Falscher Glanz

Hotelsterne in Deutschland

Politik | Frontal 21 - Falscher Glanz

Die meisten Deutschen kennen sie und orientieren sich bei ihren Buchungen daran - Hotelsterne. Doch die lügen häufig hierzulande, halten nicht, was die jeweiligen Kategorien versprechen.

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7 min
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Video verfügbar bis 19.07.2017, 19:26

Die meisten Deutschen kennen sie und orientieren sich bei ihren Buchungen an den Hotelsternen. Doch die lügen häufig hierzulande, halten nicht, was die jeweiligen Kategorien von einem bis zu fünf Sternen versprechen. Oder es wird mit Klassifizierungen geworben, die es offiziell gar nicht gibt.

In Deutschland gibt es mehr als 20.000 Hotels – viel Auswahl für deutsche Reisende, die immer häufiger ihren Urlaub im eigenen Land verbringen. Wie also die richtige Wahl treffen? Eine Orientierungshilfe soll die Hotelklassifizierung des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) sein. Der Interessenverband des Gastgewerbes vergibt hierzulande die einzig gültigen Hotelsterne - für jeweils drei Jahre. Sie versprechen dem Gast von einem bis zu fünf Sternen einfache bis hin zu Luxus-Unterkünften.

"Echte" oder "falsche" Sterne

Doch es gibt Hotels, die sich ganz offensichtlich die bis zu 2.000 Euro für die Klassifizierung sparen wollen und mit Sternen werben, die sie tatsächlich überhaupt nicht haben. Das ist für die Gäste irreführend und deshalb rechtlich verboten. Doch über dieses Verbot setzen sich viele Hotelbetreiber hinweg, wie der Tourismuswissenschaftler und Hotelexperte Martin Linne weiß: "Das kommt sehr häufig vor! Und ich glaube, dass man relativ schnell auf schwarze Schafe bei der ganzen Geschichte stoßen kann." Das Problem: Ob es sich um "falsche" oder "echte" Sterne handelt, ist für die Gäste meist nicht ersichtlich. Eine Möglichkeit ist die Überprüfung des fraglichen Hotels auf der DEHOGA-Internetseite. Bei einer Stichprobe im Internet fallen schnell "Sternesünder" auf. Darunter ist ein Berliner Hotel, das sich einfach drei Sterne selbst verliehen hat, ohne die damit verbundenen Standards auch nur im Geringsten einzuhalten. Im Gegenteil: Es erfüllt nicht einmal ein Mindestkriterium für jedwede Sternekategorie, Sauberkeit im Hotelzimmer, und hätte also keinen einzigen Stern offiziell verdient. Trotzdem prangen auf der Internetseite des Hotels und am Hotel selbst drei Sterne. Ein anderes Hotel, das wir besuchen, wirbt mit vier Sternen. Am Eingang entdecken wir die DEHOGA-Plakette. Doch die ist seit 2012 abgelaufen.

Mangelnde Kontrolle

Aber wie können diese "Sternesünder" vom DEHOGA unbemerkt agieren? "Ein systematisches Durchflöhen des Internets, ob irgendwo Sterne mit Hotels in Verbindung stehen und prüfen, ob diese offiziell klassifiziert wurden, ist einfach schlichtweg von der Ausgangstellung unmöglich“, sagt Markus Luthe, beim DEHOGA-Bundesverband verantwortlich für die Sterneklassifizierung. Eine systematische Kontrolle durch den DEHOGA findet demnach nicht statt. Für Linne ist dieser "lasche" und "inkonsequente" Umgang mit dem Sternesystem , wie er es nennt, unhaltbar: "Das dürfte sich der DEHOGA eigentlich nicht gefallen lassen, dass sein eigenes System auf diese Art und Weise missbraucht und verwässert wird. Eigentlich müsste der DEHOGA sein System regelmäßig kontrollieren."
Und das gelte auch für tatsächlich klassifizierte Hotels mit gültigen Sternen, über die es ebenfalls immer wieder auch Gästebeschwerden gebe. So übernachtete Thomas Möller in einem angeblichen Luxus-Zimmer eines Fünf-Sterne-Superior-Hotels – die höchste Kategorie die vom DEHOGA in Deutschland vergeben wird. Doch das Hotel und sein Zimmer seien ungepflegt und abgenutzt gewesen, beispielsweise mit unverschlossenen Bohrlöchern und Flecken an der Wand oder verschlissenen Handtüchern. Der enttäuschte Hotelgast fragt sich: "Wie kann es in einem Fünf-Sterne-Superior-Hotel sein, dass es überhaupt solche Zimmer gibt?“

Prüfung nach Quantität statt Qualität

Für unseren Experten ist klar: Das liegt am Prüfsystem des DEHOGA. Vor der Klassifizierung füllen die Betriebe einen Erhebungsbogen aus, anhand dessen bereits eine erste Einstufung vorgenommen wird. Prüfer vor Ort sollen sich dann von der Richtigkeit der Angaben überzeugen. Wie Brancheninsider berichten, geschehe dies aber nur stichprobenartig. Das heißt, die Prüfer schauen sich nur einen Bruchteil aller Zimmer an. Zudem werde bei der Besichtigung lediglich ein Kriterienkatalog abgehakt, der sich hauptsächlich am Umfang der Zimmereinrichtung orientiert, beispielsweise an der Größe der Betten. Und viele der Kriterien seien viel zu schwammig formuliert: „Es geht um Quantität, sozusagen wie viel an Einrichtungsgegenständen und anderen Hotelleistungen man in der einen oder anderen Sternekategorie bekommt", weiß Hotelexperte Linne. Qualität spiele eigentlich keine Rolle."Das heißt, ob die jeweiligen Hotelleistungen gut sind oder schlecht, sagen diese Kriterien meist nicht aus.“

Ein weiterer Fehler im System sei die damit verbundene fehlende Vergleichbarkeit innerhalb der Sternekategorien: "Ich kann beispielsweise bei vier Sternen ein supertolles, neues Designhotel bekommen, mit den schicksten, neuesten Möbeln. Ich kann aber auch ein Haus bekommen, das den Charme von vor 30 Jahren widerspiegelt.“

Hotelbewertungen von Gästen als Orientierung

Damit man bei der Buchung zumindest nicht auf sogenannte Sternelügner hereinfällt, kann man das Hotel auf der DEHOGA-Internetseite dahingehend überprüfen, ob es "echte" Sterne hat – wenn man denn auf die tatsächlich noch wert legt. Doch Linne empfiehlt, sich lieber Hotelbewertungen von Gästen im Internet anzusehen, um sich ein realistisches Bild von einem Hotel zu machen. Je mehr und je aktuellere Bewertungen es gebe, umso verlässlicher seien diese, sagt der Fachmann: "Und dann gilt, dass man nur die Hotels buchen sollte, die von der jeweiligen Gesamtbewertung aller Gäste zu den Besten gehören.“

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