IS-Rückkehrer Harry S. über Anschlagspläne der Terrormiliz

Politik | Frontal 21 - IS-Rückkehrer Harry S. über Anschlagspläne der Terrormiliz

Der Islamische Staat will Angst und Schrecken verbreiten. Auch in Europa. Ein Rückkehrer erzählt, wie der IS vorgeht und welche Länder vor allem ins Visier genommen werden.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 15.06.2017, 19:34

Die Terrororganisation "Islamischer Staat" sucht offenbar gezielt nach europäischen Rekruten, die Anschläge in Deutschland und Europa verüben sollen. Das berichtet der Syrien-Rückkehrer Harry S. in einem exklusiven Interview mit dem ZDF-Magazin Frontal21 und ZDFzoom.

Der IS-Rückkehrer Harry S. behauptet im Interview: Es gebe bei der Terrormiliz sogar ein Haus der Selbstmörder, in dem vor allem Jugendliche radikalisiert würden. "Da sind Europäer drunter und auch Deutsche!“ Besonderes Interesse habe die Terrororganisation an deutschen Staatsbürgern für Anschläge in Deutschland.

IS sucht offenbar Attentäter für Deutschland

„Ich war bei einer Spezialeinheit des IS“, berichtet der 27-jährige Bremer. Am zweiten Tag in Syrien seien maskierte Männer aufgetaucht, die Selbstmord-Attentäter anwerben wollten. "Sie fragten mich: Wärt ihr bereit, auch in Deutschland Attentate zu verüben?“ Er habe abgelehnt. "Da haben die gefragt: Habt ihr Leute, die ihr kennt, die bereit sind, ihr Leben zu geben?", so Harry S. "Es waren Franzosen, Die haben gesagt, wir wären besser in Frankreich geblieben, um dort Anschläge zu begehen.“ Im Gegensatz zu den Franzosen hätten die Deutschen wohl immer wieder "kalte Füße“ bekommen, behauptet Harry S.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen haben sich in den vergangenen Jahren mindestens 810 Männer und Frauen aus Deutschland dem sogenannten Islamischen Staat (IS) in Syrien und im Irak angeschlossen. Circa 270 von ihnen sollen mittlerweile zurückgekehrt sein. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, bezeichnete die IS-Rückkehrer im Interview mit dem ZDF als große sicherheitspolitische Herausforderung: "Wir müssen davon ausgehen, dass jeder, der beim IS war und wieder auch zurückreisen konnte, eine Gefahr für unsere innere Sicherheit sein kann. Sei es, dass diese Personen mit einem konkreten Tatplan nach Europa geschickt werden und zunächst mal als Schläfer bewusst sich ruhig verhalten. Sei es, dass es Personen sind, die einfach nur Kampferfahrung haben und sich möglicherweise noch weiter radikalisieren, um hier ihren Dschihad zu begehen“.

Flucht nach Deutschland

Harry S. reiste im April 2015 gemeinsam mit seinem Freund Adnan S. von Bremen nach Syrien. Nach eigenen Angaben absolvierte er eine Ausbildung bei einer Spezialeinheit des IS, wirkte bei einem Propagandavideo mit. Die Aufforderung, für das Video einen Gefangenen hinzurichten, lehnte er aber ab. Danach wollte er die Terrormiliz verlassen; nach drei Monaten sei ihm die Flucht gelungen. Im Juli 2015 reiste er zurück nach Bremen. Noch am Flughafen wurde er verhaftet, sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Am 22. Juni 2016 beginnt sein Prozess wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor dem Oberlandesgericht Hamburg.

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