Berlin

Eine Hauptstadt, die niemals schläft

Das Brandenburger Tor, der Reichstag, der Dom - Berlin strotzt vor Monumenten aus der deutschen Geschichte. Aber auch: Potsdamer Platz, Bundeskanzleramt, Hauptbahnhof - seit der Wende drücken internationale Star-Architekten der deutschen Hauptstadt ihren Stempel auf. Dazwischen flächendeckendes Verkehrschaos, weitläufige Grünanlagen und in den Wohnvierteln geradezu dörfliche Strukturen. Berlin gilt zu Recht als eine der spannungsreichsten Städte der Welt: eine pulsierende Kulturmetropole, ein politisches Zentrum, eine Stadt, die - mangels Sperrstunde - tatsächlich niemals schläft.

Berlin


Viele lieben Berlin, viele hassen es - gleichgültig lässt die größte deutsche Stadt nur wenige. Seit 1871, als Berlin Hauptstadt des Deutsches Reiches wurde, ist seine Geschichte mit der Deutschlands eng verbunden. Hier residierten die preußischen Könige als Deutsche Kaiser. Von hier aus schmiedete Bismarck seine Bündnisse, befehdete SPD und katholische Kirche. Wilhelm II. rief hier 1914 zu den Waffen und eröffnete den Ersten Weltkrieg, an dessen Ende - natürlich hier! - Philipp Scheidemann die Republik ausrief.

Hansestadt, dann Hauptstadt

Hitler plante hier den Zweiten Weltkrieg, beschloss hier den Massenmord an Europas Juden. Aus Berlin sollte "Welthauptstadt Germania" werden - es wurde ein Trümmerfeld und eine besetzte, geteilte Stadt, wie das Land durchschnitten von einer Mauer. Seit der Wiedervereinigung blüht Berlin auf, nimmt seine Rolle als kulturelles und politisches Zenturm in Europas Mitte wieder ein.
Entstanden ist die Stadt aus den Dörfern Cölln (1237 erstmals urkundlich erwähnt) und Berlin (1244 erwähnt), beide auf Inseln in der Spree gelegen, weshalb der Name "Berlin" auf das slawische Wort "berl" (Sumpf) zurückgeführt wird. Berlin wuchs zur freien Hansestadt heran. Ab 1415 regierten die Hohenzollern hier, schmiedeten aus ihrer Mark Brandenburg das Königreich Preußen und schließlich das Deutsche Reich, mit Berlin als Hauptstadt.

Metropole des Multikulti

Reichstag in Berlin Quelle: ap


Die erste Blütezeit unter dem "Großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm (ab 1640) verdankte Berlin vor allem religiöser Toleranz: Der Kurfürst lockte französische Hugenotten, daheim religiös verfolgt, an; auch Polen, Böhmen und Österreicher kamen ins tolerante Preußen, sorgten für Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum in Preußen und Berlin. Später waren es Polen, Südeuropäer, Vietnamesen und jüngst Türken, die einwanderten. Die Einwohnerzahl stieg von 6000 (1648) auf 60.000 (um 1700), überschritt im 19. Jahrhundert die Millionengrenze - Berlin löste Hamburg damals als größte deutsche Stadt ab und wuchs durch zahlreiche Eingemeindungen in seinen "goldenen" 1920er Jahren auf mehr als vier Millionen Menschen. Eine Zahl, die heute mit 3,4 Millionen nicht wieder erreicht ist.Noch mehr als andere deutsche Großstädte versprüht Berlin auch weltbürgerlichen Charme. Fast alle Nationen und Religionen sind unter den Einwohnern vertreten: Außer den Kirchen vieler christlicher Konfessionen gibt es buddhistische Tempel, natürlich viele Moscheen und auch wieder elf jüdische Synagogen, darunter die prächtige große Synagoge an der Oranienburger Straße mit ihrer stadtbildprägenden goldenen Kuppel. Nach den evangelischen Christen (22 Prozent) und Katholiken (neun Prozent) stelle die Muslime mit rund sechs Prozent die größte Gruppe - zu verdanken vor allem den rund 200.000 Türken, die Berlin zur größten "türkischen Stadt" nach Istanbul machen.

Für weitere Vielfalt sorgen die vielen unterschiedlichen sozialen Gruppen, die in Berlin miteinander leben: Weite Teile des Ostens sind noch von einer gewissen DDR-Nostalgie geprägt, wohnten doch viele Funktionäre von SED und Ministerialverwaltungen in der ostdeutschen Hauptstadt. Im Westen versprühen viele Viertel noch eine grün-alternative Aura, die das damalige West-Berlin anlockte, etwa weil hier damals keine Wehrpflicht galt. Während vor dem Mauerfall im Westen eine Überalterung drohte, sind es nun vor allem junge Leute, die nach Berlin ziehen - wegen neu entstehender Jobs, aber auch wegen der brodelnden Kulturszene. Ausserdem erreicht allein die Zahl der Studierenden in Berlin die Größe einer Großstadt: rund 130.000.

Museen, Opern, Universitäten

Café in Berlin Quelle: ap

Kultureinrichtungen gibt es in Berlin eigentlich nur im Plural: Drei Opernhäuser (Staatsoper, Deutsche Oper, Komische Oper), viele kleine und große Theater (Theater des Westens, Berliner Ensemble, Volksbühne, Schaubühne, Deutsches Theater, GRIPS-Theater ...), mehrere Orchester (Philharmoniker, Staatskapelle, Konzerthausorchester und andere), zahlreiche Museen (Pergamonmuseum, Bodemuseum, Deutsches Historisches Museum, Stasi-Museum und viele weitere) und vier Universitäten (Humboldt-Universität, Freie Universität, Technische Universität, Universität der Künste), hinzu kommen kleinere private Universitäten, Fachhochschulen, Kunsthochschulen sowie die Charité-Universitätsmedizin, die zu den größen Uni-Kliniken Europas gehört.

Die 40-jährige Teilung der Stadt hat zur Verdoppelung auch anderer Einrichtungen geführt: Zusätzlich zum Zoologischen Garten im westlichen Charlottenburg - ältester deutscher Zoo - gründete die DDR 1954 den Tierpark. Auch seine drei Flughäfen verdankt die Stadt der Teilung: Der Flughafen Tempelhof, der 1923 als erster Verkehrsflughafen der Welt eingeweiht wurde, war nach 1945 amerikanischer Militärflughafen - mit der Folge, dass sowohl West-Berlin einen neuen Airport brauchte (Tegel) als auch Ostberlin (Schönefeld). Bis 2011 soll Schönefeld zum "Hauptstadt-Airport BBI" ausgebaut werden, Tegel und Tempelhof will man dann schließen.

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