Wie Pegida Dresden schadet

Politik | Frontal 21 - Wie Pegida Dresden schadet

Seit zwei Jahren versammeln sich die Anhänger von Pegida in der Innenstadt von Dresden und grölen fremdenfeindliche Parolen. Mittlerweile bekommt die sächsische Landeshauptstadt die Folgen zu spüren.

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9 min
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Video verfügbar bis 25.10.2017, 18:16

Seit zwei Jahren, immer wieder montags, versammeln sich die Anhänger von Pegida in der Innenstadt von Dresden und grölen fremdenfeindliche Parolen. Mittlerweile bekommt die sächsische Landeshauptstadt die Folgen zu spüren.

Die Technische Universität Dresden ist eine der Exzellenz-Universitäten in Deutschland. Nun aber kommen immer weniger Erstsemester-Studenten aus den alten Bundesländern an die Elbe. Die Zahl ist von 1.891 im vergangenen Jahr auf 1.452 in diesem Jahr eingebrochen, ein Rückgang um 23 Prozent - offenbar ein Dresdner Phänomen, das auch mit dem Pegida-Effekt zu tun haben könnte. Denn gleichzeitig ist an der Universität Leipzig die Zahl der Studenten aus den alten Bundesländern um vier Prozent gestiegen.

Weniger Touristen aus Deutschland

"Die Reputation Dresdens steht auf dem Spiel als einem der Spitzenstandorte in Deutschland und in Europa in Hinblick auf Wissenschaft und Kultur", warnt der Rektor der TU Dresden, Professor Hans Müller-Steinhagen. "Es hat 20 Jahre gedauert, um diesen wunderbaren Ruf aufzubauen und dieser Ruf hat in zwei Jahren einen Rückschlag erlitten, der ganz massiv ist." Über das glänzende Bild von Dresden habe sich ein Grauschleier gelegt, meint Müller-Steinhagen.

Diesen Grauschleier scheinen auch Touristen aus Deutschland wahrzunehmen. Während die Zahl der Touristen aus dem Ausland steigt, reisen weniger deutsche Urlauber in die sächsische Landeshauptstadt. Im juli 2016 verzeichnete Dresden insgesamt einen Rückgang bei den Übernachtungen um zehn Prozent im Vergleich zum Juli 2015. "Zehn Prozent ist massiv“, sagt Thomas Gaier von der Dresdner Hotel-Allianz. Er führt das Hotel Schloss Eckberg hoch über der Elbe. "Wenn sich diese Entwicklung weiter fortführt, dann ist sicherlich auch mit einem weiteren Abbau von Arbeitsplätzen zu rechnen", warnt Gaier. "Der eine oder andere Hotelier könnte stark ins Minus rutschen, beziehungsweise sogar Insolvenz anmelden."

Bettensteuer und Pegida sorgen für Besucherschwund

Zwar schade auch die in Dresden erhobene Bettensteuer dem Tourismus, als Erklärung für den Besucherschwund sehe Gaier aber genauso Pegida. "Natürlich spielen Pegida und das schlechte Image von Dresden und Sachsen eine ganz klare Rolle, es ist aber auch die Berichterstattung der Medien", so der Hotelier. "Es wird einer kleinen Gruppe von Krakeelern ein enorm breiter Rahmen gegeben." Gaier fordert, die Politik müsse mehr tun und sich klarer und eindeutiger gegen Pegida stellen.

Vor einer Woche haben sich Dresdner zum Bürgerfest und zu Demonstrationen versammelt, um ein Zeichen zu setzen. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) weist den Vorwurf zurück, die Stadt habe sich Pegida zu spät entgegengestellt und ihr die historischen Plätze überlassen: "Wir haben ein Versammlungsrecht. Das ist ein sehr hohes Gut und das gilt es auch einzuhalten", betont Hilbert. "Wir versuchen gerade, uns die Plätze wieder zurückzuerobern, mit verschiedensten Formaten. Aber Dresden hat viele schöne Plätze."

Ganz Dresden stehe in der Verantwortung

Der Autor und Journalist Olaf Sundermeyer hat sich intensiv mit Pegida beschäftigt. Für ihn steht ganz Dresden in der Verantwortung: "Dresden hat im Umgang mit Pegida auf ganzer Linie versagt. Und zwar nicht nur die Stadt, nicht nur die Stadtoberen, nicht nur die Politik, sondern auch die Zivilgesellschaft, die sich sehr zögerlich, zauderhaft und überhaupt nicht klar positioniert hat."

Der CDU-Politiker Kurt Biedenkopf war nach der Wende zwölf Jahre Ministerpräsident von Sachsen, er lebt bis heute in Dresden. Biedenkopf kann die Kritik, die Politik habe zu lange nichts getan, nicht nachvollziehen. "Der Vorwurf ist falsch, weil die Leute hier demonstrieren und demonstrieren ist ein Verfassungsrecht", meint Biedenkopf.  "Ich kann doch nicht als Politiker da hingehen und sagen, weil mir das nicht gefällt, was ihr da redet und schreit und euer Anführer, was der da redet und schreit, das gefällt mir nicht und deshalb muss es aufhören." Vielmehr sehe er es "mit großem Wohlwollen, dass die Pegida-Versammlungen immer kleiner werden."

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