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Der Mordfall Sophia

Protokoll einer fehlerhaften Fahndung

von Gesine Enwaldt

Sophia Lösche wurde beim Trampen von einem Fernfahrer ermordet. Frontal21 berichtet über die Fahndungsfehler der Polizei und die Instrumentalisierung der Tat durch rechte Populisten.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.12.2020

Am 14. Juni 2018 um 18.20 Uhr steigt Sophia Lösche an der Raststätte Schkeuditz in den Lkw eines marokkanischen Fahrers. Sie will zur Geburtstagsfeier ihres Vaters nach Amberg trampen, kündigt an, spätestens um 23 Uhr da zu sein. Sie kommt nie an.

Die alarmierte Polizei unternimmt nichts, behandelt den Fall wie eine übliche Vermisstenanzeige, obwohl alle Indizien auf ein mögliches Gewaltverbrechen hinweisen. Rund 80 Freunde und die Familie bilden innerhalb weniger Stunden das, was die Polizei offenbar versäumt: eine Art private Soko. Sie fahnden in Deutschland, Frankreich, Tschechien, Italien, Ungarn, Spanien, treten über die sozialen Medien internationale Suchaktionen los, hängen Fahndungsfotos auf, aktivieren die internationale Trucker-Community, retten in letzter Sekunde Beweisvideos vor der Löschung.

Ein Rennen gegen die Zeit. Schließlich findet die spanische Polizei die halb verbrannte Leiche Sophias an einer Straße in der Nähe von Vitoria-Gasteiz in Spanien und ihren Mörder im französischen Caen. Boujemaa L. wird gut ein Jahr später, am 18. September 2019, vom Landgericht Bayreuth verurteilt. Seit der Obduktionsbericht der spanischen Behörden bekannt ist, ist klar, dass Sophia möglicherweise noch lebend hätte gefunden werden können, wenn die Polizei schnell gehandelt hätte. Aber Fehleinschätzungen, Zuständigkeitsgerangel und Ignoranz ließen viel wertvolle Zeit verstreichen. Anstatt sich bei der Familie zu entschuldigen, den Fall falsch eingeschätzt zu haben, versuchen die Beamten, ihre Fehler zu vertuschen.

Die AfD und Rechtsextreme missbrauchen die schreckliche Gewalttat für ihre populistischen Zwecke, verbinden den Mord mit Ausländerhetze und Hass. Sophia hatte weltoffen für eine bunte Gesellschaft gekämpft, sich politisch engagiert und sich immer wieder in der Flüchtlingshilfe eingesetzt. Die Familie wehrt sich gegen diesen Missbrauch ihres Schicksals mit allen Mitteln und gerät selbst in den Fokus des rechten Hasses.

Frontal21 egibt sich auf die Spuren dieses Gewaltverbrechens. In exklusiven Interviews mit Familie und Freunden rekonstruiert der Film die Tötung der 28-Jährigen, das Verhalten der Polizei und die Instrumentalisierung durch Rechtspopulisten.

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