Saarland

Saarschleife, Sterneküche und Strukturwandel

Gutes Essen, Frankreich und Luxemburg vor der Haustür, ausgedehnte Wälder, historische Stätten und Zeugnisse der Industriegeschichte in Deutschland - das Saarland ist flächenmäßig zwar klein, aber durchaus abwechslungsreich. Wie auch seine Geschichte: Achtmal wechselte das Land in 200 Jahren seine Nationalität, seine Bewohner fühlten sich aber immer nur als Saarländer.

Saarland

Leben wie Gott in Frankreich


Die Nähe zu Frankreich und Luxemburg ist allgegenwärtig im kleinen Bundesland Saarland. Straßburg, Metz, Luxemburg sind nur einen Steinwurf entfernt. Zum Tanken nach Luxemburg oder zum Abendessen nach Frankreich? Kein Problem. Die Grenzen verschwimmen, Europa ist hier längst Alltag. Die Bewohner sind offen und gastfreundlich, der Mix aus Deutschland und Frankreich ergibt eine besondere, saarländische Lebensart, das "Saarvoir vivre".
Das Land ist überschaubar, hier kennt fast jeder jeden. Dadurch ist das Wir-Gefühl stark ausgeprägt. Ein Vorteil der geringen Fläche, und es gibt noch mehr: Die günstigen Lebenshaltungs- und Wohnkosten sorgen dafür, dass das Saarland bundesweit die höchste Eigentumsrate beim Grundbesitz hält. Und noch in einem anderen Bereich schlägt das kleine Saarland die großen Bundesländer: 74 Prozent der Saarländer sind katholisch, 21 Prozent evangelisch; damit hat das Saarland, nicht Bayern, prozentual den größten katholischen Bevölkerungsanteil.

Die Nähe zu Frankreich ist auch kulinarisch nicht zu verkennen. In Saarbrücken reihen sich Bistros und Straßencafés aneinander, am Fischmarkt kann man frühmorgens fangfrische Austern schlürfen - französisches Flair pur. Auf die Zahl der Einwohner gerechnet, findet man im Saarland die größte Dichte in der Sterne-Gastronomie in Deutschland. Dabei verbinden die Saarländer aber die französische Feinschmeckerküche durchaus auch mit der eigenen Hausmannskost.


Natur, Kultur und Schätze

Mit "grenzenlosem Charme" wirbt das Land auch um Besucher. Zahlreiche Projekte wie die "Gärten ohne Grenzen" entstehen unter gemeinsamer Regie von Frankreich und Deutschland. Aber das Saarland allein hat auch schon viel zu bieten. Zum einen viel Natur: Die Saarschleife im Landkreis Merzig-Wadern, das Wahrzeichen der Region, ist beliebter Aussichtspunkt und Ziel für Wanderer und Touristen.

Im Dreiländereck zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg liegt Perl, die einzige Weinbaugemeinde des Saarlandes. Der saarländische Wein wächst nur an einem kurzen Moselabschnitt. Dafür gibt es im Saarland Wald, wohin man blickt: Ein Drittel der saarländischen Fläche ist mit Mischwald bedeckt. Damit hat das Saarland gemeinsam mit Hessen und Baden-Württemberg die prozentual größte Waldfläche Deutschlands. Und damit noch nicht genug der Superlative: Das Saarland ist eine der wärmsten Regionen Deutschlands.

Hollywood im Saarland

Jedes Jahr im Januar bringt das Filmfestival für den deutschsprachigen Nachwuchs einen Hauch von Hollywood ins Saarland. Dann wird der Max-Ophüls-Preis verliehen. Tom Tykwer, Franka Potente und Til Schweiger haben hier erstmals auf sich aufmerksam gemacht. Im Mai ist Saarbrücken die Bühne für das Theaterfestival Perspectives, ein Festival für junges Theater aus Deutschland und Frankreich. Dann tummeln sich auf den Plätze und Gassen die Gaukler und Jongleure.

Der geschichtsinteressierte Besucher kann im Saarland zahlreiche Zeugnisse der Vergangenheit finden. Kelten und Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Gallo-römische Siedlungen, römische Villen, keltische Befestigungsanlagen: Das Saarland lässt die Antike wiederauferstehen. Bei einigen Ausgrabungen können die Besucher selbst mit Hand anlegen. Archäologie zum Anfassen.

Vom Bergbau zur Innovationstechnologie

Das Saarland war eines der großen Zentren der Industrialisierung, die Montan- und Stahlindustrie spielte eine besondere Rolle. 1950 kam die Krise im Kohlebergbau, 1975 begann der Niedergang der Eisen- und Stahlindustrie. Viele Menschen verloren ihre Arbeitsplätze. Aber in den letzten Jahren erlebt das Land einen wirtschaftlichen Aufschwung, der Strukturwandel geht voran. Das Saarland setzt dabei vor allem auf zukunftsorientierte Technologien wie Nanotechnologie.

Der Science Park in Saarbrücken ist ein biotechnologisches Zentrum, im IT-Bereich haben sich in den letzten Jahren die Arbeitsplätze verdoppelt. Hochkarätige Einrichtungen wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, das Max-Planck-Institut für Informatik und das Internationale Begegnungs- und Forschungszentrum für Informatik, Schloss Dagstuhl, stärken den Standort. 2003 und 2006 erhielt das Saarland die Auszeichnung als wirtschaftlich dynamischstes Bundesland durch das Institut der Deutschen Wirtschaft.

Unter wechselndem Einfluss

Aufgrund seiner Grenznähe geriet das Saarland immer wieder unter wechselnden Einfluss. Im Mittelalter entstanden zahlreiche, teilweise selbstständige Territorien. Sie waren meist deutsch, standen aber immer wieder zeitweise unter französischem Einfluss, insbesondere im späten 17. Jahrhundert. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Saargebiet vom Deutschen Reich getrennt und für fünfzehn Jahre unter französische Verwaltung gestellt, 1935 nach einer Volksabstimmung wieder ans Deutsche Reich angegliedert.


1946 wurde das Saarland ein französisches Protektorat mit eigener Regierung und Verfassung, aber mit dem französischen Franc als offiziellem Zahlungsmittel. 1948 erhielten alle Saarländer eine eigene Staatsbürgerschaft als "Saarois". 1957 schließlich wurde das Saarland nach einer erneuten Volksabstimmung das zehnte Land der Bundesrepublik Deutschland. Achtmal wechselte das Land in 200 Jahren seine Nationalität, nicht aber seine saarländische Identität, und das haben seine Bewohner auch nicht vor: Immer wieder gab es Überlegungen, das flächenmäßig sehr kleine Saarland mit Rheinland-Pfalz zusammenzulegen. Diese Idee aber findet bei den Saarländern keinen Beifall.

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