Gericht stoppt Europas größten Ferkelzüchter

Politik | Frontal 21 - Gericht stoppt Europas größten Ferkelzüchter

In der industriellen Schweinezucht setzen die Mäster sogenannte Kastenstände ein. Das sind Gitterboxen aus Stahl, in denen sich die Sauen kaum bewegen können.

Beitragslänge:
8 min
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Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.05.2017, 16:50

Europas größter Ferkelproduzent, Adrianus Straathof, darf in Deutschland keine Schweine mehr halten. Das hat das Verwaltungsgericht Magdeburg entschieden. Straathof hatte gegen ein Verbot geklagt, das der Landkreis Jerichower Land verhängt hatte.

Frontal21 berichtet seit Jahren über Missstände in den Zucht- und Mastanlagen von Europas größtem Ferkelproduzenten Adrianus Straathof. Immer wieder warfen ihm Tierschützer, aber auch Kontrollbehörden vor, dass in seinen Zucht- und Mastanlagen gegen Tierschutzgesetze massiv verstoßen werde. Die Schweine hätten zu wenig Platz, oft nicht ausreichend Wasser, müssten in verdreckten Ställen leben. Außerdem würden überzählige und zu kleine Ferkeln kurz nach der Geburt ohne Betäubung totgeschlagen. Alle diese Vorwürfe wurden von Tierschützern aber auch Veterinären dokumentiert. Straathof musste allein in Sachsen-Anhalt um die 800.000 Euro Bußgeld zahlen. Doch weil das Unternehmen wenig änderte, verhängte der Landkreis Jerichower Land im Dezember 2014 ein Tierhaltungsverbot gegen Straathof. Dagegen wehrte sich der Unternehmer vor Gericht.

Kranke Tiere nicht ausreichend versorgt

Jetzt hat das Verwaltungsgericht Magdeburg nach mehrtägiger mündlicher Verhandlung die Klage Straathofs gegen das Tierhaltungsverbot abgewiesen. Das Gericht gelangte zu der Überzeugung , dass Straathof das Halten und Betreuen von Schweinen zu Recht untersagt worden sei. Die Schwere und die Vielzahl der festgestellten Verstöße habe keine positive Prognose für die Zukunft ermöglicht. Kranke Tiere seien nicht ausreichend versorgt worden, mit der Folge zahlreicher unzureichend oder gar nicht behandelter Verletzungen und Erkrankungen. Diese seien im Wesentlichen durch tierschutzwidrige Haltungsbedingungen verursacht worden. Außerdem, so die Richter, seien die Sauen in zu schmalen und zu kurzen Kastenstände gehalten worden und überzählige Ferkeln - sogenannte Kümmerer - nicht tierschutzgerecht behandelt worden. Eine tierärztliche Krankenbehandlung solcher Ferkel habe es nicht gegeben, sondern eine Anweisung durch den Kläger, Tiere, die binnen einer Woche in der "Krankenbucht" nicht gesundeten, zu töten. Das Gericht kam zu der Auffassung, dass Adrianus Straathof persönlich als verantwortlicher Tierhalter anzusehen sei. Es sei zutreffend davon auszugehen, dass die grundrechtlich gesicherte Berufsfreiheit und Eigentumsgarantie des Klägers hinter den Interessen des Tierschutzes zurücktreten müssten.

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