Sachsen-Anhalt

Historie, Harz und Hartz IV

"Wir stehen früher auf" - mit diesem Slogan wirbt das Bundesland in der Mitte Deutschlands, seit in einer Umfrage herauskam, dass die Sachsen-Anhalter durchschnittlich um 6.39 Uhr aus den Federn steigen, neun Minuten früher als der Bundesdurchschnitt. Früh aufstehen - die Mentalität eines Landes, das aufholt und nach vorne will. Denn die Probleme Sachsen-Anhalts sind nach wie vor gewaltig: Mit einer Arbeitslosenquote von 19,9 Prozent landete es im Vergleich zu den anderen Bundesländern auch letztes Jahr wieder ganz weit hinten, auf dem drittletzten Platz.

Sachsen-Anhalt


Dabei hat Sachsen-Anhalt viel zu bieten, atmet an vielen Orten große Geschichte. Vor allem im Mittelalter lange ein kulturelles Zentrum, legen noch heute viele historische Burgen, Schlösser, Klöster und Kirchen entlang der sogenannten Straße der Romanik Zeugnis ab von der alten Blüte der Gegend. Allen voran der gigantische Dom von Magdeburg. Dazu hat die UNESCO in Sachsen-Anhalt großzügig ihr Welterbe-Prädikat verteilt: das Bauhaus in Dessau, die Lutherstädte Wittenberg und Eisleben, die Quedlinburger Altstadt und der Schlosspark von Wörlitz schmücken sich mit dem Titel.

Religion, Unterhaltung, und Politik

Ein wahrer Besuchermagnet ist auch der sagenumwobene Brocken, der so oft in Nebel gehüllte höchste Berg des Harzes. Rund 300 Tage im Jahr bleibt sein Gipfel in den Wolken versteckt. Jedes Jahr am 30. April, so will es die Legende, fliegen zur Walpurgisnacht Hexen aus nah und fern zum Blocksberg und feiern auf dem Gipfel ein großes Fest.


Aber Sachsen-Anhalt ist auch Heimat ganz realer Persönlichkeiten. Die berühmteste ist wohl Martin Luther, geboren und gestorben in Eisleben nahe Halle. Weitere bekannte Landeskinder: Dieter Hallervorden aus Dessau und der Hallenser Hans-Dietrich Genscher, außerdem die Komponisten Georg-Philipp Telemann und Georg Friedrich Händel. Nicht zu vergessen Friedrich Nietzsche und der Handball-Punk Stefan Kretschmar.

Kulinarische Spezialitäten

Neben Kultur und Natur hat Sachsen-Anhalt noch etwas reichhaltig im Angebot: kulinarische Produkte. Rotkäppchen zum Beispiel, die Sektmarke der DDR, macht längst den westdeutschen Marken das Leben schwer. Das Unternehmen aus Freyburg an der Unstrut fährt kräftig Gewinne ein und hat Marken wie Mumm und MM aufgekauft.

Andere Exportschlager, die noch aus DDR-Zeiten stammen: Hasseröder Pils aus Wernigerode, Halloren-Kugeln und Kathi-Backmischungen aus Halle, Halberstädter Würstchen oder der Baumkuchen aus Salzwedel, aufwändig über offenem Feuer gebacken. Und Gardelegen kann mit einem echten Trumpf aufwarten: Das dort produzierte Garley gilt als die älteste Biermarke der Welt.

Tradition und Innovation

Dass Sachsen-Anhalt wirtschaftlich aufholt, hat es also auch der Nahrungsmittelindustrie zu verdanken. 19.000 Menschen arbeiten mittlerweile in der Branche. Ein anderer Wachstumsmarkt ist die Biotechnologie. Etliche Firmen forschen im Land rund um die grüne Gentechnik. Das Ziel: Pflanzensorten zu entwickeln, die ohne Schädlingsmittel reiche Ernte bringen.


Ein breit und vor allem kontrovers diskutiertes Thema in Sachsen-Anhalt, ist die Landwirtschaft hier doch traditionell ein wichtiger Wirtschaftszweig. Zwei Drittel der Fläche werden landwirtschaftlich genutzt, von Bio-Bauern und konventionellen Betrieben. Die Böden der Magdeburger Börde gelten als die ertragreichsten Deutschlands.

Aspirin statt Plaste und Elaste

Sachsen-Anhalt ist mitten im wirtschaftlichen Umbruch, gut sichtbar auch am Landschaftsbild: Die einst typischen Industrieschlote sind verschwunden, viele Betriebe mussten ihre Tore für immer schließen. Das traditionsreiche Waggonbau-Werk in Halle-Ammendorf ist nur ein Beispiel. Auch im Chemiedreieck Leuna-Buna-Bitterfeld, zu DDR-Zeiten Inbegriff für Braunkohleabbau, Landschaftszerstörung und Umweltverschmutzung, machten nach der Wende viele Betriebe dicht.

Buna, keine Stadt, sondern ein großes Kunststoff-Werk bei Schkopau, kannte man in der DDR vor allem wegen des Werbeslogans "Plaste und Elaste aus Schkopau". Das ist lange her. Mittlerweile aber haben sich im Dreieck etliche neue Firmen wie Bayer oder der Chemieriese Dow Chemical angesiedelt, sorgen für Milliardenumsätze und Wachstum in der Region.

Wirtschaftskrise und Wechselwähler

Trotzdem - die neu geschaffenen Arbeitsplätze reichen noch lange nicht, um das Hauptproblem, die Arbeitslosigkeit, in den Griff zu kriegen. Die Folge: Die Menschen verlassen nach wie vor scharenweise das Land. Von 2,8 Millionen Einwohnern im Jahr 1990 werden 2020 voraussichtlich noch 2 Millionen im Land leben. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sorgen nicht unbedingt dafür, dass die Sachsen-Anhalter ihren Politikern großes Vertrauen entgegenbringen. Langfristige Bindungen an die Parteien haben hier nur wenige, mal wählen sie links, mal rechts. Bis auf PDS/Linkspartei und DVU durften seit dem Ende der DDR alle großen Parteien mal mitregieren.


Die SPD musste bei der Wahl 2002 Verluste im zweistelligen Bereich ertragen, die FDP flog nach komfortablen 13,3 Prozent im Jahr 2002 bei der letzten Wahl aus der Regierung - 6,7 Prozent reichten nicht zum Mitregieren. Die rechtsextreme DVU schaffte 1998 aus dem Stand 12,9 Prozent, scheiterte dann wieder an der Fünf-Prozent-Hürde. Eine weitere sachsen-anhaltische Besonderheit: das Magdeburger Modell. Reinhard Höppner führte als SPD-Ministerpräsident von 1994 bis 2002 die wohl bekannteste Minderheitsregierung Deutschlands an. Ohne Mehrheit im Parlament, konnte er nur durch die Tolerierung der PDS regieren.

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