Schleswig-Holstein

Land der Horizonte

Kilometerlange Küsten, Wind und Watt, Schafe, Schiffe, weite Landschaften: Das alles prägt seit jeher das Land zwischen Nord- und Ostsee. Doch Schleswig-Holstein hat sich in den vergangenen Jahren vom traditionellen Agrar- und Fischereiland zum modernen Wirtschafts- und Technologiestandort gewandelt. Im bundesdeutschen Abseits liegt das Land also nur geografisch - im Bereich Windenergie ist es dafür schon heute Nummer eins.

Schleswig-Holstein

Segeln und Kultur


Ganz vorne liegt Schleswig-Holstein auch, wenn es um Natur- und Landschaftsschutz geht. Das Wattenmeer beheimatet den größten Nationalpark und ist gleichzeitig das vogelreichste Gebiet in Mitteleuropa. Daneben finden sich im "Land zwischen den Meeren" 189 Naturschutzgebiete und 275 Landschaftsschutzgebiete. Kein Wunder also, dass viele mit Schleswig-Holstein "Natur pur" verbinden. Mit 4,5 Millionen Urlaubern im Jahr, die sich an den 1190 Küstenkilometern verteilen, gehört das Land zu den beliebtesten Reisezielen, die Deutschland zu bieten hat.
Zu den bekannten Städten des Bundeslandes gehören Flensburg, Kiel und Lübeck. In Schleswig-Holstein liegt auch die kleinste Stadt Deutschlands: Arnis zählt ganze 351 Einwohner. Als Landeshauptstadt ist Kiel über die deutschen Grenzen hinaus für die "Kieler Woche" bekannt, eine jährliche Segelregatta. Sie ist das größte Segelsportereignis der Welt und zugleich das größte Volksfest Nordeuropas.

Ein weiteres städtisches Highlight ist Lübeck, die Stadt der sieben Türme. Die mittelalterliche Altstadt wurde 1987 als erste in Nordeuropa komplett zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Das bekannte Holstentor ist zudem das erste Bundesländermotiv auf der Zwei-Euro-Münze. Den zwei vielleicht berühmtesten Söhnen der Stadt, Heinrich und Thomas Mann, ist die Gedenkstätte Buddenbrookhaus gewidmet. Thomas Manns Gesellschaftsroman "Buddenbrooks" von 1901 gilt bis heute als einer der bedeutendsten in deutscher Sprache, brachte ihm zudem den Literaturnobelpreis ein und gilt als inoffizieller Reiseführer Lübecks.

Inselstaat Schleswig-Holstein

Fünf Nordfriesische Inseln zählt Schleswig-Holstein: Sylt, Föhr, Amrum, Pellworm und Nordstrand. Hinzu kommen die Ostseeinsel Fehmarn und die 70 Kilometer vom Festland entfernte Hochseeinsel Helgoland. Zu den sieben Inseln gesellen sich noch mehrere Halligen. Diese werden bei starker Flut bis auf die kleinen Hügel, auf denen die Häuser stehen, überspült.

Deutschlands einzige Hochseeinsel Helgoland teilt sich in die Hauptinsel mit Ober-, Mittel- und Unterland und die Helgoländer Düne. Bekanntes Wahrzeichen der Buntsandsteininsel, auch über die Grenzen Schleswig-Holstein hinaus, ist der freistehende rote Felsen "Lange Anna". Durch ständige maritime Erosion und Witterung wird das Naturdenkmal zum Leidwesen der Insulaner immer mehr abgetragen und wird unweigerlich irgendwann einstürzen.

Die vermutlich bekannteste Insel Schleswig-Holsteins und gleichzeitig die größte und nördlichste ist Sylt. Der fast 40 Kilometer lange Sandstrand an der Westküste lockt neben normalen Touristen auch den deutschen Jet Set an, der sich auf Sylt gerne selbst feiert. Weniger als ein Prozent windstille Tage im Jahr machen Sylt zudem zu einem Paradies für Surfer und andere Wind- und Wassersportler. Jedes Jahr finden hier Surf World Cups mit den besten Sportlern der Welt statt.

Sport und skandinavischer Einfluss

Nicht nur Wassersportarten erfreuen sich großer Beliebtheit im hohen Norden. Was im Süden der Fußball, ist hier der Handball - zumindest was den Erfolg betrifft. Mit dem THW Kiel und der SG Flensburg Handewitt ist Schleswig-Holstein gleich mit zwei erstklassigen Mannschaften in der ersten Handball-Bundesliga vertreten. Und nicht nur das, auch international spielen beide Vereine ganz vorne mit. Mit dem Erreichen des Finales der Handball-Champions-League 2007 bewiesen sie nach dem WM-Titel die Ausnahmestellung des deutschen Handballs.

Im Rest der Bundesrepublik hält man die "Nordlichter" aus Schleswig-Holstein für einen ganz eigenen Menschenschlag: Sie gelten als wortkarg, verschlossen - typisch norddeutsch eben. Doch mit "typisch" ist das Wesen der Menschen wohl nicht wirklich beschrieben. In keinem anderen Bundesland ist mehr Multikulti angesagt. Drei Minderheitengruppen sind hier vertreten.

Neben den Friesen und den deutschen Sinti und Roma, die zusammen nur eine kleine Gruppe bilden, spielt vor allem die dänische Minderheit eine Rolle im Land. Sie rührt her aus den lang geführten Gebietskämpfen zwischen Dänemark und Deutschland, die der Geburt des Bundeslandes vorausgingen. Der skandinavische Einfluss ist so auch heute noch stark. Die dänische Minderheit hat ihre eigene Regionalpartei, die für ihre Interessen und den Erhalt kultureller Besonderheiten in Südschleswig einsteht.

Politische Skandale

Politisch sorgte Schleswig-Holstein mit der Barschel-Affäre 1987/88 für den vielleicht größten Skandal der deutschen Nachkriegsgeschichte. Reiner Pfeiffer ließ als Medienreferent von Ministerpräsident Uwe Barschel den SPD-Gegenkandidaten Björn Engholm bespitzeln und beschuldigen. In der Folgezeit trat Barschel nach Zweifeln an seiner Unschuld von seinem Amt zurück und wurde wenige Tage später tot in einer Badewanne in einem Genfer Hotel aufgefunden.


Die Umstände seines Todes sind bis heute nicht vollständig geklärt. 1993 kam es zu einer Fortsetzung des Skandals, als bekannt wurde, dass führende SPD-Mitglieder von einigen Aktivitäten Pfeiffers wussten und ihm nach der Affäre 40.000 Mark gaben. Der neue Ministerpräsident Engholm gab zu, vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss einen Meineid geleistet zu haben und trat von allen Ämtern zurück.

Erste Ministerpräsidentin

So wurde Heide Simonis (SPD) zur ersten Ministerpräsidentin Deutschlands und regierte zwölf Jahre lang. In einem beispiellosen Wahlakt im Februar 2005 enthielt sich ein Abgeordneter der Koalition zwischen SPD, Grünen und SSW bei der Wahl des Ministerpräsidenten, so dass es in vier Wahlgängen zu keiner Entscheidung kam.

Ministerpräsidentin Heide Simonis trat nicht mehr zu einem weiteren Wahlgang an und ebnete so den Weg für eine Große Koalition unter Peter Harry Carstensen (CDU). Der Abweichler innerhalb der SPD, auch als Heidemörder bezeichnet, ist weiter unbekannt.

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