RWE in der Krise

Politik | Frontal 21 - RWE in der Krise

Die Aktien des Energieversorgers RWE haben seit Anfang 2008 fast 90 Prozent ihres Wertes verloren. Und auch die Dividende für 2015 fällt fast komplett aus, zum Entsetzen vieler Kommunen.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 12.04.2017, 21:01

Einer der größten Energieversorger Deutschlands, die RWE AG, ist in Schwierigkeiten: Die Aktien des Unternehmens haben seit Anfang 2008 fast 90 Prozent ihres Wertes verloren. Und auch die Dividende für 2015 fällt fast komplett aus, zum Entsetzen vieler Kommunen.

Wurde Ende 2007 eine RWE-Aktie für rund 100 Euro gehandelt, sind es heute gerade einmal elf Euro. Der Wertverlust der Aktie führt auch dazu, dass der Energieversorger erstmals in der Geschichte des Konzerns den Stammaktionären für 2015 keine Dividende auszahlt, zum Entsetzen vieler Städte und Gemeinden in Nordrhein-Westfalen. Denn die halten zusammen 25 Prozent der Stammaktien – und haben fest mit dem Geld von RWE gerechnet. Nun müssen Städte wie Essen in diesem Jahr mit mehr als 18 Millionen Euro weniger als noch im vergangenen Jahr auskommen.

Umstrukturierung des Konzerns

RWE habe bis heute die Energiewende schlicht verschlafen, kritisieren Experten wie der Energie- und Wirtschaftswissenschaftler Prof. Uwe Leprich: „RWE hat viele wichtige Entscheidungen in den letzten 20 Jahren versäumt, nämlich die Weichenstellung Richtung erneuerbare Energien, die Weichenstellung Richtung dezentralere kleinere Anlagen, weg von den fossilen, und zwar vor allen Dingen von der Braun- und der Steinkohle. Und das rächt sich jetzt.“ Aktuell kommen nur rund vier Prozent des RWE-Stroms aus erneuerbaren Energien, aber 60 Prozent aus Braun- und Steinkohle – hergestellt unter großen Umweltbelastungen. Zum Beispiel wird die Braunkohle im Tagebau Garzweiler gefördert und dann in eigenen überalterten und ineffizienten Kraftwerken, wie Frimmersdorf und Neurath verfeuert. Das Ganze sei dazu völlig unrentabel, berechneten Experten der Klima-Allianz Deutschland, ein Bündnis von über 100 Umweltschutzverbänden.

Zum 1. April 2016 hat nun RWE-Chef Peter Terium das angeschlagene Unternehmen gespalten: Der Teil ohne Zukunft, die Kohle- und Atomkraftwerke, bleibt bei den Kommunen und zukunftsträchtige Geschäfte wie die Ökostrom-Erzeugung oder das Netz- und Vertriebsgeschäft gehen in eine neue Tochtergesellschaft über, die an die Börse gebracht werden soll. „Wir wollen RWE in eine Zukunft mit zwei starken Unternehmen führen“ sagt der Vorstandsvorsitzende Terium und eine Sprecherin des Konzerns betont, dass RWE langfristig Mehrheitseigner der neuen Unternehmenssparte bleiben wolle. Doch das bezweifeln Kritiker.

Zehntausende Arbeitsplätze könnten wegfallen

So habe der RWE-Konzern nach Ansicht von Prof. Leprich für die Zukunft kein „vernünftiges Geschäftsmodell“. „Es wird dezentraler, wir haben da sehr viele Akteure.“ Energie werde mittelständischer und die Zeit der großen Energieunternehmen nähere sich dem Ende. Damit drohen Zehntausende Arbeitsplätze wegzufallen. Deshalb versucht die Bundesregierung unter dem Druck der mächtigen Gewerkschaft IG BCE die angeschlagenen Energieriesen zu retten und zahlt ihnen Milliarden für die Stilllegung und Sicherheitsbereitschaft ihrer Anlagen. So erhält etwa RWE nach dem neuen Strommarktgesetz, das im Frühjahr 2016 greifen soll, rund 600 Millionen Euro. Kritiker bezeichnen diese Summe als „Geldgeschenk“ für den Energiekonzern - auf Kosten der Stromkunden und Steuerzahler. Das sei ein Verstoß gegen das Europarecht, meint sogar der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet