Annette Seitz, Hebamme aus Saarbrücken

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Politik | Wahlen im ZDF - Annette Seitz, Hebamme aus Saarbrücken

Annette Seitz ist Hebamme im Caritas-Klinikum in Saarbrücken, seit 21 Jahren begleitet sie Frauen vor, während und nach der Geburt. Es war und ist ihr Traumberuf. Sie weiß, dass heute das Kinderkriegen – neben großem Glück – für viele Mütter auch mit …

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 13.07.2018, 00:00

„Deutschland wäre gern ein familienfreundliches Land, aber ich als Hebamme erkenne da große Lücken. Also zum Beispiel: sie kaufen sich ein neues Auto, dann kriegen sie ein Rundum-Sorglos-Paket dafür. Aber für eine Familie, die ein Kind bekommt, ist das nicht so. Das Kind ist da und viele Frauen stehen dann ganz alleine da. Das fängt ganz banal an mit Kitaplätzen und solche Sachen, da hängt Deutschland ganz schön hinterher“, meint Annette Seitz. Sie ist nicht nur Hebamme, sondern auch selbst Mutter. Ihr Sohn Pauli ist zehn und leidet unter einer sehr seltenen Erbkrankheit mit dem Namen Multiple Sulfatase Defizienz. Seinem Körper fehlen lebenswichtige Enzyme. Alle Organe, alle Sinne sind betroffen, Heilung gibt es nicht. Er kann nie alleine gelassen werden, rund um die Uhr sind Annette und ihr Mann Bernd für ihn da. „Ich sag zwar immer, wir kriegen das alles hin und es ist mit viel Liebe verbunden, was die Sache einfacher macht, aber es ist sehr belastend. Am Schlimmsten ist diese ständige Angst, dass man irgendwann eine Grenze erreicht, dass man ihm nicht mehr helfen kann.“

Pauli kann nicht sitzen, nicht laufen, nicht sprechen, kaum sehen. Er wird durch eine Sonde ernährt, manchmal braucht er zusätzlichen Sauerstoff. Das Leben zwischen ihrem schwerkranken Kind und dem Schichtdienst als Hebamme bringt Annette oft an ihre Grenzen. Ihr Glück, ihr Hafen, sagt sie, sei ihr Mann. Unterstützung haben Annette und Bernd durch einen Pflegedienst – aber: das Allermeiste bliebt trotzdem an den Beiden hängen. Das Leben mit Pauli fühlt sich manchmal auch an wie ein endloser Kleinkrieg mit Krankenkassen und Behörden.

Die Politik ist weit von den Menschen entfernt

Denn wer dem deutschen Gesundheitssystem Leistungen abtrotzen will, muss gute Nerven haben und über eine Menge Informationen verfügen, sagt Annette Seitz. Die Politik sei ganz weit von den Menschen entfernt. Sie wünscht sich, dass Kinder wie Pauli viel mehr sind als nur eine Diagnose: „Oft sind die, die bestimmen nicht selber betroffen. Oder wissen nicht, was es heißt. Oder kommen erst irgendwann dahin, wenn ihre Zeit als Politiker vorbei ist. Also es müsste einfach mehr Empathie da sein, mehr Menschlichkeit. Und die müssen mehr vor Ort sich mal anschauen, ob die Sachen, die sie bestimmen, im Bundestag oder wo auch immer, wirklich umgesetzt werden. Das ist nämlich nicht der Fall.“ Paulis Krankheit schreitet unaufhaltsam voran, seine Eltern wissen das. Wie lange er leben wird, wissen sie nicht. Annette sagt: Ihr Leben ist vielleicht nicht die Norm, aber hat trotz aller Anstrengungen viele wunderbare Momente. .

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