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Reden, um Ängste zu nehmen

ZDF-Moderatorin Jule über die Bedeutung von Kindernachrichten

Amoklauf in einem Erfurter Gymnasium, Geiseldrama in einer Schule in Beslan oder Tsunami-Katastrophe: Es gibt viele Beispiele für Schreckensmeldungen, die um die Welt gehen - auch in den Kinderprogrammen. Wie vermittelt man den jüngsten Zuschauern solche Ereignisse, die man ihnen lieber verschweigen möchte? Oder sollte über solche Grausamkeiten besser nicht berichtet werden? ZDFonline fragte Jule Gölsdorf, Moderatorin der ZDF-Kindernachrichtensendung logo!

Die Themenauswahl bei logo! ist vielfältig. Nachrichtenagenturen und Zeitungen werden durchforstet, Newssites im Web gecheckt und die Konkurrenz beobachtet. Interessant ist aber auch das, was auf den Schulhöfen diskutiert wird. Deshalb spiegelt logo! nicht nur kindgerecht die aktuelle Nachrichtenagenda wider. Die Kinder stehen häufig selbst im Mittelpunkt der Berichterstattung. Reportagen über das Leben junger Menschen im Ausland sind ein Beispiel. Immer wieder kommen die Kinder selbst zu Wort. Das hilft gerade bei der Vermittlung von schwierigen Zusammenhängen.

"Ganz wichtig sind uns die Themen, die Kindern Angst machen", erläutert Jule, die seit 2003 logo! im KI.KA und ZDF moderiert. Bei kritischen Themen geht es vor allem darum, die Hintergründe zu erklären. Dabei wird grundsätzlich kein Thema ausgespart. Erlaubt ist, was junge Zuschauer zwischen 8 und 12 Jahren interessieren könnte. Hauptsache, es wird eingeordnet und lässt keine Fragen offen. So wäre es schlichtweg falsch, dem Thema "Tsunami-Katastrophe" aus dem Weg zu gehen, erklärt Jule: "Das schürt nur noch die Angst." Auch hier gilt: erklären, was passiert ist, deutlich machen, dass Gefahren wie ein Tsunami in Deutschland unwahrscheinlich sind.

Einfache Worte, klare Sprache

Grundsätzlich gibt es keine Tabuthemen. Berichte über Kindesmissbrauch, sogar Beiträge über Beschneidungen hat logo! gesendet. Die Regeln für alle Beiträge sind: einfache Wortwahl, klare Sprache, keine Fremdwörter und eine besondere Sorgfalt bei der Auswahl der Bilder. Im Zweifel wird verzichtet. Besonders brutale Aufnahme oder gewaltverherrlichende Szenen werden nicht gesendet. "So haben wir im Gegensatz zu vielen anderen Nachrichtensendungen die Bilder der ermordeten Söhne Saddams Husseins nicht gezeigt", sagt Moderatorin Jule als Beispiel.


Je komplexer das Thema, um so schwieriger ist es natürlich für das logo-Team, kindgerecht zu übersetzen. Das gilt auch für Themen wie Handy oder Computer, die ganz wesentlich den Alltag von jungen Menschen bestimmen. Auch logo! will einen Beitrag leisten, einen verantwortlichen Umgang mit den Medien zu vermitteln. Deshalb wird zum Beispiel regelmäßig über die neuesten Trends auf dem Technik-Markt oder über die Computermesse CeBIT berichtet. Gerade bei Handy- oder Computerthemen haben die Kinder gegenüber den Eltern häufig einen Wissensvorsprung.

Logo-Moderatorin Jule findet es falsch, wenn sich Eltern bei der Medienerziehung ausklinken: "Kinder vor dem Fernseher zu parken, ist verkehrt." Der Bildschirm sei der schlechteste Babysitter. Interesse zeigen für die Mediennutzung der Kinder, sich auseinandersetzen mit Handy und Computerspielen sind Jules Forderungen. Da die Aktion SCHAU HIN! genau in diese Richtung geht, hält die ZDF- und KI.KA-Moderatorin die Kampagne für eine "sehr, sehr wichtige Sache".

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