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Wie sicher ist ein Impfstoff?

"corona nachgehakt" vom 10.06.2020

Infektiologin Prof. Maria Vehreschild von der Universitätsklinik Frankfurt im Gespräch bei corona nachgehakt. Im neuen phoenix-Format "corona nachgehakt" stellen Wissenschaftler und Ärzte neueste Forschungsergebnisse vor. In jeder Ausgabe des 15-minütig...

14 min
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08.10.2020
08.10.2020
Video verfügbar bis 08.04.2021

Infektiologin Prof. Maria Vehreschild von der Universitätsklinik Frankfurt im Gespräch bei corona nachgehakt. Im neuen phoenix-Format "corona nachgehakt" stellen Wissenschaftler und Ärzte neueste Forschungsergebnisse vor. In jeder Ausgabe des 15-minütigen Formats geht es im Gespräch mit Wissenschaftlern und Medizinern aus allen Fachbereichen um einen bestimmten Aspekt des Virus.

Im Kampf gegen das Coronavirus läuft die Forschung der Pharmaunternehmen auf Hochtouren. Rund 70 Medikamente werden weltweit erprobt, um ein mögliches Gegenmittel schnellstmöglich verfügbar zu machen. Nun zeigt sich ein kleiner erster Erfolg: Zwei Medikamente geben Anlass zur Hoffnung. Die ersten Impfstoff-Tests wurden bereits gestartet. 

WELTWEIT SIND 70 POTENTIELLE MEDIKAMENTE IN DER UNTERSUCHUNG

Auf seiner Internetseite führt der Verband der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland (vfa) mehr als 30 Wirkstoffe auf, die gegen die neuartige Lungenkrankheit Covid-19 helfen könnten. Weltweit haben Wissenschaftler knapp 70 Medikamente untersucht, die derzeit im Kampf gegen den Coronavirus ins Rennen gebracht werden. Darunter Medikamente gegen Malaria, gescheiterte Ebola-Präparate und Mittel gegen Aids oder Rheuma. Falls diese Medikamente sich als einsatzfähig gegen das Coronavirus erweisen sollten, könnten sie als Impfstoff schneller verfügbar sein, da sie bereits gegen andere Krankheiten zugelassen worden sind.

Ein Hoffnungsträger ist das Medikament Remdesivir, das in den USA bereits eine Eilzulassung erhalten hat. Allerdings gibt es dazu widersprüchliche Studien. In Europa ist es noch nicht zugelassen. Außerdem ist das Malariamittel Chloroquin im Gespräch. Eine Studie zeigte aber, dass das Medikament sogar schaden könne. An dieser Studie wurden mittlerweile Zweifel bekannt und auch die WHO nahm Studien - nachdem diese kurzzeitig ausgesetzt worden waren - wieder auf. US-Präsident Donald Trump nimmt dieses Mittel prophylaktisch ein. Daneben wird die sogenannte Serumtherapie getestet: Dabei bekommen schwerkranke Covid_19-Patienten fremde Antikörper aus dem Blutplasma von Patienten gespritzt, die eine Infektion bereits überstanden haben. Die Idee dahinter ist, dass die Patienten keine eigenen Antikörper mehr bilden müssen. Auch diese Therapie wird in klinischen Studien nun genau untersucht.

Impfstoffentwicklung läuft auf Hochtouren 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet bereits mehr als 120 verschiedene Impfstoffkandidaten auf, die sich in der sogenannten vorklinischen Evaluation befinden.  Zehn weitere Kandidaten befinden sich bereits in der klinischen Evaluation. In Deutschland forschen laut dem vfa acht Unternehmen an einem Impfstoff gegen das Corona-Virus. Die Entwicklung eines Impfstoffes könnte allerdings dauern: Bis dieser zugelassen und in ausreichender Menge verfügbar ist, dauert es normalerweise Acht bis Siebzehn Jahre. Die Zeit variiert je nach Produkt.

