Rheinland-Pfalz

Rhein, Riesling und die Römer

Es sind nicht gerade die vielen Industriestandorte, die für Rheinland-Pfalz stehen. Traditionell ländlich geprägt, ist das Bundesland im Südwesten vor allem für seinen Wein und das weltberühmte Mittelrheintal bekannt - Loreley inklusive. Und überall begegnet man Zeugnissen längst vergangener Zeiten. Burgen aus dem Mittelalter und Relikte der Römer, ja sogar die ältesten Städte Deutschlands finden sich in Rheinland-Pfalz.

Rheinland-Pfalz


Eine Fahrt auf dem Rhein ist für Rheinland-Pfalz-Besucher ein absolutes Muss. Nirgends sonst schlängelt sich der mit 1320 Kilometer längste Fluss Deutschlands so romantisch durch sein Tal wie hier. Weinhänge zu beiden Seiten, Burgen und Schlösser, malerische Städte und gemütliche Weinorte - zwischen Bingen und Koblenz ist es so schön, dass die UNESCO der Gegend 2003 ihren Welterbe-Titel verlieh. Ob sie sich bei der Entscheidung von der Loreley beeinflussen ließ, die hoch oben auf ihrem Felsen bei St. Goarshausen mit all ihrer weiblichen Verführungskunst schon im Mittelalter die Schiffer um Verstand und Manövrierfähigkeit gebracht hatte?

Deutsches Eck und Edelsteine

Zwei berühmte Ecken hat der Rhein außerdem noch: Das deutsche Eck bei Koblenz, wo die Mosel in den Rhein fließt, und das Mainspitz-Dreieck bei Mainz, an dem der Main in den Rhein mündet. Aber nicht nur zu Wasser ist Rheinland-Pfalz eine Reise wert. Zu Fuß ebenfalls - zum Beispiel bei Wanderungen auf den Donnersberg im Pfälzer Wald.

Oder in den Mittelgebirgen Eifel, Westerwald oder Hunsrück, wo man in Idar-Oberstein - dem neben Amsterdam europaweit bedeutendsten Zentrum der Diamant- und Edelstein-Industrie - einen Stopp einlegen könnte. Oder bei gemütlichen Spaziergängen in den unzähligen Weinbergen des Landes. Und wer eher die Mischform bevorzugt: bei einer Weinwanderung sorgen die Verkostungen zwischendurch mit Sicherheit für einen beschwingten Gang.

Weinland Nummer eins

Kein Bundesland hat mehr Weinberge als Rheinland-Pfalz. Die Winzer in den sechs Anbaugebieten Rheinhessen, Pfalz, Mosel-Saar-Ruwer, Mittelrhein und Ahr fahren hier mehr als zwei Drittel der gesamten Lese ein. Der Deutschen liebste Trauben: Riesling und Dornfelder, seit Jahren ungeschlagen, auch wenn neuerdings mehr und mehr Exoten wie Chardonnay oder St. Laurent hinzukommen. Kein Wunder, dass sich auch bekannte Sektkellereien im Lande finden: Kupferberg und Goldhand in Mainz, Deinhard in Koblenz und Faber in Trier. 12.000 Betriebe produzieren Millionen von Litern - und exportieren ihren Wein und Sekt in die ganze Welt.

Die größten Weinbaugebiete Deutschlands sind also mitverantwortlich dafür, dass Rheinland-Pfalz mit einer Exportquote von 46 Prozent unter den deutschen Bundesländern "spitze" ist. Die hohe Exportquote ist auf den ersten Blick erstaunlich, gibt es hier doch vergleichsweise wenig große Arbeitgeber: BASF in Ludwigshafen, Böhringer Ingelheim, Opel in Kaiserslautern, das Daimler-Chrysler-LKW-Werk in Wörth und die Getränke-Konzerne Bitburger und Gerolsteiner. Wichtiger für die Wirtschaft sind kleine und mittlere Handwerks- und Industriebetriebe. Der Mittelstand ist ganz klar wichtigster Arbeitgeber im Land.

Fluhäfen Ramstein und Hahn

Seine Bedeutung ist noch gewachsen, seit die amerikanischen Streitkräfte nach Ende des Kalten Krieges den größten Teil ihrer Truppen abzogen. Knapp 70.000 Soldaten waren im Land stationiert - klar, dass viele Arbeitsplätze von ihnen abhingen. Bis letztes Jahr schrumpfte die Zahl der Soldaten auf 27.200.


Auch heute noch bedeutend: die Air Base Ramstein, der größte NATO-Flughafen in Europa und Drehscheibe für Fracht- und Truppentransporte. Im nahe gelegenen Landstuhl ist das größte US-amerikanische Krankenhaus außerhalb der USA. In den Mittelpunkt öffentlichen Interesses rückte die Air Base Ramstein am 28. August 1988. Bei einer Flugschau krachten mehrere Jets zusammen, einer stürzte in die Menschenmenge - 70 Tote und hunderte Verletzte lautete die tragische Bilanz.

Ein anderer Flughafen hat sich in den letzten Jahren ganz nach vorne gearbeitet. "Auf dem Hahn" im Hunsrück hoben mit dem irischen Billigflieger Ryan Air 2006 3,7 Millionen Passagiere ab. Ein Beispiel für gelungenen Strukturwandel: Bis 1993 war der Hahn ein kleiner Flugplatz für das US-Militär.

Die ältesten Städte Deutschlands


Neben den Amerikanern ist noch ein anderes Volk wichtig für Rheinland-Pfalz: die Römer. Ihren Spuren begegnet man fast überall im Land - besonders in Mainz, Speyer, Worms und Trier. Diese Städte sind allesamt römischen Ursprungs und können zudem mit jeweils einem gigantischen Dom punkten.


Während unstrittig ist, dass der Trierer Dom mit seinen 1700 Jahren der älteste ganz Deutschlands und der 1000-jährige Dom aus Speyer die größte romanische Kirche der Welt ist, sind andere Fragen weiterhin ungeklärt: Trier und Worms streiten sich leidenschaftlich darum, wer die älteste Stadt Deutschlands ist.

Gutenberg und Mainzer Republik

Johannes-Gutenberg-Denkmal in Mainz Quelle: dpa


Aber auch nach den Römern hat sich noch einiges getan: Johannes Gutenberg erfand um 1440 in Mainz den Buchdruck und revolutionierte damit die Welt. Amerikanische Journalisten wählten ihn 1998 zum Mann des Jahrtausends. Wenig später, am 17. April 1521, stand Martin Luther vor dem Reichstag zu Worms und sprach seine berühmten Worte: "Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen."


1793 gab es eine echte Premiere: Mit der Ausrufung der Mainzer Republik war der erste Freistaat auf deutschem Boden inklusive bürgerlich-demokratischer Grundsätze fix - für vier Monate, immerhin. Für Rheinland-Pfalz sah es anfangs nicht viel besser aus. Unter Zugzwang geraten, stückelten nach dem Zweiten Weltkrieg die französischen Besatzer Rheinland-Pfalz schnell zusammen, Amerikaner und Briten hatten nämlich mit der Bildung der Bundesländer bereits begonnen. Mittlerweile hat es Rheinland-Pfalz auf 60 Jahre gebracht - so viel hatten ursprünglich die wenigsten diesem "Land aus der Retorte" zugetraut.

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