Immer mehr Reserve-Antibiotika in Tierställen

Keime im Putenfleisch

Politik | Frontal 21 - Immer mehr Reserve-Antibiotika in Tierställen

Putenfleisch wird als gesund und mager beworben. Doch in den Ställen werden in großem Stil Antibiotika verabreicht, auch Mittel, die eigentlich nicht für Puten zugelassen sind.

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Frontal21 berichtet immer wieder über den nicht sachgerechten Einsatz von übermäßig viel Antibiotika in der Landwirtschaft. Jetzt hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die neuesten Zahlen bekannt gegeben. Demnach wurden seit 2011 Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie bei Menschen noch intensiver als bisher in der Tierhaltung eingesetzt.

Immer wieder deckte die Frontal21-Redaktion auf, dass vor allem in der Puten- und der Schweinemast antibiotische Mittel nicht nur zur Bekämpfung einzelner kranker Tiere verabreicht werden, sondern auch vorsorglich an alle Tiere im Stall verfüttert werden. Das Problem dabei: Es können sich Resistenzen entwickeln, Medikamente unwirksam werden - und zwar nicht nur bei Tieren, sondern auch für die Behandlung von Menschen.

Folgen für die Humanmedizin

Jetzt hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die neuesten Zahlen zur Gabe von Antibiotika in der Landwirtschaft bekannt gegeben. Die gute Nachricht: In Deutschland hat sich die in der Tiermedizin insgesamt abgegebene Menge zwischen den Jahren 2011 und 2015 ungefähr halbiert, von 1.706 auf 837 Tonnen. Die schlechte Nachricht: Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Therapie bei Menschen wurden noch intensiver als bisher in der Tierhaltung eingesetzt. Die Abgabe von sogenannten Fluorchinolonen stieg gegenüber 2011 um mehr als 80 Prozent. Auch die Abgabemenge für sogenannte Cephalosporine der dritten Generation stieg um mehr als 50 Prozent. Das werten viele Experten als gefährlich, weil in der Folge des massenhaften Einsatzes dieser Reserve-Antibiotika in der Landwirtschaft der Resistenzdruck zunehmen werde und so die Wirksamkeit dieser Antibiotika auch für die Humanmedizin zurückgehen kann.

Um den Einsatz solcher Reserve-Antibiotika gibt es seit Jahren politischen Streit. Die Grünen fordern beispielsweise, besonders wichtige antibiotische Wirkstoffe, die beim Menschen als Reserve-Antibiotika dienen, strikt zu reglementieren. Dazu müsste das Arzneimittelgesetz geändert werden, damit der Einsatz von Reserveantibiotika bei Tieren nur noch in klar erkennbaren Ausnahmefällen möglich ist. Vertreter der Bauernverbandes aber auch viele Tiermediziner lehnen eine solche Einschränkung ab mit der Begründung, dass so Tiere in großen Ställen nicht wirksam behandelt werden könnten.

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