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Bis zum bitteren Ende

Schauplatz Berlin

Am 29. April 1945 hatten sich sowjetische Truppen bis auf 500 Meter an den Reichstag herangekämpft. Tags darauf drangen Stoßtrupps in das Gebäude ein. Obwohl bereits an diesem letzten Apriltag die Rote Fahne auf dem Dach des Reichstags gehisst worden sein soll, hielten die Kämpfe Mann gegen Mann im Inneren des Gebäudes noch an.

Alle Zeitzeugen - ob von deutscher oder russischer Seite - sind sich in einem einig: So wie die "Schlacht um den Reichstag" in zahlreichen sowjetischen Spiel- und Dokumentarfilmen dargestellt wurde, hat sie sich nicht zugetragen.

Die Rote Fahne auf dem Reichstag

Wer hat als erster sowjetischer Soldat die Rote Fahne über dem Reichstag gehisst? Seit Jahrzehnten ist diese Frage unbeantwortet. Auf einem nachgestellten Foto des berühmten sowjetischen Militärfotografen Jewgenij Chaldej ist es der Georgier Militon Kantarija, der sich stets damit brüstete, der erste Rotarmist auf dem Dach des Reichstags gewesen zu sein.

Jetzt wird diese Legende entzaubert. Erstmals spricht im ZDF der sowjetische Soldat, der offiziell verbürgt als Erster die Rote Fahne auf dem Reichstag hisste: Es ist Michail Petrowitsch Minin.

Die Sprengung des Landwehrkanals

Noch weitere Legenden ranken sich bis heute um das Kriegsende in Berlin - so um die Sprengung des Landwehrkanals und Flutung der S- und U-Bahntunnel. Die Zahl der Opfer ist bis heute ungeklärt. Zeitzeugen wie Waltraud Süßmilch berichten von ihrer Flucht mitten in den steigenden Fluten: "Plötzlich begannen die Schottersteine zwischen den Schienen zu glitzern, meine Strümpfe sogen sich voller Wasser. Das war wirklich bedrohlich - wir wussten ja nicht, wie hoch das Wasser noch steigen würde."

Bis heute sind die genauen Umstände der Sprengung des Landwehrkanals ungeklärt. Als sicher gilt, dass SS-Pioniere die Explosion veranlassten, bei der U- und S-Bahntunnel in einer Länge von 25 Kilometern unter Wasser gesetzt wurden. Die Sprengung gilt als eine der umstrittensten militärischen Aktionen in der ganzen Schlacht um Berlin.

Noch immer fanatischer Widerstand

Als Rotarmisten am 21. April 1945 die Berliner Stadtgrenze überschritten hatten, betraten sie ein Trümmerfeld, eine vom Bombenkrieg und Artilleriefeuer verwüstete Stadt mit großteils kriegsmüden Bewohnern, die in Ruinen hausten und der Vergeltung der Sieger voller Angst entgegensahen.

Junge Soldaten

Doch noch immer hielt der Widerstand fanatischer Hitler-Anhänger an, wurden Kindersoldaten und Hitlerjungen im sinnlosen "Endkampf" gegen eine gegnerische Übermacht verheizt. Noch immer wurden Hitlers Befehle befolgt, die Hauptstadt "bis zum letzten Mann" zu verteidigen. Auch die Zitadelle Spandau im Südwesten Berlins sollte auf Befehl des Kriegsherrn gehalten werden. Am 27. April besetzten sowjetische Truppen die Spandauer Altstadt und belagerten die alte Festungsanlage, in die sich auch Zivilisten geflüchtet hatten.

Szenario des Untergangs

Der Film dokumentiert das Schicksal von Menschen, die den Albtraum vom Ende in Berlin durchlitten, ob als Zivilisten oder Soldaten. Auf beiden Seiten gab es Elend und Verzweiflung, was die Überlebenden auch nach 60 Jahren nicht vergessen können, sie erzählen Geschichten von Wahn und Fanatismus, von Rache und Unmenschlichkeit, aber auch vom Mitgefühl und Überleben in einem Szenario des Untergangs.

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