Gepanschte Lebensmittel

Tödliche Gefahren für Verbraucher

Politik | Frontal 21 - Gepanschte Lebensmittel

Gefälschte Suppenwürfel, gepanschter Wein und alte Sardinen, die neu verpackt wurden: Bei der gemeinsamen Operation von Europol und Interpol gegen Lebensmittelfälschungen und -panscherei wurden Produkte im Wert von rund 230 Millionen Euro beschlagnahmt.

Beitragslänge:
7 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 09.05.2018, 21:00
Beschlagnahmte Sardinenbüchsen mit altem Fisch neu verpackt
Portugiesische Behörden fanden Panschereien mit Fisch. Quelle: Europol

Knapp 10.000 Tonnen und 26 Millionen Liter Lebensmittel haben Polizei, Zoll und Lebensmittelbehörden zwischen Dezember 2016 und März 2017 beschlagnahmt. Insgesamt wurde im Rahmen von „Opson VI“ in 61 Ländern kontrolliert, davon 21 EU-Mitgliedsstaaten. Mehr als 50.000 Kontrollen wurden in Gewerbegebieten, in Häfen und auf Märkten durchgeführt. Das geht aus Ermittlungsergebnissen hervor, die Frontal 21 exklusiv vorliegen.

Gesundheitsrisiko für Allergiker

In Deutschland lag der Schwerpunkt von „Opson VI“ auf Betrug mit Nüssen: Ermittler suchten nach undeklarierten Erdnüssen, Cashew-Nüssen sowie Mandeln in Haselnussprodukten aus der Türkei, Georgien und Italien. Sie entdeckten beispielsweise eine Ladung mit 1.300 Kilogramm angeblich gerösteten Haselnüssen. Doch der Lieferung waren billige Erdnüsse beigemischt. Da diese nicht deklariert waren, stellt eine solche Beimischung ein erhebliches Gesundheitsrisiko für Allergiker dar.

Champagner, Kaviar, Trüffel, aber auch Kaffee, Tee oder Mineralwasser – fast jedes verzehrbare Produkt könne gefälscht werden, erklärt Bérengère Dréno von Europol im Interview mit Frontal 21. Über das Internet ließen sich die Produkte dann einfach verkaufen. „So finanziert der Konsument das organisierte Verbrechen.“ Denn bei einer Vielzahl von gefälschten Produkten seien betrügerische Banden beteiligt. Hier müssten Polizei, Zoll und Lebensmittelsicherheitsbehörden besser zusammenarbeiten, so Bérengère Dréno. „Lebensmittelsicherheitsbehörden haben bei ihrer Arbeit nicht unbedingt das organisierte Verbrechen im Blick und auch der Zoll und die Polizei denkt bei organisierter Kriminalität nicht unbedingt an Lebensmittel.“

Lebensmittel-Fälschungen überall in Europa

Die „Opson VI“-Fahnder wurden überall in Europa fündig: Italienische Behörden konfiszierten fast 32.000 Flaschen gefälschtes Mineralwasser. In Dänemark stellten Behörden gleich bei mehreren Olivenöl-Sorten fest, dass billiges Lampantöl beigemischt war.

Die Ermittlungsergebnisse von Europol und Interpol wurden am Dienstag, 25. April 2017, der Öffentlichkeit vorgestellt.

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