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Stadt, Land, Schluss?

Heimat zwischen Wut und Wandel

Digitalisierung, Strukturwandel, Flüchtlingspolitik, demografische Entwicklung – viele Bürger haben das Gefühl: Die Politik verspricht viel, hat aber keine Lösungen mehr parat.

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Sprachoptionen:
UT
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 05.03.2020

Digitalisierung, Strukturwandel, Flüchtlingspolitik, die demografische Entwicklung - viele Bürger haben das Gefühl, die Politik verspricht viel, hat aber keine Lösungen mehr parat.

Reporter des ZDF-Magazins "Frontal 21" sind quer durchs Land gefahren: an die Küste, in den Ruhrpott, den Hunsrück, die Oberpfalz und in den Osten.

Sie haben sich dort umgeschaut, wo Einwanderer manchmal den einzigen Bevölkerungszuwachs bilden, es nicht mehr genügend Fachkräfte gibt, wo Internet und Handy noch immer nicht funktionieren und dahin, wo es demnächst nicht mal mehr einen Arzt, einen Bäcker oder eine Kneipe gibt. Überall haben sie gefragt: Wie überleben diese Orte, was ist hier schiefgelaufen, und was soll sich ändern? Dabei zeigt sich: Für manche Gemeinde kommt jede Hilfe zu spät. Doch erstaunlich viele Bürger und Bürgermeister vor Ort verlassen sich nicht länger auf die Politik in Berlin, sondern packen einfach selbst an.

So wird mancherorts in Eigeninitiative wieder ein Dorfladen gestemmt, damit auch ältere, weniger mobile Bürger ihre Einkäufe selbstständig erledigen können. Oder der Bürgermeister beschafft Zuschüsse von der Landesregierung, um ein verfallenes Gemäuer im Ortskern zu einem Gesundheitszentrum umbauen zu lassen. Doch solchem Improvisationstalent stehen oftmals Bürokratie und Unverständnis auf Seiten der Behörden gegenüber.

Fast 70 Prozent der Deutschen leben in Städten mit weniger als 100 000 Einwohnern oder sogar gleich auf dem Land - und die haben ganz andere Sorgen als die großen Metropolen. Der ländliche Raum hat zwischen den Jahren 2000 und 2015 fast fünf Prozent seiner Bevölkerung verloren. Bis 2030 könnte sich die Bevölkerungszahl in einigen Regionen um bis zu 20 Prozent verringern. Sie verlieren ihre Einwohner an die Großstädte.

Vor allem die Jungen zieht es dorthin – für den Job oder die Liebe, das Studium, die Ausbildung oder ein besseres Freizeitangebot. Zurück bleiben die Alten - dort, wo es schon lange keinen Arzt mehr und noch immer keine Pflegedienste gibt, das Handy nur an bestimmten Ecken Empfang hat, der Zug gar nicht und der Bus nur unregelmäßig fährt, eine Schule nicht mehr lohnt oder Geschäfte längst geschlossen sind. Zwar positionierte sich die Bundesregierung direkt nach der Wahl 2017 gegen die wachsende Ungleichheit zwischen Stadt und Land. Bundesheimatminister Horst Seehofer (CSU) richtete sogar eigens eine Kommission für den ländlichen Raum ein. Das Ziel: gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Deutschland. Doch was folgte, waren Bemerkungen wie die von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), wonach ein 5G-Mobilfunknetz für schnelles Internet nicht an jeder Milchkanne erforderlich sei.

Dabei ist der Zusammenhang zwischen ökonomischem oder sozialem Abstieg einer Region und der individuellen Wahlentscheidung der Menschen eindeutig nachgewiesen. Verlierer der Globalisierung vor allem auf dem Land veränderten zum Beispiel in Großbritannien und in den USA die politische Landschaft. Abgehängte Bürger neigten stärker zum EU-Ausstieg und zum Nationalismus eines Präsidenten Trump. Nach der Bundestagswahl 2017 wurde deutlich: Verunsicherung und Angst vor dem sozialen Abstieg spielten für das Wahlverhalten eine entscheidende Rolle. Aus verunsicherten und frustrierten Bürgern wurden auch in Deutschland Protestwähler.

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