Sendung vom 8. Dezember 2015

Politik | Frontal 21 - Sendung vom 8. Dezember 2015

Mit den Themen: Arbeitslose in der Falle, Europa zieht die Zäune hoch, Syrische Ärzte in Deutschland, Flüchtlingskinder ohne Perspektive

Beitragslänge:
44 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.12.2016, 21:00
Produktionsland und -jahr:
Deutschland 2015

In der Sendung zieht Frontal21 nach zehn Jahren Hartz IV Bilanz, berichtet über Ärzte aus Syrien, die in Deutschland nicht arbeiten dürfen, über Probleme bei der Verteilung von Flüchtlingen in Europa sowie über Flüchtlingskinder ohne Perspektive.

Einmal Hartz IV, immer Hartz IV – Arbeitslose in der Falle

Seit mehr als zehn Jahren ersetzt nun Hartz IV das Arbeitslosengeld II. Anfang 2005 ist das "Gesetz über die Grundsicherung für Arbeitssuchende" in Kraft getreten. Im Zuge der „Agenda 2010“ sollte mit der Kombination von Arbeitslosenhilfe für Langzeitarbeitslose und Sozialhilfe die Zahl der Erwerbslosen gesenkt werden. Heute zählt die Statistik in Deutschland zwar nur noch 2,63 Millionen Menschen als arbeitssuchend. Die Arbeitslosenzahl ist damit auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 24 Jahren. Trotz Beschäftigungswunder gibt es in Deutschland aber immer noch sechs Millionen Hartz IV-Empfänger und mehr als eine Million Langzeitarbeitslose.

Frontal21 zieht Bilanz und trifft Menschen, die durch die Agenda 2010 wieder Arbeit finden sollten, nach mehr als zehn Jahren Hartz IV aber immer noch im Teufelskreis "Fordern und Fördern" feststecken.

Angst vor Flüchtlingen – Europa zieht die Zäune hoch

Das Schengen-Abkommen, einer der größten Erfolge der Europäischen Union, droht zu scheitern. Mittlerweile wird in Berlin und Brüssel offen über das Ende der Reisefreiheit und die Rückkehr von Schlagbäumen an den Grenzen diskutiert. Es wäre ein Rückfall in ein längst vergangenes Europa. Dabei geht es derzeit um die Verteilung von gerade mal 800.000 Flüchtlingen. Trotzdem können sich die 28 EU-Länder mit ihren 500 Millionen Bürgern nicht einigen, diese Menschen gerecht zu verteilen. Die Slowakei, Polen und Ungarn möchten am liebsten gar keine Flüchtlinge. Slowaken und Ungarn klagen gar gegen die Verteilung beim Europäischen Gerichtshof. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verliert langsam die Geduld mit den osteuropäischen Regierungschefs. Eine gerechte Verteilung der Flüchtlinge sei nicht irgendeine Petitesse, sagte sie Ende November im Bundestag, „sondern die Frage, ob der Schengen-Raum auf Dauer aufrechterhalten werden kann.“ Unterdessen ziehen immer mehr europäische Staaten Zäune an den Binnengrenzen hoch. Es ist der vergebliche Versuch, Flüchtlingsströme einzudämmen und zu kontrollieren. Schon jetzt ist Europas Schutzwall mehr als 235 Kilometer lang. Frontal21 über die Gefahr des Scheiterns von Schengen, das nicht nur eine Blamage für die Europäer, sondern gleichzeitig ihre größte Niederlage wäre.

Syrische Ärzte in Deutschland – Arbeiten verboten

In Deutschland werden dringend Ärzte gebraucht. Deshalb wird in der Flüchtlingskrise gern davon gesprochen, wie hilfreich es sei, wenn syrische Ärzte hier arbeiten. Doch dafür sind die bürokratischen Hürden hoch: Meist dauert es Jahre, bis das möglich ist. Wer aus Kriegsgebieten flieht, kann nicht zurück, um Beglaubigungen zu besorgen, die dokumentieren, dass sie Mediziner sind. Auch ist je nach Bundesland die Sprachprüfung mit höherem oder mittlerem Niveau gefordert - und manchmal müssen erfahrene Ärzte sogar monatelang Praktika absolvieren, ohne dafür bezahlt zu werden.

Frontal21 über gut ausgebildete Fachkräfte, die gerne arbeiten wollen, es aber nicht dürfen. Und Arztpraxen, die gerne ausländische Kollegen anstellen wollen, aber an bürokratischen Hürden scheitern.

Verlorene Generation - Flüchtlingskinder ohne Perspektive

Tausende Kinder und Jugendliche sind mit und auch ohne ihre Familien auf der Flucht vor den Bomben Assads und der Gewalt des IS. Manche harren seit Jahren in Flüchtlingscamps aus oder außerhalb - in den Städten und Dörfern der Nachbarländer, wie zum Beispiel Jordanien. In den verpassten Jahren ihrer Kindheit und Jugend verlieren sie oftmals die Lebensperspektive.
Ohne Ausbildung oder Arbeitserlaubnis sind sie auf Hilfsgelder der Vereinten Nationen, auf freiwillige Spenden angewiesen. Doch das Geld in den Gastländern reicht schon seit Jahren nicht aus, um Essen, Medikamente und Unterkünfte zu finanzieren. Ohne Integration besteht für sie und auch für die, die es bis nach Deutschland geschafft haben die Gefahr, dass sie sich auch in der neuen Heimat verloren fühlen. Hilfsorganisationen fürchten, sie könnten Versprechungen radikaler Gruppen folgen und sich selbst radikalen Ideen verschreiben.

Frontal21 besucht mit Entwicklungshelfern Flüchtlingscamps und Familien, die in den Gemeinden Unterschlupf suchen, und zeigt, welche Gefahren vor Ort und auch in Deutschland drohen, wenn es nicht gelingt, jungen Flüchtlingen eine Perspektive zu geben.

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