Gunter Kiem, Schreinermeister

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Politik | Wahlen im ZDF - Gunter Kiem, Schreinermeister

Gunter Kiem ist Schreinermeister in Hütten auf der Schwäbischen Alb. Er macht sich für die Ausbildung des Nachwuchses stark, in einem Handwerk, das auch immer mehr von Computer und Internet abhängig ist.

Beitragslänge:
3 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 10.05.2018, 09:00

Und das ist sein Problem: Hier unten im Tal der Schmiech, einem Donauzufluss, ist es mit einer schnellen Internetverbindung nicht weit her: „Wir zahlen Steuern genauso wie andere auch und haben genauso einen Anspruch auf eine schnelle Internetverbindung“, sagt er. Denn wer sich einen Schreiner mit Hobel in der Hand und Bleistift hinter dem Ohr vorstellt, der ist auf dem Holzweg: Der Computer führt die Säge und nicht nur die Baupläne kommen online, sondern auch die Daten werden ferngewartet: „daher müssen wir ständig verbunden sein. Und wenn wir das nicht sind, dann steht die Maschine für zwei Tage und das ist für die Produktion sehr schlecht.“ Die oft in Berlin verkündete Internet-Offensive kam im Schmiechtal nie an. Nicht einmal Handyempfang haben sie hier.

Schreinermeister Kiem ist nicht nur für seine Maßmöbel im nahen Ulm und um Ulm und um Ulm herum bekannt, sondern auch dafür, dass er sich im Ausbildungswesen der Branche engagiert. Und das ist auch nicht in allerbester Verfassung.

Sein Anliegen

Während die Kanzlerin im Ausland gerne unser Duales System anpreist, geht im Alltag manches aus dem Leim. Nicht nur die Zahl der Lehrlinge gehe zurück, sondern auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe. Es gebe immer mehr reine Montagebetriebe, so Kiem, die nur noch Fertigteile einbauen oder zusammensetzen und immer weniger produzieren. Damit werde die Industrie gestärkt, aber das Handwerk verliert mehr und mehr seinen goldenen Boden. Gegen diesen Abwärtstrend helfen vor allem die Berufsfachschulen, meint der Schreiner. Aber die gibt es eben nicht in jedem Bundesland und auch das zieht das allgemeine Ausbildungsniveau nach unten.

Übrigens: Wer denkt den Nachwuchsmangel im Handwerk könnte man ja schnell beheben und Flüchtlinge vermitteln, der weiß nicht, wie hochspezialisiert inzwischen die Holzverarbeitung ist. Auch bei der Integration müssen ganz dicke Bretter gebohrt werden. Hilfsarbeiten gebe es keine mehr im Handwerk, so Kiem und ohne Ausbildung gehe da nichts.

Als der Betrieb vor 50 Jahren gegründet wurde, da gab´s im Ort noch vier Schreiner, auch einen Schmied und einen Zimmermann. Das wirkt dann doch schon fast wirklich ein wenig biblisch im schönen Hütten, wo das Stoßgebet heute heißt: Kommet her und verleget Breitband.

Ein Film von Gert Anhalt

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