Niedersachsen

Nordseeküste, Märchenstädte und Transrapid

Niedersachsen verbindet Gegensätze: Das "platte Land" an der Küste und die Berggipfel des Harzes, die weite Nordsee und die saftigen Wiesen im Oldenburger Land, einsame Heidelandschaften und den Ballungsraum Hannover, hochmoderne Errungenschaften wie die Magnetschwebebahn Transrapid und historische Stätten - Niedersachsen ist so vielfältig wie seine Bewohner, die mit ihrem rauen Charme und plattdeutschen Zungenschlag dem Land seinen besonderen Reiz verleihen.

Niedersachsen

Region mit Geschichte und Geschichten

Breite weiße Strände, Ebbe und Flut, Dünen, frische Luft und viel Sonnenschein - für Wanderer, Radfahrer und Naturfreunde ist das "platte Land" hinterm Deich ein Paradies. Die Nordsee mit den sieben ostfriesischen Inseln, das Watt und der Deich ziehen jährlich Millionen Besucher an. Niedersachsen hat aber noch mehr zu bieten. Da ist Ostfriesland, das Land hinter dem Deich, das länger als jede andere Region in Niedersachsen selbstständig war. Ein Seefahrerland - der Seeräuber Störtebecker versteckte sich hier - mit holländisch wirkenden Städten und dem höchsten Teeverbrauch der Bundesrepublik.
Das Weserbergland ist Märchen- und Geschichtenland: Der Rattenfänger von Hameln, Doktor Eisenbarth, Till Eulenspiegel oder der Lügenbaron von Münchhausen haben hier ihr Zuhause, die deutsche Märchenstraße führt durch weite Teile Niedersachsens. In der Lüneburger Heide liegen bundesweit die meisten Freizeit-, Erlebnis- und Tierparks beieinander.


Der Harz lässt die Herzen der Wander- und Kletterfreunde höher schlagen, hier liegen auch die alte Kaiserstadt Goslar und das Bergwerk Rammelsberg, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen. Im Alten Land hinter dem Deich blühen im Frühling unzählige Apfelbäume, es ist das nördlichste Obstanbaugebiet der Welt. In der Grafschaft Bentheim an der niederländischen Grenze herrscht holländisches Flair, mit Wind- und Wassermühlen, Wiesen und Feldern.

Krieg und Frieden

Das Land hat Geschichte geschrieben: Im Rathaus von Osnabrück wurde 1648 - zeitgleich mit ebensolchen Verhandlungen im westfälischen Münster - der Dreißigjährige Krieg beendet, im Teutoburger Wald vernichteten die Germanen 9 n. Chr. die römischen Legionen unter Varus, in Braunschweig wirkte Heinrich der Löwe. Noch heute zeugen historische Fachwerkstädte wie Hildesheim oder Celle von der reichen Vergangenheit.

Auch kulinarisch kommt der Besucher auf seine Kosten: Spezialitäten sind natürlich frische Krabben und Fisch direkt vom Kutter, aus der Lüneburger Heide kommt der Heidschnuckenbraten, aus Oldenburg Grünkohl mit Pinkel, einer speziellen Wurstsorte. Aber auch "Snirtjebraten" aus frischem Schweinefleisch oder "Sinbontjesopp" aus Rosinen, Kluntjes (Kandis), Branntwein und Rum als Nachspeise. Aus Niedersachsen nicht wegzudenken ist der Tee, der aber nur echt ist, wenn er mit Kluntjes (Kandiszucker) und Sahne getrunken wird.

Strukturwandel geschafft

Der Tourismus ist ein zuverlässiger Wirtschaftszweig in Niedersachsen. In anderen Bereichen hinkte Niedersachsen dem Bundesdurchschnitt lange hinterher. Mit seiner großen, ländlich geprägten Fläche zählte das Land lange zu den strukturschwachen Regionen der Bundesrepublik, die Arbeitslosenquote lag jahrelang konstant über dem Bundesdurchschnitt.

Wirtschaftsstandort im Norden

Auch heute noch gibt es eine Reihe strukturschwacher Räume wie das Emsland, das Oldenburger Land oder Teile der Küstenregion. Aber Niedersachsen hat zahlreiche Projekte angeschoben, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Mit dem Containerhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven entsteht bis 2010 ein Tiefwasserhafen, der als einziger deutscher Seehafen auch von den größten Containerschiffen künftiger Generationen angelaufen werden kann.
Heute ballt sich die Wirtschaftskraft nördlich des Harzes mit Hildesheim, Salzgitter, Hannover, Braunschweig, Wolfsburg. Die Volkswagen AG als größter Autoproduzent Europas hat hier ihren Sitz. Das Unternehmen Airbus hat drei Standorte in Niedersachsen. Die Hannover Messe und die Computermesse CeBIT haben den Raum Hannover zu einem wichtigen Messeplatz gemacht.

Das größte Erdgasvorkommen Deutschlands, die Stahlindustrie in Peine und Salzgitter, die Meyer-Werft, die nicht nur Containerschiffe und Fähren, sondern auch Luxuskreuzfahrer baut, tragen ihren Teil zum guten Ruf als Wirtschaftsstandort bei.

Sturmfest und erdverwachsen

VW Produktion in Wolfsburg Quelle: dpa

"Sturmfest und erdverwachsen" - so bezeichnen sich die Niedersachsen in ihrer Landeshymne, dem Niedersachsenlied. Die Niedersachsen pflegen ihr Image als Menschen, die quer denken und geradeheraus reden. Und die ihre Eigenheiten bewahren. Die Bewohner Ostfrieslands, die sich uneingeschränkt als Friesen, nicht als Niedersachsen bezeichnen, sind nur ein Beispiel dafür. Sie erhielten sich über Jahrhunderte ihre Eigenständigkeit. In der Gemeinde Saterland wird heute noch friesisch gesprochen. Diese Mundart entstand schon im Mittelalter und gilt deshalb bei Sprachwissenschaftlern als eigene Sprache.

Wilhelm Busch und Robert Koch

Auch wenn der Raum Hannover als Hort der hochdeutschen Sprache gilt, spricht man ansonsten im Land gerne plattdeutsch: Man ist stolz auf seine regionale Zugehörigkeit. Trachtengruppen hegen und pflegen ihr Brauchtum, traditionelle Bräuche wie das "Boßeln" sind auch heute noch friesischer Volksport, der Ähnlichkeiten mit Kegeln oder Bowling aufweist und bei dem die übliche Sportbekleidung bis in die 60er Jahre lange Unterhosen und Wollsocken waren.
Die Niedersachsen sind stolz auf ihr Land und auf die Menschen, die es hervorgebracht hat. Erich Maria Remarque wurde hier geboren, Wilhelm Busch zeichnete nicht nur Bildergeschichten, er malte auch Landschaftsbilder. Auch bekannte Denker und Erfinder stammen aus Niedersachsen: den Philosoph Karl Jaspers, Robert Koch, Carl Friedrich Gauß, der den Telegrafen erfand, oder Werner von Siemens, der die Stromerzeugung per Dynamo erdachte.

Aber nicht alle Menschen in Niedersachsen sind waschechte "Fischköppe" - nach dem zweiten Weltkrieg war das Land eines der Hauptansiedlungsgebiete für Heimatvertriebene aus Schlesien, Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland. Und auch heute gibt es natürlich immer wieder Zuzügler, die das Leben im hohen Norden anderen Regionen vorziehen.

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