Sachsen

Die Sachsen kommen

Stolz ist der Sachse, wenn er über sein Land spricht. Über das Land der Erfinder und Berühmtheiten. Wussten Sie zum Beispiel, dass der Teebeutel, die Thermoskanne und das Mundwasser, um nur einige zu nennen, von Sachsen erfunden wurden? Oder dass die größte Ziegelbrücke der Welt in Sachsen steht?

Sachsen

Kulturgüter und prachtvolle Bauten

Dresden - Elbe - Unesco Quelle: dpa


Wo das "Weiße Gold", das Porzellan entstand, brauchen wir Ihnen sicher nicht zu verraten. Ebenso wenig, dass Martin Luther natürlich ein Sachse war, genau wie Lessing, Leibniz, Fichte oder Karl May. Auch der erste Deutsche im All, Sigmund Jähn, stammt aus einem kleinen sächsischen Dorf. Und der momentan bestbezahlte deutsche Fußballer Michael Ballack ist - natürlich, Sie ahnen es - ein Sohn Sachsens.
Sachsen hat noch viel mehr zu bieten. Das östlichste Bundesland mit seiner Landeshauptstadt Dresden ist reich an Kulturgütern. Die Stadt an der Elbe wird gerne von Touristen mit Florenz verglichen. Grund dafür sind die prachtvollen Barockbauten: Zwinger, Hofkirche, Semperoper und die wiederaufgebaute Frauenkirche, die als altes und neues Wahrzeichen der Stadt einen besonderen Glanz verleiht.



Es ist der Glanz alter Zeiten, der Hauch der Geschichte, der einen umweht, wenn man über die "Brühlschen Terrassen" flaniert oder die Kunstschätze August des Starken im "Grünen Gewölbe" bewundert. Dresden muss man gesehen haben, schwärmen Touristen, die das "Elbflorenz" einmal besucht haben.

Landschaft und Handwerk

Spielzeug, Wein und Porzellan

Riesenstollen in Dresden Quelle: dpa

Manche Touristen begeben sich in Dresden in einen der historischen Schaufelraddampfer, um elbaufwärts einen Abstecher in die Sächsische Schweiz zu unternehmen. Dann kraxeln sie zur Bastei hoch, dessen weitragender Ausblick über das Elbsandsteingebirge sie für die Mühen voll entschädigt.


Von Dresden aus ist es auch nicht weit ins Erzgebirge, eine früher reiche Gegend dank des Silbererzvorkommens, das unter schweren Arbeitsbedingungen von den Bergleuten unter Tage gefördert wurde. Als das Vorkommen versiegte, suchten die findigen Erzgebirgler nach einer neuen Einkommensquelle. Und fanden sie mit dem Holzhandwerk.


Besonders zur Weihnachtszeit hat die raue Mittelgebirgsregion ihren besonderen Charme. In der Spielzeugmacherstadt Seiffen kann man an jeder Ecke traditionelles Handwerk bewundern. Die erzgebirgische Volkskunst - heute ein Exportschlager in alle Welt. Neuerdings werden Pyramiden, Schwibbögen und Räuchermänner erfolgreich kopiert: Die Chinesen produzieren billiger und haben keine Absatzprobleme, leider auch nicht in Deutschland.

Entlang der Elbe wächst der für seine Trockenheit berühmte Meißner Wein. Feinschmecker wissen zu berichten: Zu einem Sächsischen Sauerbraten mit Klößen passt er hervorragend. Und wenn man schon einmal Meißen besucht, sollte man einen Blick in die Historische Porzellanmanufaktur werfen. Dort werden die zarten Blumenornamente auf dem "Weißen Gold" noch mit der Hand gemalt.

Slawische Einwanderer

Weit im Osten Sachsens, in der Lausitz, leben die Sorben. Der slawische Stamm siedelte sich bereits im 6. Jahrhundert in der Gegend an. Er hat eine eigene Sprache, das Sorbisch. Die Sorben sind in Deutschland als nationale Minderheit anerkannt. Die meisten von ihnen leben in der Oberlausitz in Sachsen, ein kleinerer Teil in der Niederlausitz, im Spreewald Brandenburgs. Nach Schätzungen gibt es 20.000 bis 30.000 Menschen, die sorbisch sprechen. Deshalb sind rund um Bautzen und Hoyerswerda die Ortsschilder zweisprachig: Bautzen heißt zum Beispiel Budysin, Hoyerswerda Wojerecy.

