nachgehakt

Zucker-Strategie von Bundesernährungsminister schon vor Start gescheitert

Frontal 21 berichtete über undurchsichtige Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen. Ärzte und Verbraucherschützer kritisierten, dass der Tagesbedarf an Zucker viel zu hoch ausfalle und somit nicht den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) entspreche. Sie forderten Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) auf, über gesetzliche Steuerungsmaßnahmen wie etwa eine Zuckersteuer nachzudenken. Doch Schmidt wiegelte ab, verwies stattdessen wiederholt auf Kooperationen mit der Industrie und auf freiwillige Selbstverpflichtungen.

Politik | Frontal 21 - Süße Krankmacher

Die Tricks der Zuckerindustrie

Videolänge:
8 min
Datum:

Weniger Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln – das verspricht Minister Schmidt jetzt mit Hilfe seiner sogenannten Reformulierungsstrategie umzusetzen. Die Hersteller sollen langfristig weniger Zucker, Fett und Salz in ihren Produkten verarbeiten. Doch das Konzept scheint schon gescheitert, bevor das Bundeskabinett im Juli darüber abstimmen kann. Denn die Zuckerindustrie kommt zu dem Ergebnis:

Die Zuckerindustrie argumentiert, das Konzept richte sich gegen den Mittelstand und die Reduktion einzelner Nährstoffe würde nicht gegen Übergewicht helfen. Was nur nach typischen Lobby-Floskeln klingt, ist deshalb von Bedeutung, weil Minister Schmidt auf die freiwillige Selbstverpflichtung und Kooperationsbereitschaft der Industrie gesetzt hat.

Hauptkritikpunkt: Nur freiwillige Selbstverpflichtung

Das belegt auch die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen. Danach hat sich Minister Schmidt zwischen Juni 2015 und Mai 2017 insgesamt 17 Mal mit Vertretern der Zuckerindustrie und einmal mit dem bayerischen Bäckerhandwerk getroffen. „Der Minister fährt die Reduktionsstrategie an die Wand. Über Jahre traf er sich fast ausschließlich mit der Zucker- und Süßwarenindustrie. Dass ihm die Zucker-Lobby jetzt die heftigsten Vorwürfe macht, unterstreicht Schmidts falsche Strategie“, urteilt Nicole Maisch, Verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt will sein Konzept im Juli dem Bundeskabinett vorlegen. Größter Kritikpunkt von Opposition und Verbraucherorganisationen: Es gibt nur eine freiwillige Selbstverpflichtung. Unternehmen können also mitmachen, müssen es aber nicht. Maisch kritisiert: „Ohne klare Vereinbarungen zur Reduktion von Zucker, Fett und Salz wird sich an den Rezepturen zu wenig ändern. Angesichts der drastischen Zunahme von Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist dringend Handlungsbedarf geboten. Der Minister hat den Ernst der Lage noch nicht erkannt.“

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