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Schmierinfektionen: Viren auf Oberflächen und Gegenständen

"corona nachgehakt" vom 11.08.2020

Ca. 10 Prozent der Corona-Infektionen passieren durch Schmierinfektionen, so schätzt der Berliner Virologe Christian Drosten. Diese schauen wir uns heute näher an. Michael Krons spricht dazu mit Frau Professor Stephanie Pfänder, Virologin an der Univers...

12 min
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08.10.2020
08.10.2020
Video verfügbar bis 08.04.2021

Ca. 10 Prozent der Corona-Infektionen passieren durch Schmierinfektionen, so schätzt der Berliner Virologe Christian Drosten. Diese schauen wir uns heute näher an. Michael Krons spricht dazu mit Frau Professor Stephanie Pfänder, Virologin an der Universität Bochum, die dazu eine aktuelle Studie erstellt hat: Wie lange bleibt das Virus auf Oberflächen aktiv? Wie können wir uns davor schützen? Ist es im Alltag realistisch, immer und permanent zu desinfizieren?

Begriffsdefinition: Was ist eine Schmierinfektion?

Bei einer Schmierinfektion, auch Kontaktinfektion genannt, werden Viren durch eine Kette von Berührungen von Mensch zu Mensch oder von Gegenständen auf Menschen übertragen. Die Erreger können sowohl an Menschen als auch an Gegenständen haften und dadurch an weitere Personen übertragen werden. Eine mögliche Infektion findet anschließend über die Schleimhäute an Mund und Nase statt, wenn z.B. ein Grippe-Patient in die Hand niest und diese einer gesunden Person reicht und diese Person sich dann ins Gesicht fasst.

Welche Gefahr einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 besteht durch eine Schmierinfektion?

Das Coronavirus SARS-CoV-2, das die Lungenkrankheit COVID-19 verursacht, wird besonders häufig durch Atmen, Husten, Sprechen und Niesen übertragen. Dabei differenziert man zwischen größeren Tröpfchen und kleineren Partikeln (Tröpfchenkerne oder infektiöse Aerosole). Gegenüber diesen Tröpfcheninfektionen ist die Übertragung des Virus‘ durch eine kontaminierte Oberfläche oder einen Gegenstand zwar derzeit (noch) nicht nachgewiesen, doch ist es durchaus denkbar, dass eine Übertragung über diesen Weg stattfinden kann - unter gewissen Voraussetzungen können vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren gefunden werden.

In einer neuen Studie der Universität Bonn wurden 21 Haushalte, die zufällig ausgesucht wurden, mit Bewohnern unter Quarantäne untersucht. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck und zwölf weitere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wirkten an der Studie mit. Halsabstriche der Personen im Haushalt sowie Oberflächenabstriche von Waren wurden im Pre-Print der Studie ausgewertet. Hinzu kam die Auswertung der Luft und der Abwasserproben. Dabei wurde der SARS-CoV-2-Erreger nicht auf Lebensmittel, Getränken, Tieren und Pflanzen nachgewiesen. Trotz dieser Ergebnisse schließen die Wissenschaftler die Übertragung durch Oberflächen nicht aus. Insbesondere muss die Belastung des Abwassers genauer analysiert werden.

Welche Rolle spielt der Zeitraum?

Die Gefahr einer Übertragung ist jedoch nur für einen kurzen Zeitraum wahrscheinlich, da sich Corona-Viren in der Umwelt vergleichsweise kurz halten und überleben können.

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) zufolge sind humane Corona-Viren nicht sehr stabil auf trockenen Oberflächen. Bei Corona-Viren im getrocknetem Zustand erfolgt die Inaktivierung innerhalb von Stunden bis einigen Tagen. Eine amerikanische Arbeitsgruppe fand in Laboruntersuchungen heraus, dass sich die SARS-CoV-2-Erreger für bis zu 3 Stunden als Aerosol halten - in dieser Zeit bleibt der Erreger infektiös, kann also zu einer Erkrankung führen. Zudem kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich die Erreger bis zu vier Stunden auf Oberflächen aus Kupfer, bis zu zwei bis drei Tagen auf Plastik und Edelstahl sowie bis zu 24 Stunden auf Karton halten. Zudem wurde in einer Studie ermittelt, dass der Erreger auch bei erhöhter Temperatur von 30 Grad infektiös auf einer Metalloberfläche überlebt. Wenn die Oberfläche jedoch abgetrocknet wurde, wurden die Erreger innerhalb einer Stunde weniger infektiös – es kam zu einer 100-fachen Reduktion.

Insgesamt wurde festgestellt, dass die Stabilität von SARS-CoV-2 nicht so groß ist wie die von einigen anderen Krankheitserregern wie Bakteriensporen und unterschiedliche unbehüllte Viren. Unter realen Bedingungen mit Einfluss von beispielsweise Tageslicht oder Luftfeuchtigkeit könnten die SARS-CoV-2-Erreger nicht so stabil sein wie in den Laboruntersuchungen.

Inwiefern helfen Desinfektionsmittel gegen Schmierinfektionen?

Die Molekulare und Medizinische Virologie an der Ruhr-Universität Bochum hat herausgefunden, dass es möglich ist, umhüllte Viren wie etwa Coronaviren, Ebola und Zika mit zwei neuen alkoholbasierten Desinfektionsmitteln zu inaktivieren. Diese zwei Desinfektionsmittel wurden von der Weltgesundheitsorganisation WHO vorgeschlagen.

Gesunde Menschen benötigen in ihrem Privathaushalt kein Desinfektionsmittel, erklärt das BfR. Um sich vor einer möglichen Schmierinfektion mit dem Corona-Virus zu schützen, ist das regelmäßige, richtige Händewaschen mit Seife für etwa 20-30 Sekunden und das Abwischen von Türklinken und Oberflächen mit haushaltsüblichen Reinigungsmitteln wichtig. Desinfektionsmittel im Privathaushalt sollten hingegen nur angewendet werden, wenn der Arzt dazu rät.

Wie kann man sich vor einer Schmierinfektion schützen?

Auch wenn es zurzeit keine gemeldeten Fälle gibt, in denen eine Infektion über Oberflächen wie Türklinken, Smartphones oder Verpackungen übertragen wurde, hält das BfR fest, dass sich Viren auf Oberflächen durch Niesen oder Husten einer erkrankten Person befinden können. Die Viren könnten auf der Oberfläche für einen gewissen Zeitraum infektiös bleiben und somit könnte es zu einer Schmierinfektion kommen, wenn nach dem Berühren der konterminierten Oberfläche die Hände an die Schleimhäute von Nase Mund, Rachen oder Augen gelangen. Aufgrund dieses möglichen Übertragungsweges ist gründliches Händewaschen eine äußerst wichtige Maßnahme, um sich zu schützen. Zudem sollte man sich mit den Händen nicht ins Gesicht fassen.

phoenix persönlich mit Virologe Prof. Hendrik Streeck

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