Charité kassiert gut eine Million Euro von Coca-Cola

Politik | Frontal 21 - Charité kassiert gut eine Million Euro von Coca-Cola

Zuckerhaltige Getränke gelten als ein Grund für Übergewicht. Doch davon will die Lebensmittelindustrie nichts wissen und verharmlost die Krankmacher.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.02.2017, 20:23

Das Institut für Genderforschung in der Medizin an der Berliner Charité hat sich in den vergangenen fünf Jahren vom Getränke-Konzern Coca-Cola mit insgesamt knapp über eine Million Euro sponsern lassen.

Das geht aus Zahlen hervor, die Coca-Cola Deutschland kürzlich veröffentlicht und die die Verbraucherorganisation foodwatch jetzt ausgewertet hat. Die Ergebnisse liegen Frontal21 exklusiv vor. Mit dem Sponsoring von Coca-Cola sollte die Herzgesundheit bei Frauen besser erforscht und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. Dafür hat die Direktorin des Instituts unter anderem die Initiative “Hör auf Dein Herz“ mit dem Partner Coca-Cola light gestartet. Auf der Webseite der Aktion heißt es: “Mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung, viel Bewegung und dem Verzicht auf das Rauchen beispielsweise können wir viele Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen selbst beeinflussen und damit das Risiko, daran zu erkranken, entscheidend senken.“

foodwatch kritisiert fragwürdige Sponsorengelder

Der Gesundheitsexperte von foodwatch, Oliver Huizinga, verwies gegenüber Frontal21 darauf, dass zuckerhaltige Getränke mitverantwortlich seien für Übergewicht und Diabetes Typ 2 und damit auch für Herzerkrankungen: “Es ist daher natürlich naiv zu glauben, dass gerade Coca-Cola, der Weltmarktführer für Zuckergetränke, ein geeigneter Partner für Gesundheitsprogramme und für Gesundheitsinitiativen ist.“ foodwatch fordert ein sofortiges Ende der Kooperation: “Es ist so, dass die Charité diese inakzeptable Kooperation aus unserer Sicht sofort beenden muss. Coca-Cola möchte sich ausschließlich reinwaschen.“

Coca-Cola Deutschland erklärt auf Nachfrage von Frontal21, man sei “stolz“ auf diese Partnerschaft. Man habe damit einen Beitrag für dieses wichtige Anliegen leisten können. Und weiter heißt es: “Wir haben dabei die Bekanntheit der vor allem bei Frauen beliebten Marke Coca-Cola light dafür eingesetzt, um Frauen auf dieses Thema aufmerksam zu machen.“

Charité: Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit nicht verletzt

Die Charité rechtfertigt die finanzielle Partnerschaft mit Coca-Cola damit, dass Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Instituts und der Charité in keiner Weise verletzt worden seien. Die Verwaltung der Charité habe vor Abschluss die Vereinbarungen mit dem Soft-Drink-Konzern geprüft. Dennoch teilt die Charité jetzt mit: “Die Forschungsprojekte sind abgeschlossen und eine Verlängerung der Unterstützung ist nicht geplant.“

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