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Turbo, Tempo, Tesla

Elon Musk in Brandenburg

von Christian Esser und Manka Heise

Ab Sommer 2021 sollen im brandenburgischen Grünheide 500.000 Elektroautos pro Jahr produziert werden – so der Plan von Tesla-Chef Elon Musk. In nur einem Jahr wird dafür eine Gigafactory gebaut.

43 min
43 min
16.03.2021
16.03.2021
UT - DGS
UT - DGS
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 16.03.2022

Frontal21 hat den Bau über Monate mit der Kamera begleitet und dokumentiert, wie Politik und Behörden an ihre Grenzen kommen. Alles, was sonst Jahre dauert, muss nun in wenigen Monaten genehmigt werden.

Fakten und Hintergründe zur Dokumentation:

Das derzeit größte industriepolitische Projekt Europas

In exklusiven Interviews erzählen der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach, wie sie den spektakulären Coup mit dem milliardenschweren Tesla-Chef Elon Musk einfädelten.

Die Gigafactory ist das derzeit größte industriepolitische Projekt Europas. Die Dokumentation "Turbo, Tempo, Tesla - Elon Musk in Brandenburg" zeigt, welch unerbittliches Tempo Elon Musk vorgibt. Gegner des Projekts warnen derweil vor Wasserknappheit in der Region, da das Tesla-Werk so viel Wasser verbrauchen wird wie eine 40.000-Einwohner-Stadt.

Wasserverband: Trinkwasserprobleme wegen Tesla

So befürchtet der Chef des Wasserverbandes Strausberg-Erkner, André Bähler, dass es durch die Tesla-Produktion im brandenburgischen Grünheide zu Einschränkungen beim Trinkwasser kommen werde. „Die Trinkwasserversorgung wird geopfert auf dem Gabentisch der Wirtschaftspolitik“, sagte Bähler zu Frontal21. Die geplante Fabrik des US-Elektroautobauers wird nach Recherchen des Magazins mit den nächsten Ausbaustufen rund 3,6 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr verbrauchen. Das wären rund 30 Prozent des gesamten Wasservolumens in der Region. Damit sei nicht genügend Wasser da.

Doch Tesla-Chef Elon Musk bestritt gegenüber Frontal21 mögliche Wasserprobleme.

Im Grunde sind wir nicht in einer sehr trockenen Region. Bäume würden nicht wachsen, wenn es kein Wasser gäbe. Ich meine, wir sind ja hier nicht in der Wüste.
Elon Musk, Tesla-Chef bestreitet Wasserknappheit

Wasser ist ein limitierender Faktor

Laut internen Unterlagen des Landesumweltministeriums gerät Brandenburg bei der Ressource Wasser allerdings schon heute zunehmend an „Kapazitätsgrenzen“. Weiter heißt es in Sitzungsprotokollen vom 9. Juli 2020: Durch die “Ansiedlung von Industrie und Gewerbe (z.B. Tesla)“ verschärfe sich die „Situation im östlichen Berliner Umland zusätzlich". Die Unterlagen liegen vor.

Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Bündnis90/Die Grünen) betonte, dass für den Produktionsbeginn genug Wasser da sei: „Kapazitätsgrenze heißt nicht, dass aktuell schon die Kapazitätsgrenze überschritten ist“, sagte Vogel im Frontal21-Interview. Demnach werde Tesla ab Sommer 2021 zunächst rund 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr verbrauchen. „Und wenn es noch darüber hinaus gehen sollte, dann könnte es sein, dass Entwicklungen nicht stattfinden“, erklärte Vogel. Dass Wasser ein limitierender Faktor für den Fabrikausbau sei, wisse auch Tesla, so der Landesumweltminister.

"Stressfaktor Tesla“

Nach Recherchen von Frontal21 fühlen sich Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt (LfU) in Brandenburg wegen des Genehmigungsverfahrens für Tesla offenbar unter Druck gesetzt. In Unterlagen der Behörde ist die Rede von einem „Stressfaktor Tesla“. Weiter heißt es in den Protokollen: “Kritik wird an der Verfahrenspraxis rund um Tesla geübt (enge Termine, Zeitdruck für Mitarbeitende)”. Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel, dem die Behörde untersteht, sagte gegenüber Frontal21, man lasse sich durch Äußerungen nicht unter Druck setzen: „Völlig egal, ob sie innerhalb der Landesregierung fallen oder von Tesla selber oder von dritter Seite“.

Das LfU stellt Tesla immer wieder vorzeitige Baugenehmigungen aus. So kann Tesla seinen Bau schnell vorantreiben. Eine endgültige Baugenehmigung steht aus.

Keine Gewerkschaft in Tesla-Gigafabrik?

Tesla macht trotzdem Tempo und hält am Produktionsbeginn im Juli 2021 fest. Das Investitionsvolumen für die Autofabrik im brandenburgischen Grünheide hat sich nach Frontal21-Recherchen auf 5,8 Milliarden Euro erhöht. Der Konzern hat mittlerweile 1.000 Mitarbeiter eingestellt.

Eine Gewerkschaft wird es in der neuen Fabrik nicht geben, das hat Elon Musk bereits angekündigt. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Reiner Hoffmann, fordert Tesla auf, Gewerkschaften in Grünheide und eine Tarifbindung zuzulassen. Dies sei eine Verpflichtung, so Hoffmann, da Musk vom Steuerzahler hunderte Millionen Euro Subventionen erhalte. Musk könne "nicht auf der einen Seite die Hand aufmachen und öffentliche Fördergelder gerne einstecken, aber bei den Beschäftigten alles daransetzen, sie bei schlanken Löhnen zu beschäftigen, mit miesen Arbeitsbedingungen. Das verträgt sich nicht", sagt Hoffmann im Interview mit Frontal21.

Kein Betriebsräte bei Tesla in den USA

In den USA arbeitet Tesla nicht mit Gewerkschaften zusammen, berichtet Cindy Estrada, Vizepräsidentin der United Auto Workers (UAW), eine der einflussreichsten amerikanischen Auto-Gewerkschaften. Estrada rechnet mit harten Auseinandersetzungen zwischen Tesla und deutschen Arbeitnehmervertretern.

Die UAW versuche seit Jahren vergeblich, eigene Betriebsräte bei Tesla zu etablieren:

Die Arbeiter wurden sofort bedroht, nur weil sie ein Mitspracherecht bei den Arbeitsbedingungen haben wollten.
Cindy Estrada, Vizepräsidentin UAW

Vor allem beim Thema Gesundheit und Sicherheit. Dafür wurden sie bekämpft", sagt Estrada gegenüber Frontal21. Tesla wollte sich auf Nachfrage gegenüber Frontal21 nicht äußern.

Englische Version und mehr zum Thema

Dokumentationen aus der Frontal21-Redaktion

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