Angst vor dem Ausverkauf

Lebensversicherer wickeln Verträge ab

Politik | Frontal 21 - Angst vor dem Ausverkauf

Rund 88 Millionen Lebensversicherungen gibt es in Deutschland. Das sind mehr Verträge als Einwohner. Doch die Lieblingsaltersvorsorge der Deutschen steht gewaltig unter Druck.

Beitragslänge:
8 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.02.2019, 21:00

In den kommenden Jahren gehen die Babyboomer in Rente, gleichzeitig erwirtschaften die Versicherungen angesichts niedriger Zinsen auf dem Kapitalmarkt immer weniger.

Run-Off in der Lebensversicherung

Die neueste Masche: Viele Versicherer verabschieden sich von der klassischen Lebensversicherung und wickeln ihre alten Verträge in sogenannten Run-Off-Gesellschaften ab. Bisher betrifft das 1,8 Millionen Lebensversicherungsverträge. Käufer sind Unternehmen wie die Frankfurter Leben-Gruppe. Dahinter steht der chinesische Finanzinvestor und Milliardär Guo Guangchang.

Auch die Versicherungsverträge von Wolfgang Urbas, die er in den 90er Jahren beim ARAG Konzern abgeschlossen hat, sind jetzt bei der Frankfurter Leben-Gruppe. Neben dem Vertrauensverlust befürchtet der Rentner, dass er jetzt noch weniger Überschüsse rausbekommt, da ein Finanzinvestor noch mehr auf Gewinn aus sei. Die Frankfurter Leben-Gruppe teilt dazu schriftlich mit: "Eine Gewinnerzielungsabsicht ist aus unserer Sicht auch nichts Verwerfliches, sondern ganz normal in einer sozialen Marktwirtschaft. ... Der Rückgang der Überschussbeteiligung in der Vergangenheit ist auf die lang anhaltende Niedrigzinsphase an den Kapitalmärkten zurückzuführen."

Verbraucherschützer sehen Risiken

Wolfgang Weiler, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, betont: "Es werden überall Unternehmen ge- und verkauft." Das sei legal und legitim. Auch eine Run-Off-Plattform sei ein deutscher Lebensversicherer. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sieht dennoch Risiken: "Die neuen Gesellschaften haben kein Interesse, den Kunden neue Produkte anzubieten. Sie sollen nur noch die Verträge abwickeln." Da werde man diese Kunden sicherlich anders behandeln, als welche, mit denen man noch Geschäfte mache.

Politik | Frontal 21 - Was wird aus meiner Lebensversicherung?

Viele Versicherer verabschieden sich von der klassischen Lebensversicherung und wickeln ihre alten Verträge in sogenannten Run-Off-Gesellschaften ab. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg erklärt, was das für die Kunden bedeutet.

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Deutschlands oberster Versicherungsaufseher bei der BaFin, Frank Grund, nimmt die Run-Off-Gesellschaften in die Pflicht: "Wir erwarten von diesen Run-Off-Gesellschaften, dass sie ein nachhaltiges Geschäftskonzept haben. Wir genehmigen das Geschäft nur, wenn wir hinreichende Sicherheit unter unserer Aufsicht haben." Nach dem Verkauf habe die BaFin aber nur noch wenig Einfluss, befürchtet der Bundestagsabgeordnete Gerhard Schick (B‘90/Die Grünen): "Wenn ein neuer Eigentümer des Vertrags die maximale Rendite rausholen will, dann hat er da auf den heutigen gesetzlichen Grundlagen schon verschiedene Möglichkeiten." Er befürchte, dass die Finanzaufsicht auf Dauer nicht ausreichend Gegengewicht sei, um die Kundeninteressen zu schützen.

BaFin sieht Problem bei gesetzlich vorgegeben Rücklagen

Die BaFin sieht die deutsche Versicherungsbranche grundsätzlich gut aufgestellt. Als problematisch sieht der oberste Versicherungsaufseher Frank Grund die hohen  Rücklagen, die die Versicherungen bilden müssen: "Da muss man schon sagen, dass einzelne Unternehmen in den nächsten Jahren doch erhebliche Schwierigkeiten bekommen können, wenn die Regeln zur sogenannten Zinszusatzreserve nicht überarbeitet werden."

Die Zinszusatzreserve wurde 2011 für die Lebensversicherer als zusätzliche gesetzlich vorgegebene Rückstellung eingeführt. Inzwischen beläuft sich diese Reserve auf zirka 60 Milliarden Euro. Daher fordert Grund eine gesetzliche Änderung, damit weitere Einzahlungen in den kommenden Jahren die Versicherer nicht belasten.

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