Michael Binder

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Politik | Wahlen im ZDF - Michael Binder

Alleinsein – das ist eines der großen Themen von Michael Binder. Seit er nicht mehr arbeitet, hat er vor allem von einem zu viel: von der für andere so raren Zeit. Und die verbringt er zum größten Teil allein. Oder mit Beagle Tom.

Beitragslänge:
5 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 31.07.2018, 16:00

Einsam sein, aus der Gesellschaft raus zu sein, sei schlimm, sagt Michael Binder, denn die Rhythmen seiner Freunde seien andere: „Das heißt, ich kann niemandem über den Erfolg, den ich gerade habe, berichten. Wenn ich jemanden anrufe, sagt der immer, ich habe keine Zeit.“ Früher war Michael vermutlich auch einer, der andere warten ließ. Erfolgreich im Beruf, in der Welt unterwegs, und aktiv in der  Kommunalpolitik.
Irgendwann aber wurde Michael Binder arbeitslos, war plötzlich in einer ganz neuen, unbekannten Lebenssituation. Dieses Zuhause-Sitzen und an die Wand starren, erklärt er, das hindere einen irgendwann daran, selbst die einfachsten Dinge zu machen. Er schrieb Listen, um den Tag zu strukturieren. Er schrieb Bewerbungen. Aber er hatte keinen Erfolg. Kein Job, kein Geld – da hat es auch nicht mehr lange gedauert, bis er sein Haus verkaufen musste. Die Bank hatte ihm den Kredit gestrichen.    

Schwierige Zeiten

Es gab eine Phase in Michael Binders Leben, da war von dem Mann von früher nicht mehr viel übrig. Er war, so sagt er es selbst, am Ende. Aber er hatte, was man leichtfertig Glück im Unglück nennt. Nach mehr als 30 Jahren Arbeit hatte er am Starnberger See ein unbezahltes Praktikum ergattert. „Ich bin morgens zur Arbeit gegangen, abends bin ich zurück ins Hotel, war vorher noch was essen gewesen. Da bin ich morgens aufgewacht und habe eben diesen See gesehen“, sagt Michael Binder: „Endlich war ich woanders.“    
Die Stimmung war anders, die Lage aber unverändert. Jede Bewerbung lief ins Leere. Und auch zur Musik, die ihm neben seinem Beruf einmal so wichtig gewesen  war, hatte er keinen Zugang mehr. Irgendwann aber rafft er sich auf, ruft die alten Freunde an, und erinnert sie an die guten alten Zeiten. Wenn sie heute zusammen Musik machen, ist es wie früher und doch ganz anders. „Ich habe mir gewünscht, mit diesen Menschen gemeinsam Freude zu empfinden“, sagt Michael: „Und dieses Lachen im Gesicht und die erste Freude, die ich dort gesehen habe, hat mich ermutigt, den Weg Stück für Stück weiterzugehen. Bis ein neues Lebensgefühl daraus wurde.“

Seine Forderung an die Politik

Heute lebt der 54-Jährige mit Partnerin und Hund in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Norden von Frankfurt. Eine größere Wohnung kann sich das Paar nicht leisten. Gerade beim Thema Miete wirft er dem Staat deshalb vor, versagt zu haben. „Bezahlbarer Wohnraum in Frankfurt, wo die Mietbremse überhaupt nicht funktioniert, das wäre mal was. Wenn unser Land mal Gesetze machen würde, die tatsächlich nachhaltig überprüft werden würden, das wäre ein Traum“, meint Michael Binder.
So aber ist ein kleines Stehpult alles, was in der engen Wohnung Platz findet. Dort arbeitet Michael Binder, wenn er mal wieder Bewerbungen losschickt oder, wenn er an einem Drehbuch schreibt. Kreativität und Glaube – zwei Pfeiler seines Lebens. „Ich bin gläubiger Christ und für mich war das Gespräch mit Gott einfach das A und O“, sagt Binder. Glaube und Zweifel, Verantwortung  und Selbstbestimmung. Zufall und Schicksal. Über all diese Themen denkt Michael Binder in den letzten Jahren viel nach.

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