Roland Scheller, Fischer

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Politik | Wahlen im ZDF - Roland Scheller, Fischer

Roland Scheller ist noch einer der letzten hauptberuflichen Fischer an der Ostseeküste in Kühlungsborn. Er ist sauer, denn seit diesem Jahr darf er nur noch die Hälfte an Dorsch fischen wie noch die Jahre zuvor.

Beitragslänge:
4 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 24.07.2018, 16:00

Für viele seiner Kollegen bedeutete das das Aus. „Letztes Jahr zum Beispiel, als das mit den Quoten rauskam für dieses Jahr, haben mehrere Fischer aus der Genossenschaft zum Jahresende aufgehört“, sagt Roland Scheller, weil man davon nicht mehr leben könne. Ihm selber entgehen durch die jüngste Quotenkürzung 2.000 Euro monatlich.
Es ist nicht die erste Beschränkung, die er und die anderen Fischer durchmachen. „Die ganzen letzten Jahre haben wir Kürzungen gekriegt, wo wir nicht mehr fischen dürfen“, erklärt Scheller: „Die haben uns die letzten 20 Jahre so extrem gekürzt, mit allem Möglichen, da brauchen sie sich nicht wundern, dass der Fischer aufhört.“

Forderung an die Politik

Die, damit meint er die EU-Kommission in Brüssel, die jedes Jahr neu entscheidet, wieviel Fisch der Ostsee entnommen werden darf. Zum Schutz vor Überfischung. Roland Scheller gehört zu den ganz kleinen Kutterfischern. Seine Stellnetze setzt er alleine, einen zweiten Mann an Bord kann er sich nicht leisten. Es seien auch Ausgleichszahlungen angeboten worden, sagt Scheller: „Diese Ausgleichszahlungen sind ja gut und schön, das macht eine Summe von etwa 3.000 Euro aus, ist aber so kompliziert diese Beantragung, dass viele Fischer es gar nicht machen.“

Weniger Bürokratie auf dem Kutter, das würde er sich von der Politik wünschen. Denn das Fischen selbst sei schon fast zur Nebensache geworden angesichts der vielen Papiere, die er nach jeder Ausfahrt ausfüllen müsse.

Die Zukunft

Vom Fang allein kann Scheller nicht mehr leben. Vor 10 Jahren hat er sich deshalb ein zweites Standbein geschaffen: eine Fischräucherei mitten im Urlaubsgebiet. Dort verkauft er seinen eigenen und zugekauften Fisch für gutes Geld an Einheimische und Urlauber. Das lohnt sich mehr als den Fang an die Fischereigenossenschaft abzugeben. Durch die Reduzierung der Dorschquote bekomme die Genossenschaft fast gar nichts mehr, erklärt Scheller: „Denn jeder Fischer versucht natürlich jetzt  seinen Fisch selber zu verkaufen, um für jedes Kilo, das er verkauft, einen Euro mehr zu kriegen.“
Er wünscht sich manchmal, noch so fischen zu können wie damals seine Großeltern oder später sein Vater. Das war zwar harte Arbeit, aber ganz ohne die lästigen Einschränkungen, die heute aus dem fernen Brüssel kommen. „Die ganzen Vorschriften, die wir haben, werden allgemein auf die Fischer bezogen, egal ob wir Schleppnetzfischerei machen oder Stellnetzfischerei“, sagt Scheller, doch da müsse man einen ganz großen Unterschied machen.

Seinen Kindern will er nicht empfehlen, seine Nachfolge anzutreten. Doch Tochter Caroline hat Spaß am Fischverkauf und ihr Mann will vielleicht den Fischkutter ihres Vaters übernehmen, sagt sie: „Wir wissen noch nicht genau, worauf es hinausläuft, ob er es wirklich hauptberuflich macht oder nur nebenberuflich. Papa sagt, er soll es nur nebenberuflich machen, dann hat er nicht so viel zu beachten.“
Scheller liebt seinen Beruf, doch er fürchtet, wenn sich in der Fischereipolitik nichts ändert, wird er einer der letzten sein, der noch vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns auf Fischfang geht.

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