Diebe, Dealer und der Wahlkampf

Wie sicher ist die Hauptstadt?

Politik | Frontal 21 - Diebe, Dealer und der Wahlkampf

In wenigen Tagen wählen die Berliner. Über Sicherheit und Sicherheitsempfinden wird heftig gestritten. Denn laut aktueller Kriminalstatistik von 2015 hat die Zahl der Straftaten in Berlin zugenommen.

Beitragslänge:
8 min
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Video verfügbar bis 13.09.2017, 17:47

In wenigen Tagen wird in Berlin gewählt und das Thema innere Sicherheit wird dabei eine wichtige Rolle spielen. Denn die Kriminalität in der Hauptstadt steigt, vor allem Diebstahl- und Drogendelikte haben enorm zugenommen. Die Polizei kommt dagegen kaum noch an, leidet seit Jahren unter den Folgen von Sparmaßnahmen und Stellenabbau. Zwar werden viele Straftäter ermittelt, sie bleiben aber auf freiem Fuß.

Über Sicherheit und Sicherheitsempfinden wird heftig gestritten. Auf Wahlplakaten der AfD ist ein Einbrecher zu sehen, der eine verängstigte Frau mit dem Slogan bedroht: „Berlin braucht Sicherheit“. Der Regierende Bürgermeister von der SPD versucht die Berliner zu beruhigen: „Es gibt keine rechtsfreien Räume“, so Michael Müller, „in denen man Angst haben muss, um sein Leben“. Sein Koalitionspartner sieht das offenbar etwas anders: „Bei der Sicherheit können sich die Bürger augenscheinlich auf die Berliner SPD nicht verlassen“, lässt die CDU die mehr als dreieinhalb Millionen Berliner wissen. Ist man in der Hauptstadt nicht mehr sicher?

Kriminalstatistik 2015: Aufklärungsquote zurückgegangen

Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin 2015 zeigt, die Zahl der Straftaten in Berlin hat zugenommen - um knapp fünf Prozent auf fast 570.000 Fälle. Zwar ging die Zahl der Morde und Raubüberfälle zurück, doch vor allem Diebstahl- und Drogendelikte haben enorm zugenommen. Die Polizei sagt, sie komme dagegen kaum noch an. Sie leidet unter den Folgen jahrelanger Sparpolitik und Stellenabbau, auch wenn in den vergangen Jahren wieder mehr Polizisten eingestellt wurden. Die Kriminalitätsstatistik verrät, dass die Aufklärungsquote seit 2006 von mehr als 50 Prozent auf knapp 44 Prozent zurückgegangen ist. Das liegt vor allem an der Zunahme der unterdurchschnittlich aufgeklärten Diebstahlsdelikte. Auch haben Rauschgiftdelikte deutlich zugenommen: über 15.700 Fälle, 17 Prozent mehr als im Jahr 2014. Unklar bleibt, wie stark der Anstieg dieser Straftaten mit dem Verfolgungsdruck der Polizei zusammenhängt.


Insider berichten, viele Straftäter würden zwar ermittelt, blieben aber auf freiem Fuß. „Wir werden längst nicht mehr für voll genommen“, erklärt ein verdeckter Ermittler gegenüber „Frontal 21“: „ Wir haben Drogendealer, und das ist kein Einzelfall, die innerhalb von eineinhalb Jahren 60 bis 70 Taten begehen und immer noch frei rumlaufen.“ Ralph Knispel von der Vereinigung Berliner Staatsanwälte bestätigt das. Polizei- und Vollzugsbeamte seien mittlerweile nicht mehr in der Lage, tatsächlich alle Stadtgebiete Berlins abzudecken und damit zu einem sicheren Gebiet zu machen. In Neukölln etwa beobachtet die Polizei, wie arabische Clans ihren Einfluss in der organisierten Kriminalität ausbauen. Viele Großfamilien seien im Bereich Drogengeschäfte, Zuhälterei oder Schutzgelderpressung tätig, berichtet ein Clan-Mitglied offen vor der „Frontal 21“-Kamera. „Aus meiner Großfamilie sind die meisten in Haft wegen Raub.“ Vor der Polizei hätten sie alle keinen großen Respekt, weil sie wüssten, dass nichts passiere.

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