Teure Krebsmedikamente

Politik | Frontal 21 - Teure Krebsmedikamente

Neue Medikamente versprechen Krebskranken Hoffnung. Doch die Preise sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Dabei bringen die neuen Medikamente selten einen Fortschritt.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 01.03.2017, 17:50

Neue Medikamente versprechen Krebskranken Hoffnung. Doch die Preise sind in den vergangenen Jahren geradezu explodiert. Ein Grund: Die Pharmafirmen können im ersten Jahr nach der Zulassung eines Medikaments in Deutschland den Preis fordern, den sie sich vorstellen.

Das Geschäft mit dem Krebs wird für die Pharmaindustrie immer lukrativer. Jahr für Jahr wirft sie neue Medikamente auf den Markt und die werden immer teurer. Jährlich bis zu 200.000 Euro Therapiekosten pro Patient sind mittlerweile keine Seltenheit. Professor Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, sieht das mit wachsender Besorgnis: “Ich nenne diese Preise exorbitant hoch oder auch obszön, weil letztlich die Preise in keiner Weise korrelieren mit dem Nutzen dieser Arzneimittel.“

Teurer als in anderen europäischen Ländern

Viele der neuen Medikamente wecken zwar Erwartungen bei den Patienten, bringen aber selten einen Fortschritt, sagt auch Jörg Schaaber, Patientenvertreter im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA): “Viele Medikamente bringen nur ganz geringe Vorteile, verlängern das Leben eventuell um ein bis zwei Monate und teilweise wird das aber mit schweren Nebenwirkungen erkauft.“
In Deutschland kassieren die Pharmafirmen mit am meisten ab. Dieselben Medikamente sind hierzulande oftmals viel teurer als in anderen europäischen Ländern. Das zeigt, eine aktuelle Studie der Weltgesundheitsorganisation. Der Wirtschaftswissenschaftler Professor Reinhard Busse hat sie analysiert und festgestellt, dass “Deutschland eben für viele der Medikamente, genauer gesagt 70 Prozent, mit zu den teuersten Ländern gehört und auch insgesamt sieben Mal ganz an der Spitze liegt, was den Preis angeht.“ So verlangt zu Beispiel der Hersteller für eine Einheit des Krebsmittels Lenalidomid in Frankreich 165 Euro, in Großbritannien 185 Euro und in Deutschland 266 Euro, also bis zu 100 Euro mehr.

Experten kritisieren Preispolitik

Der Grund: In Deutschland wird im ersten Jahr jeder Preis für ein neues Medikament gezahlt, selbst wenn es für den Patienten nur einen sehr geringen zusätzlichen Nutzen hat. Ann Marini vom Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fordert deshalb, dass der Gesetzgeber die Preispolitik der Pharmafirmen stärker reguliert, den sonst fürchtet sie: “Wir kommen an die Grenzen des Systems, wenn wir nicht versuchen, die Preise einzufangen, beziehungsweise die Preise ganz stark an den Nutzen und Zusatznutzen zu koppeln.“
Wenn die Politik nicht endlich reagiere und die Preispolitik der Pharmaindustrie in den Griff bekomme, sagt auch Professor Ludwig, werde das weitreichende Folgen für unser solidarisch finanziertes Gesundheitssystem haben. “Wir werden an anderen Stellen sinnvolle Maßnahmen möglicherweise nicht finanzieren können“, warnt er und fordert dazu auf: „“Wir sollten uns wirklich Gedanken darüber machen, wie wir es in den Griff bekommen, dass Medikamente mit einem sehr geringen Nutzen nicht zu diesen exorbitanten hohen Preisen in Deutschland vermarktet werden können."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet