Sendung vom 6. September 2016

Politik | Frontal 21 - Sendung vom 6. September 2016

Mit den Themen: Angst vor der Schule - Wenn Kinder nicht weiter wissen, Arbeitsplätze für Flüchtlinge - Haben wir das geschafft?, Milliardenloch Braunkohle? - Neue Risiken für Steuerzahler

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 06.09.2017, 21:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2016
Altersbeschränkung:
Freigegeben ab 6 Jahren

Frontal21 berichtet in der Sendung unter anderem über Kinder, die regelmäßig dem Unterricht fernbleiben, weil sie Angst vor der Schule haben, prüft nach, ob die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt gelungen ist, deckt Risiken für den Steuerzahler auf, die durch das Ende des Braunkohleabbaus entstehen und zeigt, wie kriminelle Banden mit Schrottimmobilien die Not der Zuwanderer aus Südosteuropa ausnutzen, um unsere Sozialsysteme abzuzocken.

Angst vor der Schule - Wenn Kinder nicht mehr weiter wissen

Sie werden gemobbt, fühlen sich überfordert oder leiden unter der Trennung der Eltern - das sind nur einige Gründe, warum geschätzt fünf bis zehn Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland nicht regelmäßig zum Unterricht gehen. Ein Teil der Betroffenen verweigert deshalb sogar gänzlich die Schule.
Eltern und Schüler verzweifeln dann oft gleichermaßen, wenn beispielsweise Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder andere psychosomatische Störungen die Kinder plagen und ein ärztliches Attest nach dem anderen geschrieben werden muss. Dabei ist es wichtig, schnell auf Schulangst zu reagieren, weil sich das Fernbleiben vom Unterricht sonst verstärkt.
In den Schulen ist es schwierig auf solche Kinder einzugehen, denn dort sind noch immer Erkrankungen im psychosomatischen Bereich ein Tabu. Oft bleiben die wahren Gründe des Fernbleibens unbemerkt. Enge Netzwerke zwischen Pädagogen, Kinder- und Jugendpsychiatern, Jugendämtern und Jugendhilfeeinrichtungen wären nötig, damit auch diese Kinder wieder ihren Platz in der Schule finden.
Frontal21 über Schulangst, die viele Gesichter hat, und Hilfsangebote, von denen dringend mehr benötigt werden.

Arbeitsplätze für Flüchtlinge - Haben wir das geschafft?

Es war ein gutes Jahr für mich, sagt Ahmad, als wir ihn jetzt im Allgäu wieder treffen. Er hat eine Arbeit gefunden und eine eigene Wohnung. Doch so positiv fällt die Bilanz der meisten Geflüchteten nicht aus. Ob jung und motiviert oder Akademiker mit Erfahrung, nur wenige haben es nach ihrer Ankunft in Deutschland geschafft.
Um sich in der deutschen Arbeitswelt zurechtzufinden, brauchen sie mehr Engagement, Zeit und Geduld, als sie dachten. Rund eine Million offene Stellen gibt es, doch vielen der über 300.000 arbeitssuchenden Flüchtlingen fehlt es an der in Deutschland erforderlichen Qualifikation. Nach Erfahrung der Praktiker in Jobcentern und Betrieben seien mehr Sprachkurse und gezielte Weiterbildung notwendig, das koste mehr Zeit und Geld.
Vor allem Handwerks- und mittelständische Betriebe engagieren sich. Die großen Unternehmen seien oft zu zögerlich, kritisieren Experten. So sind bisher in den 30 führenden Dax-Konzernen weniger als 100 Flüchtlinge angestellt.
Frontal21 hat Menschen, die vor einem Jahr ihren Weg nach Deutschland suchten, noch einmal aufgesucht und mit ihnen, ihren Familien, Arbeitgebern und Betreuern gesprochen. Sie alle ziehen für sich ihre persönliche Bilanz.

Milliardenloch Braunkohle? - Neue Risiken für den Steuerzahler

Die Landesregierungen in Sachsen und Brandenburg verzichten beim Verkauf der Vattenfall-Braunkohlesparte auf sogenannte Sicherheitsleistungen. Damit gehen die Länder ein hohes Risiko ein, denn nur die garantieren nach geltendem Recht auch im Fall einer Insolvenz des Bergbaubetreibers die ausschließliche Verwendung der beiseitegelegten Finanzmittel für die Beseitigung von Bergbauschäden.
Doch Renaturierungsmaßnahmen werden auch noch Jahrzehnte nach Beendigung des Abbaus von Braunkohle in den beiden Bundesländern notwendig sein. Die Kosten dafür werden schon jetzt auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. Die tschechische Holding EPH, die die Vattenfall-Braunkohlesparte übernimmt, steht derzeit massiv in der Kritik. So wirft die Umweltorganisation Greenpeace dem seit 2009 bestehenden Unternehmen nur kurzfristige Gewinninteressen und dubiose Geschäftsmethoden vor.
Frontal21 berichtet über das Versäumnis der Landespolitiker in Sachsen und Brandenburg, den Steuerzahler vor Milliardenkosten zu schützen.

Sozialbetrug mit Schrottimmobilien – Zuwanderer aus Südosteuropa

Viele sogenannte Schrottimmobilien im Ruhrgebiet geraten zunehmend in den Blick krimineller Banden. Die leerstehenden, abbruchreifen Häuser werden zu Spottpreisen aus Zwangsversteigerungen herausgekauft und dann unsaniert an Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien vermietet, die auf dem freien Wohnungsmarkt keine Chance haben.
Seit die Niederlassungsfreiheit auch für Arbeitnehmer aus Rumänien und Bulgarien innerhalb der Europäischen Union gilt, verzeichnen Städte wie Gelsenkirchen, Duisburg, Dortmund oder Hagen seit Anfang 2014 eine verstärkte Zuwanderung vor allem von Sinti und Roma aus den beiden Ländern. Die werden dann in maroden Häusern untergebracht, in denen es häufig keine Heizung gibt und die oft sogar baufällig sind.
Experten gehen von organisierter Kriminalität aus. Die Masche funktioniert so: Dem Gesetz nach dürfen sich nur Arbeitnehmer aus dem EU-Ausland in Deutschland niederlassen. "Dabei reicht aber schon ein Minijob“, betont der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei in Nordrhein-Westfalen, Arnold Plickert. "Schlepper holen die Menschen in Rumänien und Bulgarien ab und organisieren hier die Abläufe." Arbeitsverträge würden zum Schein geschlossen, damit die Zuwanderer Sozialhilfe bekämen. "Dann quartieren sie die Menschen für teures Geld in ihren Schrottimmobilien ein und ziehen so das Geld ab.“
Auch der Stadtentwickler Torsten Bölting, Geschäftsführer des Institutes für Wohnungswesen, Immobilienwirtschaft, Stadt- und Regionalentwicklung an der Ruhr-Universität Bochum, bestätigt, dass „die Not der Menschen von windigen Geschäftemachern ausgenutzt“ werde. Die Kommunen aber stünden der Entwicklung weitgehend hilflos gegenüber. "Die Lösung wäre Stadterneuerung, aber das schaffen die Kommunen nicht alleine“, sagt Bölting und beschreibt einen Teufelskreis: "Städte wie Gelsenkirchen kaufen bereits selbst Schrottimmobilien auf und reißen sie ab.“ Das eingenommene Geld werde dann genutzt, um zwei, drei Straßen weiter drei neue Schrottimmobilien zu kaufen.
Frontal21 über kriminelle Banden, die die Not der Menschen aus Südosteuropa ausnutzen, um unsere Sozialsysteme abzuzocken.

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