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Fluch des Pazifik - Zwischen Klimawandel und atomarem Erbe

"mein ausland" vom 19.02.2020

Film von Uwe Schwering

44 min
44 min
01.08.2018
01.08.2018
Video verfügbar bis 20.02.2021

Die Menschen auf den Inseln des Pazifiks lebten lange am, mit und vom Wasser. Jetzt kämpfen sie gegen das Wasser. Uwe Schwering und das Team des ARD-Studios Tokio reisen an Orte, die andere bald verlassen könnten – schon macht der Begriff ‚Klimaflüchtling’ die Runde.

Doch die immer häufiger überfluteten Marshall-Inseln zu verlassen, das ist für Staatschefin Hilda Heine keine Option. Zu viele Einwohner leben nach den Atomtests der Amerikaner nach dem Zweiten Weltkrieg seit Jahrzehnten als Migranten im eigenen Land. Sie wissen, wie es sich anfühlt, heimatlos zu sein. Der kletternde Meeresspiegel infolge der Erderwärmung bedroht die Menschen hier doppelt: Strände erodieren, die Häuser sind in Gefahr - und der Beton-Sarkophag, der die strahlende Hinterlassenschaft der Amerikaner in Schach halten soll, ist undicht. Im Keller entweicht Plutonium. Das steigende Meer ist nicht mehr weit weg.

Das Paradoxe an dieser Situation: Der Klimawandel führt auf den Marshalls auch zu längeren Dürren, dann heißt es: mitten im Ozean und nichts zu trinken. Schon mehrfach wurde wegen Trinkwasserknappheit der Notstand ausgerufen.

Trotzdem lässt sich Hilda Heine nicht unterkriegen. „Man kann ja leicht die Hoffnung verlieren - aber das können wir uns nicht leisten. Der Klimawandel raubt mir auch nicht den Schlaf. Ich denke positiv und sage: Wenn wir es schaffen können, dann lasst es uns tun.“ Ihre Strategie: unermüdlich die Gefahren entschärfen, das Leben anpassen. Mit Wassertanks und Flutwällen, Sandvorspülungen und Landgewinnung. Und einer ordentlichen Portion Optimismus.

Fidschi, drei Flugstunden entfernt. Hier kämpft ein Mittzwanziger um sein Dorf und das mit ihm um den gemeinsamen Lebensraum. Samuela Kuridrani aus Namatakula liebt die Insel, auf der er lebt: „Es ist traurig. Doch wir wollen nicht umsiedeln. Wir wehren uns. Damit die Jugend mal in der Lage ist, sich dem Klimawandel entgegen zu stellen.“ Fast hätten sie kapituliert vor der Natur - bis Samuela eine Selbsthilfegruppe gründete, übersetzt: den ‚Baum des Lebens’. Eine Dorfbrigade pflanzt jetzt Palmen und Mangroven, legt die Häuser höher, versucht, die Nahrungsgrundlagen zu sichern und zu verbessern. Alles im Dienste der Widerstandsfähigkeit.

Denn was ‚Untergang’ bedeutet, sieht man schon heute auf Vanua Levu. Fidschis zweitgrößte Insel ist vulkanisch und sehr fruchtbar. Doch die Zeiten, in denen hier traumhafte Zustände herrschten, sind vorbei. Küstenbewohner verlieren ihre Heimat. Die Siedlung Vunidogoloa musste umziehen. Der Ozean ließ ihr keine Wahl. Der Pegel steigt stetig. Jetzt sitzt das Dorf auf einem Hügel, zwei Kilometer Luftlinie vom Wasser. 32 neue Häuser für 132 Bewohner. Dorfchef Sailosi Ramatu ärgert zwar, dass seine Gemeinde - unverschuldet - ein Drittel der Kosten tragen musste, erkennt aber doch die Vorzüge: "Wir lieben es hier. Denn jetzt sind wir außer Gefahr. Besonders unsere junge Generation, die Kinder. Am alten Ort sehen wir keine Nutzpflanzen mehr oder Gemüse. Da ist alles vom Salzwasser überschwemmt."

Weitere 2000 Kilometer östlich, an der Datumsgrenze, liegt Kiribati. Der Inselstaat ist eines der ärmsten Länder der Welt. Und der Klimawandel macht es noch ärmer. "Das wird schon sehr traurig, wenn ich meine Familie nicht mehr sehe“, sagt Rubeaua Tabela. „Aber diese Schule ist die Gelegenheit, meine Eltern zu retten. Nur so kann ich mir und anderen helfen." Rubeaua besucht die Matrosenschule ‚MTC’ (Marine Training Center) auf der Hauptinsel Tarawa. In sechs Monaten wird er sein Zuhause verlassen, um auf einem japanischen Thunfischtrawler zu arbeiten. Seine Heimat aber ist die Insel Tabonibara. Hier wohnt seine Familie: Frau, Kind, Eltern, Geschwister. Sie leben von dem, was die Natur ihnen gibt. Der Staat kauft ihr getrocknetes Kokosfleisch auf, doch der Ertrag sinkt von Jahr zu Jahr. Und in den Netzen landen immer weniger Fische. Der angehende Matrose Rubeaua hat bald, was viele hier brauchen - einen Job, um die Familie zu ernähren. Doch dafür bezahlt er einen hohen Preis: Er muss gehen.

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