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Welche Fortschritte gibt es bei der Behandlung?

"corona nachgehakt" vom 22.06.2020

Moderation: Alfred Schier

14 min
14 min
08.10.2020
08.10.2020
Video verfügbar bis 08.04.2021

Virologe Prof. Hendrik Streeck im Gespräch bei Corona nachgehakt. Im neuen phoenix-Format „corona nachgehakt“ stellen Wissenschaftler und Ärzte neueste Forschungsergebnisse vor. 

In jeder Ausgabe des 15-minütigen Formats geht es im Gespräch mit Wissenschaftlern und Medizinern aus allen Fachbereichen um einen bestimmten Aspekt des Virus.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) arbeiten weltweit mehr als 130 Pharmaunternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Corona-Virus. Ein solcher Impfstoff wirkt präventiv. Experten rechnen allerdings erst Mitte 2021 mit einer Zulassung. Entsprechend läuft derzeit auch intensiv die Forschung für geeignete medikamentöse Therapiemittel, die dann wirken sollen, wenn der Infizierte bereits an Covid-19 erkrankt ist. Die WHO begrüßte nun die vorläufigen Ergebnisse einer britischen Studie zu einem Medikament gegen die Krankheit als "lebensrettenden Durchbruch".

Dexamethason als Hoffnungsträger

Hintergrund für die Äußerung der WHO ist eine Studie der Universität Oxford, die ein Medikament entdeckte, dass in schweren Verläufen der Krankheit die Sterblichkeit der Betroffenen deutlich verringerte. Nach Angaben der Forschenden sank die Sterberate bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten um ein Drittel, wenn diese mit dem Mittel Dexamethason behandelt wurden.

"Dexamethason ist das erste Medikament, von dem gezeigt wurde, dass es das Überleben bei Covid-19 verbessert", äußerte sich Peter Horby, einer der Leiter der Studie. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sprach angesichts der Ergebnisse von "großartigen Neuigkeiten". "Ich gratuliere der Regierung des Vereinigten Königreichs, der Universität Oxford sowie den vielen Krankenhäusern und Patienten im Vereinigten Königreich, die zu diesem lebensrettenden wissenschaftlichen Durchbruch beigetragen haben", so Tedros in seiner Mitteilung weiter.

Recovery-Studie

Die Daten stammen aus einem sogenannten "Recovery Trial" in Großbritannien. Dabei untersuchten Wissenschaftler die Eignung verschiedener bereits zugelassener Medikamente als Mittel gegen Covid-19. Insgesamt wurden mehr als 11.500 Patienten aus über 175 Kliniken in Großbritannien in die Studie aufgenommen. Von den Teilnehmenden erhielten 2.104 Patienten zehn Tage lang 6 Milligramm der Arznei Dexamethason. 3321 Patienten dienten als Kontrollgruppe. Nach Angaben der Wissenschaftler lag die Sterblichkeit unter den künstlich beatmeten Patienten ohne Dexamethason bei 41 Prozent. In der Versuchsgruppe sank sie um ein Drittel. Bei den Patienten, die Sauerstoff bekamen, aber nicht künstlich beatmet wurden, sank die Sterberate um ein Fünftel.

Wirkung von Dexamethason

Keine Wirkung zeigte Dexamethason dagegen bei Patienten mit milderem Krankheitsverlauf. Forschende führen diese Ergebnisse auf die Wirkung des Medikamentes auf das Immunsystem zurück. Bei schweren Verläufen des Corona-Virus kommt es häufig zu einer Überreaktion des Immunsystems. Die körpereigenen Abwehrzellen bekämpfen dann nicht nur die Corona-Viren, sondern zerstören auch das Lungengewebe des Patienten. Der Wirkstoff Dexamethason besitzt auf das Immunsystem eine entzündungshemmende Wirkung. Dadurch können Entzündungsprozesse gestoppt und Immunreaktionen unterdrückt werden, weshalb das Medikament auch bei Haut- und Gelenksentzündungen zum Einsatz kommt.

Bisher wurden die Ergebnisse noch nicht von anderen Experten begutachtet. Sollten sich die Ergebnisse allerdings bestätigen, könnte Dexamethason zu einem wichtigen Bestandteil in der Behandlung schwer erkrankter Covid-19-Patienten werden. Besonders in Kombination mit anderen Medikamenten, wie zum Beispiel Remdesivir, könnte dies einen Fortschritt für die Therapiemöglichkeiten gegen Covid-19 bedeuten. Anders als Dexamethason, das im späten, schweren Verlauf der Erkrankung verabreicht wird,  scheint Remdesivir aber nur zu wirken, wenn es frühzeitig, also direkt nach dem Auftreten der Infektion, gegeben wird. Da ist die Schwere eines Verlaufes aber in der Regel noch gar nicht absehbar. "Remdesivir bekämpft das Virus, Dexamethason die überschießende Entzündung", wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie, Prof. Dr. Bernd Salzberger, erklärte. "Solche Kombinationen werden gerade auch in anderen Studien untersucht."

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