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Verschwiegen und vertuscht

Die Kirche und der Missbrauch

Die katholische Kirche hat einen Priester, der wegen sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Jungen verurteilt worden war, anschließend Jahrzehnte im bayerischen Garching an der Alz eingesetzt. (Hinweis: Neue Fassung mit Reaktion von Benedikt XVI.)

Beitragslänge:
11 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 18.02.2021

Einer der größten Missbrauchsfälle der katholischen Kirche um den ehemaligen Pfarrer Peter H. könnte strafrechtlich neu aufgerollt werden. "Wir prüfen, ob es weitere Taten gibt und ob Ermittlungen aufzunehmen sind“, teilte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II Frontal21 und dem Recherchezentrum CORRECTIV mit. Der Priester soll in Bottrop, Essen, Grafing und Garching an der Alz insgesamt mindestens 28 minderjährige Jungen sexuell missbraucht haben, teilten das Bistum Essen und das Erzbistum München-Freising auf Anfrage mit.

Verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs

Peter H. war bereits 1986 vom Amtsgericht Ebersberg wegen sexuellen Missbrauchs zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Anschließend setzte ihn das Erzbistum München-Freising erneut in der Seelsorge ein.

Das fing mit Streicheln an. Dann hat er mich angefasst. Und er hat mir an mir gezeigt, was ich bei ihm machen soll. Ich musste ihn dann oral befriedigen.
Markus Elstner, Missbrauchsopfer


Im bayerischen Garching an der Alz war Pfarrer H. für die Arbeit mit Messdienern zuständig und hielt Religionsunterricht an Schulen. In dieser Zeit soll es zu Missbrauchsfällen an drei Jungen gekommen sein, teilte das Erzbistum München-Freising jetzt auf Anfrage mit. Über die Vergangenheit des Pfarrers wurde die Gemeinde Garching erst informiert, als der Fall im Jahr 2010 erstmals publik wurde. Dies sei "ein schwerer Fehler" gewesen, räumte das Erzbistum nun ein.

Kirche setzt verurteilten Pfarrer weiter in der Jugendarbeit ein

Als Priester Peter H. 1980 von Essen nach München versetzt wurde, war Joseph Ratzinger Erzbischof von München und Freising. Der spätere Papst Benedikt XVI. soll damals mit entschieden haben, dass H. eine Therapie wegen seiner pädophilen Neigungen in München macht. Trotz Warnungen eines Psychotherapeuten wurde Peter H. jedoch im selben Jahr in einer Münchner Gemeinde zur Seelsorge eingesetzt und kam dort auch mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt. Dazu teilte das Erzbistum München und Freising auf Nachfrage mit: "Aus der Aktenlage geht nicht hervor, wie intensiv sich der damalige Erzbischof Joseph Ratzinger mit dem Fall H. beschäftigt hat".

Im Jahr 2000 soll Kardinal Ratzinger in seiner Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation bei einem Besuch der Gemeinde auch auf Pfarrer H. getroffen sein. Das berichtete H. damals Mitgliedern des Pfarrgemeinderates. Das Bistum bestätigte Ratzingers Besuch bei dem inzwischen verstorbenen Weihbischof Heinrich von Soden-Fraunhofen, der in der Nähe lebte, und teilte weiter mit: "Über Treffen von Kardinal Joseph Ratzinger mit H. liegen dem Ordinariat keine Erkenntnisse vor." Der emeritierte Papst Benedikt XVI. reagierte auf eine Anfrage nicht.

Gemeinsame Recherche von Frontal21 und dem Recherchezentrum CORRECTIV.

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