Kritik an Initiative Tierwohl

Deutscher Tierschutzbund steigt aus

Politik | Frontal 21 - Kritik an Initiative Tierwohl

Frontal21 berichtete über die Initiative Tierwohl für die bessere Haltungsbedingungen in Schweineställen. Jetzt hat der Deutsche Tierschutzbund seine Kooperation mit der Initiative Tierwohl beendet.

Beitragslänge:
2 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 20.09.2017, 17:17

Frontal21 berichtete im vergangenen Jahr über Landwirte, die an der Initiative Tierwohl teilnahmen. Handel, Fleischwirtschaft und Bauernverband vereinbarten gemeinsam Kriterien, um die Haltungsbedingungen für Schweine über das gesetzliche Mindestmaß hinaus zu verbessern. Nun hat der Deutsche Tierschutzbund seinen Austritt aus der Initiative erklärt.

Die großen Handelsketten zahlten vier Cent pro verkauftes Kilogramm Schweinefleisch in den Tierwohl-Fonds. Die so eingesammelten 60 Millionen Euro flossen zurück an teilnehmende Landwirte. Damit konnten sie konkrete Maßnahmen bezahlen: Beschäftigungsmaterial, Stroh-Einstreu oder mehr Platz pro Tier. Auch große Tierschutzverbände unterstützen die Initiative. Sie setzten darauf, dass Missstände aufhören, Tierwohlstandards deutlich steigen und Verbraucher das erkennen können.

Tierschutzbund beendet Kooperation

Doch jetzt hat der Deutsche Tierschutzbund seine Kooperation mit der Initiative Tierwohl beendet. "Wir müssen feststellen, dass die Grundanforderungen in diesem System viel zu niedrig sind, gerade eben über dem Gesetz", erklärt der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, die Entscheidung. "Ein bunter Strauß an freiwilligen Kriterien, die der Landwirt dann freiwillig umsetzen kann." Das führe nicht zu mehr Tierwohl im Stall, so Schröder."Zudem führt es dazu, dass der Verbraucher getäuscht wird."

Dazu kommt Streit ums Geld. Denn die höchstmögliche Fördersumme pro Mastschwein soll von bisher neun auf 5,10 Euro gesenkt werden. Zu wenig findet der Deutsche Tierschutzbund. Mehr gehe nicht, sagen die Vertreter des Deutschen Bauernverbandes und weisen die Kritik zurück. Man könne die Entscheidung nicht nachvollziehen, denn es gehe darum, Tierwohl in die Fläche zu bringen", Bernhard Krüsken, Generalsekretär Deutscher Bauernverband. "Es ist klar und deutlich offen gelegt, was die Standards sind, und es ist auch Vorsorge dafür getroffen, dass nicht an der Theke der Eindruck erweckt wird, hier wäre mehr Tierwohl drin als versprochen.“

Scheitert die Initiative Tierwohl?

Wie schwerwiegend der Ausstieg des Tierschutzbundes ist, belegt ein internes Sitzungsprotokoll der Initiative Tierwohl. Darin heißt es, "dass ein Ausscheiden des Deutschen Tierschutzbundes eine Kettenreaktion auslösen und die Brancheninitiative existentiell gefährden könnte." Doch was gut gemeint sei, sei eben nicht gut gemacht", meint Tierschützer Schröder. "Und das muss auch für den Bundesminister Christian Schmidt ein Signal sein, dass freiwillige Verbindlichkeit, die er immer fordert nicht dazu führt, dass wir mehr Tierwohl in den Ställen haben und vor allem nicht dazu führt, dass wir mehr Verbrauchertransparenz bekommen.“ Scheitert jedoch die Initiative Tierwohl, ist der Bundeslandwirtschaftsminister in der Pflicht: Denn ohne gesetzliche Vorgaben wird es keine besseren Haltungsbedingungen in deutschen Schweineställen geben.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet