21 bestätigte, wird er möglicherweise bei der Stadtratswahl im kommenden Jahr als Parteiloser für die AfD antreten. 2015 kandidierte er bereits für das Amt des Oberbürgermeisters in Freital. Als Sprecher der ausländerfeindlichen Bürgerinitiative "Freital wehrt sich. Nein zum Hotelheim" holte er damals 8,8 Prozent der Stimmen. Öffentlich trat Seyfried als Kandidat und Sprecher der Bürgerinitiative gemäßigt auf und distanzierte sich von Gewalt. Intern heizte er die Stimmung an, wie aus Chatprokollen hervorgeht, die Frontal 21 vorliegen.

Seyfried warb für Spontandemos vor Flüchtlingsheim

Im so genannten Ordnerchat von "Freital wehrt sich" warb er Ende April 2015 für häufige Spontandemos vor dem Flüchtlingsheim: "Provozieren bis die scheiße bauen" (…) "Ne halbe Stunde reicht da schon aus und dann gehen irgendwann knallt es und dann haben wir gewonnen". Unmittelbar bevor im Sommer 2015 ein ausländerfeindlicher Mob tagelang die Flüchtlingsunterkunft in Freital belagerte, schrieb Seyfried im Chat: "Ich bin nicht da aber ich würde jetzt alle da hochjagen wollen."

Mitglieder des "Ordnerchats" waren auch Mitglieder der späteren "Gruppe Freital", die inzwischen vom Oberlandesgericht Dresden wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und Anschlägen auf Flüchtlingswohnungen zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Diese radikalisierten sich zunehmend und verließen die Bürgerinitiative. Seyfried hatte sich frühzeitig von ihnen distanziert. Ein weiteres Chatmitglied, gegen das ein Strafverfahren wegen Unterstützung der "Gruppe Freital" läuft, arbeitet für Seyfrieds Firma: der NPD-Stadtrat Dirk Abraham.

Keine Hinweise auf Verbindungen zum LKA-Mitarbeiter

Es gibt bisher keine Hinweise auf Verbindungen zwischen dem LKA-Mitarbeiter, der den Kameramann bedrängte, und Seyfried. Seyfried sagt, er kenne den Mann nicht. Dafür spricht, dass die beiden während der Auseinandersetzungen mit dem Frontal 21-Team getrennt voneinander agierten und auch nicht miteinander sprachen. In Freital ist der LKA-Mitarbeiter bisher nicht öffentlich aufgefallen, und auch unter Pegida-nahen Aktivisten nicht bekannt. Trotzdem prüft das Landeskriminalamt, berichtet der MDR, ob der Tarifangestellte Verbindungen in die rechte Szene Freitals habe.

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