Impfstoffe müssen verschiedene Phasen bis zur Zulassung durchlaufen: Bevor die erst Phase überhaupt gestartet wird, testen Forscher an Versuchstieren, ob der Impfstoff zu gesundheitsschädlichen oder gar tödlichen Nebenwirkungen führt. Wenn solche Effekte ausgeschlossen werden können, beginnt die erste Studie am Menschen. Im März 2020 wurden bereits erste Studien für einen Corona-Impfstoff am Menschen durchgeführt, erste Ergebnisse könnten nach rund drei Monaten - also bereits im Juni 2020 - vorliegen. Anschließend beginnen Phase 2 und 3, in denen erneut nachgewiesen werden soll, dass der Impfstoff unbedenklich ist und auch eine Immunreaktion auslöst. Außerdem liefern diese fortgeschrittenen Studien bereits Hinweise auf geeignete Impfschemata oder Dosierungen. Generell sind für diese klinischen Studienphasen keine feste Dauer vorgeschrieben. Allerdings ist man angesichts der Pandemie derzeit versucht, diese Studien kurzzuhalten. Ein Vorteil ist, dass Institutionen wie das Paul-Ehrlich-Institut in Deutschland oder auch die WHO selbst, die Genehmigung für Studien beschleunigt haben. 

Sind diese Impfstoffe überhaupt sicher?

Obwohl die klinischen Studien kürzer als üblich sind, dauert eine Zulassung ihre Zeit. Allein Phase 3 dauert zwischen 3 Monaten und mehreren Jahren. Es wird erwartet, dass 2021 eine Impfung großflächig im Rahmen einer Phase-3 Studie eingesetzt werden kann. Allerdings gibt es Pläne, bereits im Herbst mit dieser Art von Studie zu starten, was üblichen wissenschaftliche Herangehensweisen widerspricht und Sondergenehmigungen erfordert. Eine Zulassung vor 2022 ist damit unrealistisch, aber nicht unmöglich. Es wird auch davon abhängen, wie akut die Situation bis dahin ist. Ein Vorteil ist, dass Impfstoffkandidaten noch nie so schnell entdeckt und auch entwickelt wurden wie in der heutigen Zeit. Laut dem Bundesverband forschender Pharma-Unternehmen hilft auch die Erfahrung mit anderen Corona-Viren bei der Entwicklung eines Impfstoffs.

Neue Methoden zur Entwickelung eines Corona-Impfstoffs

Um das Corona-Virus zu bekämpfen, werden auch neuartige Impfstoffe entwickelt. Bei herkömmlichen Impfstoffen werden meist Viren in abgeschwächter Form - oder ihre zerstörten Reste – injiziert. Allein die Herstellung und Produktion dieser Viren dauert aber mehrere Monate. Die neuartigen RNA-Impfstoffe funktionieren anders: Der Patient bekommt lediglich einen Bauplan verbreicht. Die Impfung gegen das Coronavirus enthält im Grunde Viruserbgut, welches die Informationen für Bestandteile des tatsächlichen Virus enthält. Der Körper nutzt dann diesen Bauplan, um das Virus zu erkennen und zu bekämpfen. In Deutschland arbeitet das Unternehmen Curevac aus Tübingen an einem solchen mRNA-Impfstoff. Laut dem Bundesverband für forschende Pharmaunternehmen arbeitet auch BioNTech aus Mainz an einem solchem Impfstoff. Der erste Impfstofftest in den USA beruht ebenfalls auf dieser Methode. Interessant ist auch, dass die Medizinische Hochschule Hannover einen Tuberkulose-Impfstoff auf die Wirkung gegen das Corona-Virus testet. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich Ende 2020 vor.

Eine Epidemie sagt aus, dass eine Krankheit in einer bestimmten Region und in einem begrenzten Zeitraum ungewöhnlich häufig vorkommt. Von einer Pandemie spricht man dann, wenn die Epidemie sich über Landesgrenzen, über einen Kontinent oder weltweit ausbreitet.

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