Prozess gegen mutmaßliche Terrorgruppe OSS

Neonazis in Merseburg Sommer 2015

Politik | Frontal 21 - Prozess gegen mutmaßliche Terrorgruppe OSS

In der Region um Halle an der Saale sind seit mehreren Monaten gewaltbereite Neonazi-Gruppen aktiv. Sie nennen sich “Brigade Bitterfeld“ und “Brigade Halle“ und machen Jagd auf dort ansässige Roma.

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Wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung müssen sich seit Mittwoch vier Mitglieder der rechtsextremen "Old School Society" (OSS) vor dem Münchener Oberlandesgericht verantworten. Sie sollen Terroranschläge gegen Flüchtlinge vorbereitet haben.

Die vier Beschuldigten Andreas H., Markus W., Olaf O. und Denise G. bildeten laut Anklage den innersten Führungszirkel der mutmaßlichen Terrorgruppe OSS, den sogenannten "Geheimrat".

Am 1. Mai 2015 fuhren Markus W. und seine mitangeklagte Freundin Denise G. nach Tschechien, um sogenannte Polenböller zu besorgen. Die in Deutschland verbotenen Sprengkörper mit Bezeichnungen wie "Cobra 11" und "La Bomba" sollten mit Nägeln in ihrer Wirkung verstärkt werden und gegen Flüchtlingsunterkünfte eingesetzt werden, so die Anklage. Die Mitglieder der rechtsextremen Gruppe ahnten nicht, dass sie von der Polizei abgehört wurden.

Böller gegen Flüchtlingsunterkünfte

In einem Telefonat prahlte Markus W.: "So ein 'Cobra 11', Dachpappenstifte draufmachen und dann so ein Ding im Asylheim, Fenster eingeschmissen und dann das Ding hinterher gejagt." Der Mitangeklagte Andreas H. soll daraufhin seine Zustimmung zu den Anschlagsplänen bekundet haben: "Tät mir schon gefallen, wär schon nach meinem Geschmack."

In Markus W.s Gartenlaube bei Borna soll sich die Gruppe ab dem Sommer 2014 getroffen und immer mehr radikalisiert haben. Zuvor hatte sich die "Old School Society" vor allem über den Kommunikationsdienst "WhatsApp" per Chat ausgetauscht. Im August 2014 begann die OSS jedoch eine verschlüsselte Kommunikation über "Telegram". Doch auch der verdeckte Chat wurde von Ermittlern mitgeschnitten.

Zustimmung zu geplanten Anschlägen

So glauben die Beamten dem Mitangeklagten Olaf O. seine Zustimmung zu geplanten Anschlägen nachweisen zu können. O. soll Fotos von Sprengkörpern, die Markus W. ihm im Chat präsentierte, mit den Worten kommentiert haben: "Passen aber immer noch in Türkenarsch." Auch der vierten Angeklagten, Denise G. , wirft die Bundesanwaltschaft vor, Sprengstoffanschläge gegen Flüchtlingsheime befürwortet zu haben. Sie soll sich über die Herstellung von Sprengstoff erkundigt und sich bereit erklärt haben, bei der Beschaffung zu helfen.

Die Gruppe hatte sich hierarchisch organisiert. Andreas H. war der "Präsident", Markus W. sein Vize, Olaf O. "Sergeant at Arms" und Denise G. Schriftführerin. Dieser "Geheimrat“ und weitere Mitglieder sollen im Oktober 2014 an der islamfeindlichen Demonstration "Hooligans gegen Salafisten" in Köln teilgenommen haben, bei der es zu schweren Angriffen gegen Polizisten kam. Ab Februar 2015 habe man dann über die Beschaffung von Sprengstoff und Anschläge auf Asylbewerberheime diskutiert.

Vorbereitung eines Bombenanschlags

Ein Insider berichtete dem ZDF, ein Mitglied des "Geheimrates" habe zur Jahreswende 2014/2015 im Sympathisantenkreis des OSS herumgefragt, ob sich jemand vorstellen könne, in den Nahen Osten zu gehen, um taktische Kampferfahrung zu sammeln. Den Plan habe man aber wegen fehlender Geldmittel fallen gelassen.

Stattdessen soll die Gruppe im Mai 2015 einen Bombenanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Borna mit dem gehorteten Explosivmaterial vorbereitet haben. Am 6. Mai 2015 schlugen die Ermittler mit rund 250 Beamten zu und durchsuchten Wohnungen und Treffpunkte der OSS. Sie fanden über 70 illegale Böller und dreißig Nägel. Seitdem sitzen die Hauptbeschuldigten in vier verschiedenen Gefängnissen in Untersuchungshaft.

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