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Corona unter dem Halbmond - Die Türkei kämpft gegen Pandemie und Pleite

"mein ausland" vom 05.06.2020

Film von Oliver Mayer-Rüth und Katharina Willinger

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44 min
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05.06.2020
Video verfügbar bis 05.12.2020

Die Zahl der Corona-Infizierten in der Türkei steigt prozentual im Monat April wie in keinem anderen Land der Erde, obwohl der türkische Staat Anfang Mai Schule und Universitäten, Restaurants, Frisöre, Bars, Kaffees und viele Läden schließen ließ.

Kinder und Jugendliche bis zum 20. Lebensjahr, aber auch Senioren ab dem 65. Lebensjahr haben absolute Ausgangssperre. Zuwiderhandlungen werden mit Bußgeldern geahndet. Außerdem müssen Bewohner von 31 Städten am Wochenende für 48 Stunden zuhause bleiben.

Weil es erste Corona-Infizierte und Tote in Gefängnissen gibt, hat die Erdoganpartei AKP zusammen mit der nationalistischen Partei MHP ein höchst umstrittenes Gesetz durchs Parlament gedrückt, dass Straferleichterungen bzw. Freilassungen von ca. 90.000 Gefangenen ermöglicht. Frei kommen Diebe, Kleinkriminellen, Gewalttäter, Mafia-Bosse und Nutzer von Kinderpornografie. Journalisten, Oppositionelle oder Menschenrechtsaktivisten, die aufgrund fadenscheiniger Terrorvorwürfe inhaftiert sind, müssen im Gefängnis bleiben. Deren Angehörige machen sich große Sorgen, denn die Haftbedingungen sollen oftmals mangelhaft sein.

Und auch in Zeiten von Corona geht die Verfolgung kritischer Stimmen im Land weiter: Gegen zahlreiche Journalisten wurden Ermittlungen eingeleitet, weil sie kritisch über den Umgang der Regierung mit Corona berichtet hatten. Eine von ihnen ist die bekannte Journalistin Nurcan Baysal, ihr wirft die Staatsanwaltschaft vor, Angst in der Bevölkerung zu verbreiten.

Der aus Pforzheim stammende Cem hat vor wenigen Monaten ein Restaurant in Istanbul geöffnet und kämpft jetzt um das Überleben seines Unternehmens, in dem er u.a. Brot backt. Die 74jährige Müfide Toker geht eigentlich mindestens einmal am Tag eine Stunde durch Istanbul spazieren. Seit Wochen ist sie in ihrer Wohnung eingesperrt.

Der Ortsvorsteher Halil kümmert sich um die Alten und Kranken in seinem Viertel Cihangir und versorgt diese mit Lebensmittel vom Supermarkt, zu dem sie aufgrund der Ausgangssperre selbst nicht hindürfen. Außerdem lässt er regelmäßig sein Viertel desinfizieren. In Antalya sind die Hotels leer und 10.000 Saisonarbeiter wissen nicht, wie sie in diesem Sommer ihre Familien ernähren sollen.

Das ganze Land schlittert unaufhaltsam in eine bittere Rezession. Die türkische Regierung bittet um Spenden, schickt an Journalisten Bilder von türkischen Atemschutzmasken und Schutzanzügen, die sie an andere Länder großzügig spendet und wirkt dennoch hilflos, denn immer mehr Menschen betteln auf der Straße.

Attila Azrak musste von Deutschland aus hilflos verfolgen, wie seine Mutter Hannelore und sein Vater Ülkü innerhalb kürzester Zeit aufgrund einer Infektion mit dem Coronavirus sterben. Für den Leichnam seiner Mutter kann er noch die Rückführung organisieren. Sein Vater stirbt wenige Tage später und muss in Istanbul beerdigt werden, weil Deutschland entscheidet, dass nur noch verbrannte Leichen zurückgebracht werden dürfen. In der Türkei ist das Kremieren jedoch verboten. Die Ärztin Ayse gibt ein Interview unter der Bedingung anonym zu bleiben. Sie berichtet, wie die Zustände in den Krankenhäusern sind.

2 Monate lang begleitet ein Team der ARD in Istanbul Menschen in der 16 Millionen Metropole und beobachtet, wie diese die Herausforderung Corona meistern. Die Sorge sich zu infizieren, das Eingesperrt sein, die zunehmende wirtschaftliche Not, ein Auf und Ab der Gefühle, all das zeigt die Dokumentation.

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