Baden-Württemberg

Im Ländle können sie alles - außer Hochdeutsch

Das "Ländle" - so nennen die Baden-Württemberger gerne ihr Bundesland. Sich selbst bezeichnen sie selten als "Baden-Württemberger", sondern, je nach Herkunft, als Badener oder Württemberger, Oberschwaben oder Kurpfälzer. Das Bindestrich-Land entstand erst 1952 aus den damaligen Ländern Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Südbaden nach einer Volksabstimmung - vor dem Zusammenschluss hatten vor allem die Südbadener leidenschaftlich für ihre Eigenständigkeit gestritten.

Baden Württemberg

Land der Erfinder


Mehr als ein halbes Jahrhundert danach hat sich jedoch durchaus eine baden-württembergische Identität entwickelt, abzulesen unter anderem an der selbstbewussten Imagekampagne des Landes unter dem Motto: "Wir können alles. Außer Hochdeutsch."
Als fleißig, erfindungsreich, dabei aber durch und durch bodenständig gelten die Menschen im Südwesten Deutschlands. "Schaffe, schaffe, Häusle baue" - dieses schwäbische Sprichwort bringt es auf den Punkt. Zwar ist der Eigenheim-Anteil baden-württembergischer Wohnungen deutschlandweit gesehen eher durchschnittlich, dafür werden tatsächlich nirgendwo in Deutschland so viele Patente angemeldet wie im "Ländle". Manches wird gleich zweimal erfunden: das Automobil zum Beispiel kurz nacheinander einmal von Gottlieb Daimler in Mannheim, einmal von Karl Benz in Cannstadt. Bis heute streitet man sich, wer die Nummer eins war.

Konstanz Bodensee Quelle: ZDF


Dass Baden-Württemberg seit Jahren eine unterdurchschnittliche Arbeitslosenquote aufweist (2006: vier Prozent), hat aber nicht nur mit dem sprichwörtlichen Fleiß seiner Bewohner zu tun. Problembranchen wie Kohle, Stahl oder Schiffbau fehlen - dafür hält sich das Land seine mittelständische Wirtschaftsstruktur zugute. Dazu kommt der hohe Freizeitwert von Regionen wie Schwarzwald, Allgäu oder Bodensee, der Baden-Württemberg zu einem beliebten Einwanderungsland werden ließ - für Berliner, Thüringer oder Niedersachsen. Und: nur in Nordrhein-Westfalen leben mehr Ausländer als in Baden-Württemberg.

Kuckucksuhren und Käsespätzle

UNESCO lehnt Antrag von Heidelberg ab Quelle: ap


Von Heidelberg bis zum Bodensee - Baden-Württemberg wartet mit einer ganzen Reihe touristischer Highlights auf. Der Schwarzwald, die elegante Kurstadt Baden-Baden, der sonnenverwöhnte Kaiserstuhl - der Südwesten gehört zum Pflichtprogramm in- und ausländischer Reiseveranstalter. Ob am Heidelberger Schloss hoch über dem Neckar, in den Souvenirläden am Titisee, wo Schwarzwälder Kuckucksuhren feilgeboten werden, oder auf der Promenade des idyllischen Meersburg am Bodensee - spätestens ab Ostern wimmelt es hier von Touristen aus aller Herren Länder.

Dort kann man sich Käsespätzle oder Maultaschen schmecken lassen, dazu vielleicht einen Badener Wein aus dem Breisgau oder ein frisches Bier der zahlreichen lokalen Brauereien. Doch auch wer's edler mag, kommt in Baden-Württemberg auf seine Kosten: Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Sterne-Restaurants wie im Südwesten. Beeinflusst von den französischen Nachbarn zaubern zum Beispiel allein im Schwarzwaldort Baiersbronn drei Spitzenköche kulinarische Hochgenüsse auf den Teller.

Steiniger Weg zum Südweststaat


Immer mehr Touristen zieht es auch in die Landeshauptstadt Stuttgart, mit knapp 600.000 Einwohnern die größte Stadt Baden-Württembergs. Stuttgart gilt als eine der bedeutendsten Wirtschaftsmetropolen Deutschlands, ist der Standort von zwei weltweit bekannten Auto-Marken: DaimlerChrysler und Porsche. Zurzeit entsteht vor den Toren der Stadt ein hochmodernes Messezentrum. 1953 war Stuttgart zur Landeshauptstadt erhoben worden, ein Jahr nach der Gründung Baden-Württembergs.
Nach dem Saarland ist Baden-Württemberg das jüngste deutsche Bundesland. Mehr als vier Jahre lang, von 1948 bis 1952, hatten sich die Diskussionen um eine Neugliederung Südwestdeutschlands hingezogen. Nach 1945 war das Gebiet willkürlich dreigeteilt worden.

Offizielle Gründung 1952


Die Grenze zwischen amerikanischer und französischer Besatzungszone verlief mitten durch Baden und Württemberg entlang der Autobahn Karlsruhe - Stuttgart - Ulm. Nördlich davon - Württemberg-Baden - war amerikanisch besetztes Gebiet, den südlichen Bereich - wiederum zweigeteilt in Südbaden und Württemberg-Hohenzollern - verwalteten die Franzosen. Diese drei Länder wurden 1949 Teil der Bundesrepublik Deutschland.
Im Grundgesetz waren die drei Länder dazu angehalten worden, eine Vereinbarung zur Neugliederung ihrer Gebiete zu treffen. Zwar wollten Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern mit Südbaden ein Gesamtland bilden, die Südbadener aber lehnten das kategorisch ab. Nach langwierigen und zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf eine Volksabstimmung - sie fand im Dezember 1951 statt.

In drei von vier Abstimmungsbezirken gab es eine Mehrheit für einen Zusammenschluss der drei Länder, am 25. April 1952 wurde Baden-Württemberg offiziell gegründet. 1956 verfügte das Bundesverfassungsgericht eine Neuauflage der Volksabstimmung im Landesteil Baden, da dessen ablehnendes Votum nicht hinreichend berücksichtigt worden sei. Doch bei der im Juni 1970 tatsächlich durchgeführten Abstimmung in Baden votierten fast 82 Prozent für "ihr" Bundesland Baden-Württemberg.

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