Bayern

Laptop und Lederhose im Freistaat

Schöne Landschaften, stolze Menschen, hohe Wirtschaftskraft - die Bayern pflegen ihr Image als ganz besonderer Teil Deutschlands. "Laptop und Lederhose" - unter diesem Schlagwort verweisen sie auf die Verbindung lebendiger Tradition mit fortschrittlicher Hochtechnologie. Mit gesundem Selbstbewusstsein knüpfen die Bayern an 1000 Jahre Eigenstaatlichkeit an: Sie sind nicht nur Bundesland, sondern "Freistaat", und haben mit der CSU ihre eigene Partei.

Bayern
Bayern


Im Ausland gilt Bayern oft als der Inbegriff Deutschlands: Oktoberfest, Neuschwanstein, Dirndl und Lederhosen - das touristische Bayern prägt das Bild ganz Deutschlands in der Welt. Und touristisch hat der Freistaat viel zu bieten: Die Alpen für Wintersportler, Wanderer oder auch Gleitschirmflieger; mit Königsee, Chiemsee, Starnberger oder Tegernsee einige der schönsten Seen Deutschlands; von Neuschwanstein über die Nürnberger Burg bis zum Bamberger Dom auch historisch-architektonische Höhepunkte; und natürlich die Landeshauptstadt München, seit den Olympischen Spielen 1972 bekannt als "Weltstadt mit Herz".

Weißbier und Weißwurst

Abgerundet wird das Bild durch die bayerische Gastfreundschaft, die sich im freundlich-liebevollen "Grüß Gott!" ebenso niederschlägt wie im reichhaltigen Gastronomie-Angebot: Weißbier und Weißwurst, Sauerkraut, Nürnberger Würstl und Apfelstrudel - die bayerische Speiseliste hat sich zu einem Synonym für kulinarische Lebensfreude entwickelt.


Bayerische Gemütlichkeit ist nur die eine Seite des Landes. Sportlicher Ehrgeiz ist die andere. So ist der deutsche Rekordmeister "FC Bayern München" im Fußball mit einem zweiten oder dritten Platz nicht zufrieden. Ebenso Dauermeister sind Bayerns Wintersportler wie Martina Ertl, Anni Friesinger, Rosi Mittermaier, Georg Hackl oder Markus Wasmeier.

Ehrgeizig in Sport und Politik

Die "Nummer 1" streben die Bayern auch in Politik und Wirtschaft an. Ob Arbeitslosigkeit, Pro-Kopf-Verschuldung oder Wirtschaftswachstum - der "Freistaat" weist im innerdeutschen Vergleich seit Jahren vorbildliche Statistiken vor. Grund ist, dass Deutschlands größter Flächenstaat seit den 70er Jahren einen tiefgreifenden Strukturwandel geschafft hat - vom Agrarstaat zum Standort erfolgreicher Industrie, Hochtechnologie und Medien. Acht der dreißig DAX-Unternehmen wie etwa BMW oder Siemens sind in der bayerischen Landeshauptstadt zuhause - da kann keine andere deutsche Metropole mithalten. Auch die deutsche Microsoft-Zentrale und die deutsche Zentrale des Airbus- und Rüstungskonzerns EADS residieren in München.


Somit entwickelte sich der Freistaat vom bäurischen "Armenhaus", das am Tropf des bundesdeutschen Länderfinanzausgleichs hing, zum reichen Geberland. Mit der Folge, dass die bayerischen Landsväter den Finanzausgleich neuerdings in Frage stellen, weil er den Ehrgeiz der Empfängerländer zu wenig anstachele.

Bayern, Franken und Schwaben

Freilich - nicht jeder Bayer ist wirklich "Bayer", genauer: "Altbayer". Abgesehen von den "Zugezogenen", die vor allem München sein weltstädtisches Flair verleihen, leben im Freistaat drei große "Stämme", neben den "Altbayern" (Ober- und Niederbayern, Oberpfalz) die Schwaben und die Franken.


Die Franken pochen gern auf ihre landsmannschaftliche Eigenständigkeit und fühlen sich oft von den Altbayern unterdrückt. Alle drei Bevölkerungsgruppen pflegen ihre Dialekte (bairisch, alemannisch, fränkisch), hochdeutsch gilt gerade auf dem Land als Erkennungszeichen von Zugezogenen - oder von Vertriebenen, von denen nach 1945 zwei Millionen einwanderten.

Freistaat Bayern

Am 8. November 1918 wurde im Königreich Bayern der "Freistaat" ausgerufen - was tatsächlich nichts anderes bedeutet als "Republik". Der Beiklang besonderer Unabhängigkeit ließ nach dem Zusammenbruch der DDR auch Sachsen und Thüringen dem bayerischen Beispiel folgend sich "Freistaat" nennen.

Nach NS-Zeit und Zweitem Weltkrieg wurde der Freistaat Bayern 1946 neu gegründet und 1949 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland. Von Anfang an beanspruchte Bayern seine Sonderrolle: Im Parlamentarischen Rat waren die bayerischen Delegierten die einzigen, die gegen das Grundgesetz stimmten. Und während sich im übrigen Deutschland die konservativen und christlichen Gruppierungen zur CDU zusammenschlossen - dies sogar in der DDR! - , behielten die Bayern mit der CSU ihre eigene Partei, die mit der CDU lediglich im Bundestag eine Fraktionsgemeinschaft bildet.

Lokale Aufmüpfigkeit

Der Eindruck, die seit 1962 mit absoluter Mehrheit regierende CSU sei in Bayern unangefochten wie eine "Staatspartei", täuscht jedoch: Vor Ort in den Städten und Gemeinden sind örtliche Wählergemeinschaften sehr stark. Bei den Direktwahlen der Bürgermeister und Oberbürgermeister sind unabhängige Kandidaten oft erfolgreich.

Zudem greifen die Bayern über Bürgerentscheide, Volksbegehren und Volksentscheide direkt in die Politik ein. Von dieser lokalen "Aufmüpfigkeit" gegen die mächtige CSU können SPD, Grüne und FDP allerdings nur wenig profitieren: Denn bei Landtags- und Bundestagswahlen machen die Bayern ihr Kreuz mehrheitlich dann doch wieder bei der CSU.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Abo beendet

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.