Die Sorben sind katholischen Glaubens und pflegen Brauchtum und Traditionen. Das Sorbische Osterreiten, Vogelhochzeit, die Trachten der Frauen und die bemalten Ostereier - sorbische Folklore, die über die Landesgrenzen hinaus bekannt ist. Trotzdem sprechen immer weniger Sorben ihre eigene Sprache. Um Tradition und Sprache auch in der modernen Zeit zu pflegen und damit zu retten, gibt es unzählige Initiativen, Stiftungen und Vereine. In einigen Kindergärten wird sorbisch gelernt, es gibt eigene sorbische Zeitungen und den Sorbischen Rundfunk.

Montagsdemos und Mikrochips

Sachsen hat eine bewegte Geschichte und kann dank des wirtschaftlichen Aufschwungs positiv in die Zukunft blicken. 1989 läuteten die Leipziger mit ihren Montagsdemonstrationen die friedliche Revolution ein und damit das Ende der DDR. Heldenstadt Leipzig - die Messestadt schmückt sich gern mit diesem Zusatz. Sachsen ist das wirtschaftlich stärkste unter den neuen Bundesländern.


Nach der Deutschen Einheit entstanden neue industrielle Kerne um Leipzig, Dresden und Chemnitz. Die traditionelle Automobilbranche, früher in Sachsen beheimatet, lebte wieder auf: In Zwickau, wo einst der Audi und zu DDR-Zeiten der legendäre Trabi produziert wurde, rollen heute Vorzeigelimousinen vom Band. Porsche, BMW und VW haben moderne Fabriken in Sachsen hochgezogen. Die Sachsen gehören zur Weltspitze in der Mikroelektronik. Seit der Ansiedlung von Infineon und AMD spricht man gar vom "Silicon Saxony".

Im Jahr 2006 ist Sachsens Wirtschaft um vier Prozent gewachsen. Mit dieser Zahl ist der Freistaat, was das Wirtschaftswachstum angeht, Spitzenreiter, und rangiert damit vor Ländern wie Baden-Württemberg und Bayern. Trotzdem gibt es in einigen Regionen Probleme: Dort, wo früher in großem Stil Braunkohle gefördert wurde, herrscht über 20 Prozent Arbeitslosigkeit. Städte wie beispielsweise Hoyerswerda haben mit Wegzug und Abriss zu kämpfen.

Jahrhunderthochwasser

Ein Ereignis im Jahre 2002 hätte selbst den stärksten Sachsen fast umgehauen: das Jahrhunderthochwasser im August. Es betraf weite Teile des Landes, fast das gesamte Erzgebirge, das Muldental und viele Dörfer und Städte entlang der Elbe. Menschen verloren ihr Dach über dem Kopf.


Öffentliche Gebäude, die Kulturschätze Dresdens - das Hochwasser hinterließ einen wirtschaftlichen Milliardenschaden und Erschütterung bei den Menschen. Doch dank einer bundesweit einmaligen Hilfsaktion, bei der so viele Spendengelder wie nie zuvor zusammenkamen, kamen die Sachsen wieder auf die Beine.

Sächsisch - einst hoch angesehen

Das Sächsische, womit eigentlich das Thüringisch-Obersächsische gemeint ist, ist Umfragen zufolge einer der unbeliebtesten Dialekte in der Bundesrepublik. Die Sachsen selbst bemühen sich sogar - meist vergebens - ihn zu verbergen. Doch dafür gibt es historisch gesehen keinen Grund: Das Sächsische war deutschlandweit einmal hoch angesehen. Vor 800 Jahren entwickelte sich Sächsisch aus den Mundarten der eingewanderten Siedler.

Die Region florierte und eine normierte Schriftsprache musste her: Es entstand das Meißner Kanzleideutsch. Sächsisch setzte sich im ganzen Land als moderne Schriftsprache durch. "Für die säggs'sche Aussprache musste im Brinzib nur eens befolschen: Den Underkiefer leichd aushäng', nach vurne schiem un die Worde nur noch so rausblädschern lassn." Eine Dresdener Sprachschule bietet heute als Beitrag der innerdeutschen Verständigung einen Kurs an: "Sächsisch für Wessis".

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet