Frontal 21 vom 2. Februar 2016

Politik | Frontal 21 - Frontal 21 vom 2. Februar 2016

Mit den Themen: Die Limo-Lobby; Kinder als Versuchskaninchen für Medikamententests in Heimen, Lufthansa umfliegt mit Billigableger Eurowings Europe Tarifrecht; AfD im Wahlkampf

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 02.02.2017, 21:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016

Die Limo-Lobby
Konzerne verharmlosen Krankmacher

Diabetes Typ 2 ist eine Volkskrankheit: Bis zu sechs Millionen Menschen leiden in Deutschland an der Zuckerkrankheit, Tendenz steigend. Bei den Erwachsenen gelten 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen als übergewichtig. Für einen Großteil von Ärzten und Wissenschaftlern steht fest: Falsche Ernährung ist eine der häufigsten Ursachen für Übergewicht und Diabetes. Sie fordern eine bessere Lebensmittelkennzeichnung sowie Verbote und lenkende Steuern. Doch das will die Lebensmittelindustrie verhindern, sie setzt auf Freiwilligkeit. Ihr Hauptargument: Nicht zu süße, zu fettige und zu salzige Produkte seien die Ursache für Übergewicht, sondern fehlende Bewegung.

"Frontal 21" berichtet darüber, wie auch schon mal Geld fließt, damit einige Wissenschaftler die Argumentation von Lebensmittelkonzernen unterstützen.

AfD im Wahlkampf
Die Scharfmacher

Die Flüchtlinge bedrohen die Heimat, der Euro ist Deutschlands Untergang, Merkel führt das Land mutwillig in den Abgrund - das sind nur einige Thesen der Alternative für Deutschland (AfD). Mit dieser neo-nationalistischen Stimmungsmache könnte die Partei schon bald in drei weitere Landtage einziehen.

Bei ihren Vorschlägen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise überbietet sich die Parteiführung mittlerweile mit immer extremeren Forderungen - bis hin zum Einsatz von Schusswaffen an der Grenze gegen Flüchtlinge. So greifen AfD-Politiker bei ihren Wahlveranstaltungen in Ost und West Ängste auf, die viele Bürger angesichts der Flüchtlingskrise empfinden, bieten simple Lösungen und setzen die etablierten Parteien unter Druck. Und das kommt an, auch bei denen, die früher CDU oder Linkspartei gewählt haben. Ihre Wahlkampfveranstaltungen sind gut besucht, und die etablierten Parteien wirken ratlos.

"Frontal 21" hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Kinder als Versuchskaninchen
Medikamententests in Heimen

Pharmafirmen haben in den 50er und 60er Jahren an Heimkindern Medikamente testen lassen. Nach Recherchen von "Frontal 21" wurden beispielsweise in medizinischen Einrichtungen bei Hannover, Bremen sowie in Düsseldorf an den weitgehend recht- und wehrlosen Insassen unter anderem Neuroleptika erprobt.

Bis heute leiden ehemalige Heimkinder unter gravierenden gesundheitlichen Folgen des jahrelangen Medikamentenmissbrauchs. Sie klagen über Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes, sehen sich als "Versuchskaninchen".

Experten gehen davon aus, dass die erzwungene missbräuchliche Einnahme von Neuroleptika zu einer Verkürzung der Lebenszeit von bis zu 20 Jahren führt.
In "Frontal 21" sprechen sie erstmals über ihr Schicksal - ein erschreckendes Kapitel deutscher Heimerziehung.

Lufthansa umfliegt Tarifrecht
Sparkurs bei Billigableger

Die Lufthansa wird mit ihrem neuen Sparkurs der sozialen Verantwortung für die eigenen Mitarbeiter nicht mehr gerecht. Diesen Vorwurf erheben Vertreter mehrerer Gewerkschaften gegenüber "Frontal 21". Im Zusammenhang mit der Neugründung der Billigfluglinie Eurowings Europe, die im Juni in Wien ihren Flugbetrieb aufnehmen will, kritisieren sie Lohn- und Sozialdumping, Tarifflucht ins Ausland sowie Abbau von Qualitäts- und Sicherheitsstandards.

Johannes Schwarcz, verantwortlich für Luftverkehr in der österreichischen Gewerkschaft vida, signalisiert Kampfbereitschaft: "Profitsteigerungen auf Kosten von Arbeitnehmerrechten bis hin zur prekären Beschäftigung werden wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern." Die Arbeitsangebote für Piloten und Flugbegleiter bei der neuen Eurowings seien an der Grenze des gesetzlich Erlaubten, die Bezahlung liege im Vergleich zur Lufthansa-Tochter Germanwings um etwa 40 Prozent niedriger. Auch wichtige Sozialleistungen, wie die Frühverrentung altersschwacher Piloten oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, seien für das Personal von Eurowings Europe gestrichen worden.

Die Lufthansa will das Billigsegment innerhalb des Konzerns weiter ausbauen und dabei die tarifgebundene Germanwings abwickeln, um das komplette Geschäft auf die neue Eurowings Wien zu übertragen, so die Befürchtungen von Nicoley Baublies, Sprecher der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO). "Aber bis jetzt, wenige Wochen vor dem Start, sind uns keine Kollektivverträge angeboten worden", sagt Baublies und fügt hinzu: "Hier wird aktiv Tarifflucht begangen."

Der Sprecher der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Markus Wahl, fürchtet gar den Abbau von Qualitäts- und Sicherheitsstandards. Die Lufthansa selbst weist die Vorwürfe als unbegründet zurück.

"Frontal 21" zeigt, wie Lufthansa auf dem europäischen Billigflugmarkt aufsteigen will und dabei auf Kosten der Mitarbeiter spart.

Stab

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