Integration von Flüchtlingskindern

Zu wenig Lehrer und Erzieher

Politik | Frontal 21 - Integration von Flüchtlingskindern

Möglichst bald, möglichst gut sollen deshalb Hundertausende zugewanderter Flüchtlingskinder in Schulen und Kitas betreut werden, darin sind sich Experten und Politiker einig. Wie ist das zu schaffen?

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 22.03.2017, 19:33

Integration ist wichtig - je früher damit begonnen wird, umso besser gelingt das. Möglichst bald, möglichst gut sollen deshalb Hundertausende zugewanderter Flüchtlingskinder in Schulen und Kitas betreut werden, darin sind sich Experten und Politiker einig. Wie ist das zu schaffen?

Das Recht auf Betreuung und die Pflicht zum Schulbesuch für rund 300.000 zusätzliche Flüchtlingskinder stellt Kitas und Schulen vor gewaltige Herausforderungen. In vielen Kitas – auch in Berlin – fehlen Erzieher und Erzieherinnen. Neuköllns stellvertretender Bezirksbürgermeister, Falko Liecke (CDU), könnte Hunderte neuer Plätze schaffen, doch er findet keine Erzieherinnen. Vor allem in den sozialen Brennpunkten ist die fachliche Anforderung sehr hoch. Viele Kinder haben sprachliche und motorische Defizite, können nicht sprechen, nicht auf einem Bein stehen oder mit Stiften umgehen. Liecke will jetzt neuen Kräften 1.000 Euro Prämie zahlen, um so offene Stellen zu besetzen.

Qualitätsdefizite in Kitas und Schulen

Deutschlands Kitas haben ein Qualitätsdefizit, auch ohne die zusätzliche Integration von Flüchtlingskindern, kritisieren Experten. In einem Rechtsgutachten stellt der Jurist Professor Joachim Wieland fest, dass angesichts dieser unterschiedlichen Voraussetzungen der Bund verpflichtet sei, für einheitliche Voraussetzungen in Ländern und Kommunen zu sorgen. Der Pädagoge Norbert Hocke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, GEW,  fordert ein Gesetz, das die Strukturqualität regelt - und den Bund zur Finanzierung verpflichtet: "Neun Milliarden jährlich ist die Summe, die wir in der Gruppe Caritas, Arbeiterwohlfahrt und GEW berechnet haben."

Doch es fehlen nicht nur rund 20 000 Erzieher, auch an den Schulen gibt es Problem. Viele Schulen haben Übergangsklassen eingerichtet wie etwa in Bayern. Doch es fehlen Räume und Fachpersonal. Individuelle Förderung ist so kaum möglich, stellt die Mittelschullehrerin Simone Schock fest. "Ich mach mir ständig Sorgen, dass die begabten Kinder unterfordert sind und schneller lernen könnten und schneller in die Regelklasse integriert werden könnten und gleichzeitig mache ich mir Sorgen um die Kinder, die viel mehr Unterstützung und Zuwendung bräuchten."

"Eine große nationale Aufgabe"

Zusätzliche Klassen müssen eingerichtet werden, es fehlen geschätzt 20.000 neue Lehrer bundesweit, beklagen die Kultusminister. "Der Bund muss uns da unter die Arme greifen", mahnt die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Claudia Bogedan (SPD). "Es ist eine große nationale Aufgabe.“ Es wäre fatal, wenn Fehler der Vergangenheit, die die Integration erschwerten, sich jetzt wiederholten, darin sind sich die Beteiligten einig. Doch eine Antwort darauf, was konkret unternommen wird, damit die Integration gelingt, dieser Plan liegt bei den politisch Verantwortlichen immer noch nicht vor.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet