Sie sind hier:

US-Strafzölle: Mehrheit befürchtet Schaden für Wirtschaft

Politik | Politbarometer - US-Strafzölle: Mehrheit befürchtet Schaden für Wirtschaft

Eine Mehrheit der Deutschen erwartet deutlich negative Auswirkungen für die deutsche Wirtschaft, wenn die US-Strafzölle für Europa wirksam werden. Das zeigt das aktuelle ZDF-Politbarometer.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 08.04.2019, 08:00

Wenn die noch bis Anfang Mai ausgesetzten US-Strafzölle auf europäische Produkte eingeführt werden, würde das für 63 Prozent der Befragten der deutschen Wirtschaft sehr stark oder stark schaden. 34 Prozent erwarten in diesem Fall nicht so große oder keine negativen ökonomischen Auswirkungen (Rest zu 100 Prozent hier und im Folgenden jeweils „weiß nicht“).

Sollten von den USA Strafzölle verhängt werden, haben die Europäische Union und andere Staaten ihrerseits mit Handelshemmnissen gedroht. 50 Prozent befürchten, dass diese Auseinandersetzungen zu einem weltweiten Handelskrieg führen werden, 46 Prozent glauben das nicht.

Deutsch-amerikanische Beziehungen: schlechter Zustand - große Bedeutung

Zwischen dem momentanen Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen und der Bedeutung, die ihnen zukommt, herrscht nach Meinung der Befragten eine große Diskrepanz: Nur 34 Prozent bezeichnen das Verhältnis zwischen den beiden Staaten als gut, eine Mehrheit von 62 Prozent hält es für schlecht.

Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und US-Präsident Trump.
92 Prozent der Deutschen betonen die Wichtigkeit guter Beziehungen zu den USA. Quelle: Kay Nietfeld/dpa

Dabei betonen 92 Prozent der Deutschen die Wichtigkeit guter Beziehungen zu den USA, lediglich sieben Prozent sehen das anders. Zudem bezweifeln mit 85 Prozent jetzt noch deutlich mehr als vor einem knappen Jahr (Jun. I 2017: 69 Prozent), dass die USA unter Präsident Trump ein verlässlicher Partner sind, wenn es um die Sicherheit Europas geht. Nur zwölf Prozent (Jun. I 2017: 25 Prozent) vertrauen darauf.

EU: Deutsche setzen auf deutlich engere Zusammenarbeit

Macron im EU-Parlament
Ein Großteil der Deutschen spricht sich wie Präsident Macron für ,,mehr Europa'' aus. Quelle: reuters

Der Forderung des französischen Präsidenten Macron nach einer deutlich engeren Kooperation auf EU-Ebene schließen sich 88 Prozent der Befragten grundsätzlich an. Zehn Prozent wollen das nicht, darunter 32 Prozent der AfD-Anhänger. Vor allem in den Bereichen Außenpolitik (88 Prozent), Flüchtlingspolitik (88 Prozent) und Verteidigung (83 Prozent) spricht sich ein Großteil der Deutschen für „mehr Europa“ aus. In der Finanzpolitik fällt die Zustimmung etwas verhaltener aus, hier sind 62 Prozent für eine viel engere Verzahnung innerhalb der EU, 32 Prozent sind dagegen.

Den Einsatz Angela Merkels für ein starkes Europa bewertet eine Mehrheit von 59 Prozent als gerade richtig, 26 Prozent wünschen sich hier mehr Engagement von der Bundeskanzlerin und zwölf Prozent weniger.

Friedenslösung für Syrien: EU stärker gefordert

Die meisten Befragten sehen in puncto Konfliktlösung für Syrien Defizite auf Seiten der EU: 64 Prozent halten die Anstrengungen der Staatengemeinschaft im Syrien-Friedensprozess für nicht ausreichend, 27 Prozent meinen, die EU setze sich dafür genug ein.

Sonntagsfrage: Union und SPD legen zu

Wenn am nächsten Sonntag wirklich Bundestagswahl wäre, könnte die Union zulegen auf 34 Prozent (plus eins) und die SPD auf 20 Prozent (plus eins). Die AfD bliebe unverändert bei 13 Prozent, die FDP würde sich erneut verschlechtern auf sieben Prozent (minus eins), die Linke könnte sich verbessern auf zehn Prozent (plus eins) und die Grünen müssten einen Punkt abgeben auf 13 Prozent.

Die anderen Parteien lägen zusammen bei drei Prozent (minus eins). Wie bisher hätte damit neben einer großen Koalition nur ein Jamaika-Bündnis aus CDU/CSU, FDP und Grünen eine parlamentarische Mehrheit.

Top Ten: Seehofer weiter auf dem letzten Platz

Auf der Liste der nach Meinung der Befragten zehn wichtigsten Politikerinnen und Politiker erhält erneut Wolfgang Schäuble die beste Bewertung mit einem unveränderten Durchschnittswert von 1,9 auf der Skala von +5 bis -5. Danach kommen Sigmar Gabriel mit 1,3 (Apr. I: 1,3), Angela Merkel mit 1,3 (Apr. I: 1,1), Olaf Scholz mit 1,0 (Apr. I: 1,1) und Heiko Maas mit 0,9 (Apr. I: 0,7).

Mit deutlichem Abstand folgen in der unteren Hälfte der Liste, bei jeweils recht ähnlichen Einstufungen, Andrea Nahles mit 0,3 (Apr. I: 0,2), Ursula von der Leyen mit 0,3 (Apr. I: 0,3), Sahra Wagenknecht mit 0,2 (Apr. I: 0,3) und Christian Lindner mit 0,2 (Apr. I: 0,2). Horst Seehofer liegt bei 0,1 (Apr. I: 0,1) und ist damit erneut Schlusslicht.

Nahles und SPD: Zuversicht nur im SPD-Lager

Am Wochenende wurde Andrea Nahles zur neuen SPD-Parteivorsitzenden gewählt. 39 Prozent aller Befragten und 52 Prozent der SPD-Anhänger glauben, dass sie die Richtige für dieses Amt ist. Insgesamt 40 Prozent und 33 Prozent in den eigenen Reihen sind gegenteiliger Meinung. Gut ein Drittel (34 Prozent) der Befragten erwartet, dass die neue Vorsitzende die Partei erfolgreich in die Zukunft führen wird, 52 Prozent trauen ihr das nicht zu.

39 Prozent der Befragten finden Nahles als SPD-Vorsitzende richtig.
39 Prozent der Befragten finden Nahles als SPD-Vorsitzende richtig. Quelle: dpa

Die SPD-Anhänger sehen das tendenziell anders, für 49 Prozent wird Nahles die Partei auf Erfolgskurs bringen, 37 Prozent bezweifeln das. Ähnlich unterschiedlich fallen die Einschätzungen hinsichtlich einer Erneuerung der Partei aus: Während fast zwei Drittel (64 Prozent) aller Befragten davon ausgehen, dass es der SPD nicht gelingen wird, sich als Partei in der Großen Koalition zu erneuern (gelingt: 31 Prozent), sind 55 Prozent der SPD-Anhänger der Meinung, die Partei werde das schaffen, 41 Prozent sind skeptisch.

Die Umfrage zum Politbarometer…

… wurde wie immer von der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen durchgeführt. Die Interviews wurden in der Zeit vom 24. bis 26. April 2018 bei 1.285 zufällig ausgewählten Wahlberechtigten telefonisch erhoben. Dabei werden sowohl Festnetz- als auch Mobilfunknummern berücksichtigt. Die Befragung ist repräsentativ für die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Der Fehlerbereich beträgt bei einem Anteilswert von 40 Prozent rund +/- drei Prozentpunkte und bei einem Anteilswert von zehn Prozent rund +/- zwei Prozentpunkte. Daten zur politischen Stimmung: CDU/CSU: 36 Prozent, SPD: 23 Prozent, AfD: neun Prozent, FDP: sieben Prozent, Linke: zehn Prozent, Grüne: 14 Prozent. Das nächste Politbarometer sendet das ZDF am Freitag, den 18. Mai 2018. Weitere Informationen zur Methodik der Umfrage und zu den genauen Frageformulierungen finden Sie auch auf www.forschungsgruppe.de.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.